Auf der Strecke der Bodenseegürtelbahn waren diese Woche zwischen Friedrichshafen und Radolfzell vermehrt Züge mit nur einem Wagen unterwegs. Darüber hinaus handelte es sich um einen Wagen der alten, roten Baureihe. Diese haben weniger Kapazitäten als die weiß-gelben Triebzüge der Baureihe 622.

Mindestabstand nicht möglich

Der Fahrgast Günther Heß schildert: „Dies führte dazu, dass der Zug so voll war, dass der aufgrund der Covid-19-Epidemie empfohlene Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen den Zugpassagieren nicht eingehalten werden konnte. Der Wagen verfügte zudem nur über Vierer-Bestuhlungen, bei der sich immer zwei mal zwei Passagiere gegenübersitzen, sowie Fahrradplätze und Not-Klappsitze.“ Obwohl sich die Passagiere große Mühe gaben, sich gleichmäßig im Waggon zu verteilen, waren alle Vierer-Sitze mit zwei bis drei Fahrgästen belegt. Er sagt weiterhin, dass in Radolfzell und Singen mehrere leere Züge der Baureihen 612, 650 und 622 auf den Abstellgleisen standen, die nicht eingesetzt wurden.

Technische Panne mit einem Triebwagen

Am Donnerstag, 2. April, gab der Bodensee-Oberschwaben-Verkehrsverbund (Bodo) schließlich eine Stellungnahme dazu ab. So sei es in den vergangenen Tagen zu vereinzelten, unerwarteten Triebwagenausfällen eines LINT-Triebwagens auf der Bodenseegürtelbahn und auch der Bodensee-Oberschwaben-Bahn gekommen. Die technische Panne habe in Zeiten der Corona-Krise, in der es gilt, möglichst Abstand zu anderen Fahrgästen zu halten, zu vermehrten Beschwerden geführt.

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Nach Aussage der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg sei der unplanmäßige Ausfall des zweiten Triebwagens rein technisch begründet. „Das Land hält auch und vor allem während der derzeitigen Krisenlage an der ursprünglich bestellten Wagenanzahl fest,“ sagt die Nahverkehrsgesellschaft. Das ausführende Eisenbahnverkehrsunternehmen, die Deutsche Bahn, bestätigte gleichermaßen, dass alles getan werde, um auf der Bodenseegürtelbahn umgehend wieder die gewohnten zwei Triebwagen beziehungsweise einen Doppelwagen einzusetzen, gibt Anne Hackert vom Bodensee-Oberschwaben-Verkehrsverbund Auskunft. Allerdings sei die Zuführung eines Ersatztriebwagens aktuell, durch die Teilstrecken-Sperrungen der Südbahn, etwas erschwert gewesen.

Wieder genug Kapazitäten

Wie Anne Hackert von Bodo schildert, seien die technischen Ausfälle laut der Deutschen Bahn nun behoben worden und es gebe wieder genügend Kapazitäten im Schienenpersonenverkehr. Warum keiner der Züge auf den Abstellgleisen in Radolfzell und Singen eingesetzt wurde, dazu äußerte sich die Deutsche Bahn nicht. Laut Angelo Lauria von der Deutschen Bahn werde man aber versuchen, das Platz und Fahrzeugangebot der Züge der Nachfrage auf den jeweiligen Linien anzupassen, damit der Mindestabstand eingehalten werden kann.

Busfahrer fahren jetzt Katamaran

Wer statt dem Zug mit dem Städteschnellbus zwischen Friedrichshafen und Konstanz verkehrt, hat nun Glück im Unglück. Zwar hat die Regionalverkehr Alb-Bodensee den Linienverkehr eingeschränkt, doch die gestrandeten Pendler bleiben laut einer Mitteilung der Katamaran-Reederei nicht stehen, sondern können ab sofort den Katamaran nutzen. Und das ohne Aufpreis.

Christian Nicke, Prokurist bei der Katamaran-Reederei, sagt: „Die Verkehrsunternehmen am See arbeiten in allen Lebenslagen eng zusammen. Seit vielen Jahren und erst recht in Zeiten von Corona greift man sich gegenseitig unter die Arme.“ Nicke hatte in der vergangenen Woche in Folge einer kurzen Abstimmung mit Silvio Matt, Leiter der hiesigen RAB-Niederlassung, entschieden: „Wenn der Städteschnellbus den Verkehr einschränkt, nimmt der Katamaran die gestrandeten Pendler mit.“ Das Angebot gilt nur für die Inhaber von Monats- und Abofahrkarten. Fahrgäste, die die Busverbindung mit Einzelfahrkarten nutzen wollten, müssen für den Katamaran ein reguläres Ticket kaufen.

Bodensee-Oberschwaben-Verkehrsverbund fordert Solidarität

Der Bodensee-Oberschwaben-Verkehrsverbund forderte diese Woche außerdem in einer Pressemitteilung dazu auf, Solidarität zu zeigen. So solle man Einkaufsfahrten mit Bus und Bahn zu Hauptverkehrszeiten verschieben, um keine vollen Busse zu verursachen. So sei das aktuelle Fahrplanangebot eingeschränkt, fast alle Verkehrsunternehmen fahren nach Ferienfahrplan und bieten für Berufspendler zusätzliche Frühkurse und abendliche Sonderfahrten an.

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Bodo und seine Verkehrsunternehmen bitten Fahrgäste um Rücksichtnahme bei der Nutzung von Bus und Bahn. Das Unternehmen wolle weiterhin dabei mithelfen, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Dazu gehöre unter anderem auch der Abstand zu anderen Fahrgästen, an den Haltestellen und in Bus und Bahn. Besonders wichtig sei, notwendige Einkaufsfahrten nicht in die Hauptverkehrszeiten morgens und am späteren Nachmittag zu legen. Hier wären Berufspendler unterwegs, die zu Diensten in Krankenhäusern, Arztpraxen oder der Lebensmittelbranche fahren.

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