Die Natur ruht momentan unter Schnee, und in unberührten Bereichen wie der gesperrten Marienschlucht ist es eine dichte, ungestörte Decke. Sobald es taut, verwandelt sich diese in Wasser und im Raum steht die Frage: Könnte Schmelzwasser erneut die Erde so durchweichen, dass sie ins Rutschen kommt? Daneben die andere Frage, die seit dem tödlichen Erdrutsch Anfang Mai 2015 immer wieder diskutiert wird: Wie geht es mit der Marienschlucht weiter?

Der Allensbacher Ortsbaumeister Harald Seidler macht sich beim Thema Schmelzwasser keine großen Sorgen, "da sich die geringen Mengen an Schnee in Grenzen halten". In den Wochen bevor die andauernde Schneedecke kam, habe es auch kaum geregnet. "Frost-Tau-Perioden stellen aber in der Geologie auf dem gesamten Bodanrück erfahrungsgemäß immer ein erhöhtes Risiko dar", sagt Seidler, denkt dabei aber Richtung Frühling. "Durch den trockenen Herbst ist die Lage vor Ort relativ ruhig. Kleinere Rutschungen und umgefallene Bäume zeigen aber, dass sich die Geologie latent bewegt."

Bild: Tom Hegen

Es herrscht immer Wachsamkeit. "Die Absperrung und Beschilderung wird von den betroffenen Gemeinden routinemäßig kontrolliert", erklärt Seidler. Während es unter dem Jahr immer wieder missachtet oder beschädigt Absperrungen haben, seien die wenigen Besucher momentan diszipliniert. Auf den Allensbacher Wegen gebe es ein bis zwei Mal pro Monat Kontrollen. "Witterungsbedingt werden die Rundgänge dann im Frühjahr verstärkt."

Was die Zukunft angeht, sagt der Allensbacher Bürgermeister Stefan Friedrich: "Die Schlucht selber wird 2017 sicher nicht geöffnet. Aber es wird mit Hochdruck daran gearbeitet, wie die Schlucht wieder erlebbar werden und in ein künftiges Wegenetz eingefügt werden kann." Die Wegeverbindungen sollen so schnell wie möglich wieder frei gegeben werden. Ende vergangenen Jahres habe es eine große Besprechung im Landratsamt gegeben mit allen Beteiligten: Gemeinden, Ämtern, Geologen. Das Ergebnis sei klar, dass alle dasselbe Ziel verfolgen. Es habe Begehungen und Sondierungen gegeben. "Es tut sich was", meint Friedrich.

Im Haushaltsplan der Gemeinde Allensbach stehen in der Liste der Prioritäten 2017 für die Marienschlucht 60 000 Euro. Dort heißt es: "Der Uferweg von Bodman in Richtung Wallhausen soll bis zur Marienschlucht wieder begehbar werden. Ebenfalls diskutiert wurde als Alternative für den Schluchtdurchstieg, den Blissenhaldenweg als Verbindung von Langenrain zum Überlinger See auszuweisen." Obwohl sich die Situation erheblich geändert habe, möchten die Gemeinden Allensbach und Bodman-Ludwigshafen an dem bereits seit vielen Jahren geplanten Projekt Kiosk und WC-Anlage in der Nähe des Seeufers festhalten. "Zumal nach zig Jahren auch ein Zuschuss des Landes in Höhe von 120 000 Euro gewährt wird. Der Kostenanteil der Gemeinde Allensbach beträgt 60 000 Euro."

Der Erdrutsch

Die Marienschlucht ist seit Erdrutschen im Mai 2015 gesperrt. Ebenso aus Sicherheitsgründen verschiedene Wege, die zur Schlucht führen. Beim ersten Erdrutsch Anfang Mai 2015 wurde ein Mann verletzt und seine Begleiterin starb. In den Gemeinden Allensbach und Bodman-Ludwigshafen, auf deren Gemarkungen das bis dahin beliebte Ausflugsziel liegt, haben noch nicht entschieden wann oder inwieweit die Schlucht wieder für Wanderer und Spaziergänger zugänglich gemacht werden kann. (löf)