Jörg Büsche und Benjamin Schmidt

Blumen, meist in Zellophan eingewickelt, liegen vor dem verschlossenen Eingang. Kerzen stehen auf dem Boden. Es finden sich aber auch Kondolenzbriefe und handgemalte Botschaften vor dem Bastelgeschäft in der Hauptstraße 33. Auf den DIN-A-4 Blättern steht „Megamix – Wir denken an euch“ und „Unser tiefstes Mitgefühl für die wunderbaren Frauen der Markdorfer Post.“ Ein Mann steht vor der verschlossenen Tür, beugt sich über die Blumen und die Schreiben. Kopfschüttelnd sagt er: „Und so etwas in unserem beschaulichen Markdorf.“ Dann geht er wieder.

Ein Mann steht vor dem Eingang des Megamix – und gedenkt der getöteten Frau.
Ein Mann steht vor dem Eingang des Megamix – und gedenkt der getöteten Frau. | Bild: Jörg Büsche

Ein anderer Rentner ist mit dem Wagen gekommen. Ob man schon mehr wisse, erkundigt er sich. „Wer ist denn das Opfer?“ fragt er in die kleine Runde. Niemand weiß es. Klar ist, dass hier am vergangenen Samstagnachmittag eine 44 Jahre alte Frau erschossen wurde. Doch fehlt den Megamix-Kunden an einem Gesicht zur Nachricht. Sie rätseln, welche der Frauen, die ihnen Briefmarken verkauft hat oder Päckchen frankierte nun nicht mehr da ist.

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„Es macht einen sprachlos“

„Mich haben heute schon ganz viele gefragt“, berichtet Claudia Neumann. Beim Brezel- beim Brotkauf in der Bäckerei Neumann erkundigten sich immer wieder Menschen nach dem Opfer der Gewalttat. „Die wollten wissen, ob ich mehr weiß“, sagt Neumann. Schließlich liegt die Bäckerei schräg gegenüber vom Tatort – also in unmittelbarer Nachbarschaft. Ihr Eindruck: „Das ist keine Neugier, das ist Betroffenheit.“ Die Menschen aus Markdorf reagieren fassungslos aufs Geschehen in ihrer Stadt. „Es macht einen sprachlos“, sagt Claudia Neumann.

Bild 2: Tödliche Schüsse: Große Anteilnahme und viele Fragen in Markdorf
Bild: Jörg Büsche

Auch Claudia Neumann zählt zu den Kunden, die regelmäßig ins Megamix-Geschäft gehen, um Schreibwaren zu kaufen – oder um dort etwas am Schalter der Deutschen Post zu erledigen. Auch sie kennt die Mitarbeiterinnen. Nachdem die Deutsche Post im März 2017 ihre weiter stadteinwärts gelegene Filiale in der Hauptstraße 15 geschlossen hat, gaben sich die Megamix-Mitarbeiterinnen sehr große Mühe, den anfänglichen Unmut der Markdorfer über den Schritt des Konzerns wieder wettzumachen – durch besondere Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Sodass schon bald kaum jemand murrte – über die nun längere Wegstrecke, wenn es Pakete abzuholen galt. Eine dieser Mitarbeiterinnen wird jetzt für immer fehlen.

„Ich habe die Schüsse gehört“

Großes Entsetzen über die Tat herrscht auf der sozialen Plattform Tik Tok. Diese nutzt vor allem die junge Generation. Unter einem SWR-Beitrag zum Mord, gepostet von einer Userin, haben sich inzwischen über 200 Kommentare gesammelt. Ein Nutzer schreibt, er sei Zeuge der Geschehnisse gewesen: „Das echt heftig, bin da grad vorbeigefahren, als der Mann da drin war.“ Gemeint ist der Täter. „Haben alle rausrennen sehen. Echt krass.“ Ein anderer schreibt: „Ich habe die Schüsse gehört.“ Nachprüfen lassen sich diese Aussagen nicht.

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Auch ihre Sorge drücken die Nutzer aus: „Ich habe Angst, rauszugehen“, schreibt jemand. Andere kennen wohl das Opfer – und ihren Sohn: „Hab sie in echt gekannt, bin mit dem Sohn befreundet gewesen“, behauptet ein Junge. Eine junge Frau schreibt, wohl an die Getötete gerichtet: „Wir werden dich so sehr vermissen, wir werden dich nie vergessen, wir werden deine Güte und dein süßes Lächeln nie vergessen.“