Ihm gefalle es gut im neuen Waldkindergarten, erklärt der fünfjährige Maximilian. Eine weitere Auskunft ist schwer zu bekommen, weil er gleich weiter muss. Auf der Lichtung beim Grillplatz Eichelrain gibt es immer was zu entdecken – und der große Platz lädt zum Laufen und Hüpfen ein.

Die dreijährigen Lina und Luca haben es sich derweil in der Hängematte zwischen zwei Bäumen bequem gemacht und werden zu ihrem Vergnügen von Erzieher Jörg Voggesser geschaukelt.

Kinder lernen Umgang mit der Natur

Nicht nur die zehn Kinder, die aktuell im Waldkindergarten sind, finden das neue Angebot der Gemeinde Allensbach toll. Auch Eltern und das dreiköpfige Betreuerteam meinen, das Konzept sei sehr gut. „Was die Kinder hier lernen, ist der Umgang mit der Natur“, erklärt die Bewegungspädagogin und Erzieherin Pauline Langenbacher. Und die Leiterin Mechthild Stocker fügt an: „Wir sind viel unterwegs.“

"Respekt vor der Natur ist wichtig – wir sind Gäste"

Doch: „Regeln sind dabei wichtig, der Respekt vor der Natur. Wir sind Gäste im Wald.“ Und auch Rituale seien wichtig. Es gebe einen Morgen- und einen Abschlusskreis, und man frühstücke zusammen. Wobei sie anmerkt: „An der frischen Luft sind die Eindrücke etwas anders.“

Nach dem Zusammenkommen beim Eichelrain suche man sich einen Platz im Wald, wo viel frei gespielt werden könne mit dem, was man finde. Da baue man mal ein Waldsofa aus Ästen oder aus langen Stöcken eine Art Tipi-Zelt. Und man nehme Seile mit, mache daraus Schaukeln, Spinnennetze oder Brücken. „Wir müssen auch erst mal die Gegend erkunden“, so Stocker. „Wir sind mit den Kindern auf Entdeckungstour.“

Erlebnisse für Motorik und die Sinne

Sie finde an dieser Pädagogik gut, dass die Kinder viel aus der Situation heraus lernen, aus dem Erleben. Die Kreativität und Fantasie werde gefördert, ebenso die Motorik und die Sinne. „Wir hören den Kuckuck rufen oder nehmen eine Kröte in die Hand.“ Und ganz wichtig sei dabei auch die Sprache, weil es kein vorgefertigtes Spielzeug gebe, so Stocker: „Ein Stock kann alles Mögliche sein.“ Da müssten die Kinder erst kommunizieren, ob es sich zum Beispiel um einen Laubbläser oder eine Rakete handele. „Es wird nie langweilig.“

Die Mütter Manuela Köstner, Kathrin Runge und Peggy Jurke (von links) sind begeistert vom Allensbacher Waldkindergarten. Die Kinder hätten hier viel Freiraum und würden den mgang mit der Natur lernen. Und in der Hängematte schaukeln sie natürlich auch gern. Bild: Thomas Zoch
Die Mütter Manuela Köstner, Kathrin Runge und Peggy Jurke (von links) sind begeistert vom Allensbacher Waldkindergarten. Die Kinder hätten hier viel Freiraum und würden den mgang mit der Natur lernen. Und in der Hängematte schaukeln sie natürlich auch gern. Bild: Thomas Zoch | Bild: Thomas Zoch

Und die Kinder seien gern draußen. „Die finden das auch bei Regen schön.“ Und freuen sich, dass sie sich auch mal dreckig machen oder in eine Pfütze springen dürfen. Für sehr schlechtes Wetter oder wenn es kalt ist, gibt es einen Wagen mit Spielen und Büchern als Unterschlupf – bisher noch ein simpler Bauwagen als Übergangslösung, im Juli soll ein größerer Aufenthaltswagen geliefert werden.

Spielen ohne Spielzeug fördert die Fantasie

Auch den Grillplatz Eichelrain nutze man übergangsweise als Standort. Ab Herbst wechsle man auf den eigentlich vorgesehenen, zirka 300 Meter entfernten Platz, der hierfür auch schon vorbereitet sei.

Der Vater Jacob Ketel hat seinen dreijährigen Sohn im Waldkindergarten. Er findet den großen Freiraum gut, den die Kinder haben, und die Vielfalt, die sie erleben können. „Hier können sie mit Ästen, Blättern oder Tannenzweigen alles Mögliche anfangen.“ Beim Spielen ohne Spielzeug werde die Kreativität gefördert, meint er. „Als der Waldkindergarten eröffnete, haben wir entschieden, ihn anzumelden“, so Jacob Ketel. „Das hat uns total angesprochen.“

Lieber weitläufiger Wald als eingezäuntes Grundstück

Begeistert äußern sich auch die Mütter Peggy Jurke, Manuela Köstner und Kathrin Runge, obwohl alle drei erklären, sie hätten schon längere Zeit überlegt, ob es das Richtige für ihre Kinder sei. Kathrin Runge berichtet, sie und ihr Mann hätten sich vorher den Waldkindergarten in Radolfzell angeschaut, danach sei es recht schnell gegangen. „Wir sind total zufrieden mit der Entscheidung.“ Ihre dreijährige Tochter gehe sehr gern in den Waldkindergarten. In der Natur könnten die Kleinen so richtig Kind sein und sich austoben, meint sie.

Peggy Jurke findet, der Waldkindergarten biete gerade für Jungs wie ihren fünfjährigen Sohn viele Möglichkeiten, sich frei zu bewegen. Sie finde dieses Weitläufige besser als einen eingezäunten Garten. Auch Manuela Köstners bisherige Erfahrung ist es, dass die Kinder sich hier sehr wohl fühlen würden. „Das Materielle ist nicht wichtig.“

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