Sie kennen sich seit Jahrzehnten und sie mögen sich auch ein bisschen: Der Beklagte Thomas Strobl (Landesinnenminister, CDU) und Winfried Hermann (Landesverkehrsminister, Grüne) haben eine gemeinsame Vergangenheit in Berlin und eine gemeinsame Gegenwart in Stuttgart. "Ich komme als Zeuge brüderlich, ein Messer habe ich nicht", stellte Hermann eingangs klar. Strobl habe genörgelt, gemerkelt, doch nun werde gemeinsam gewerkelt. "Wer in Berlin steht seinen Mann, der auch im Ländle wirken kann", sagte er über seinen Koalitionspartner – und gewissermaßen auch über sich selbst.

Vielleicht konnte sich der Landesverkehrsminister zu gut vorstellen, wie Strobl sich fühlt. Wenige Stunden zuvor stand Hermann in Konstanz vor dem Jakobinertribunal – als Angeklagter, der selbst einen bestärkenden Zeugen gebraucht hätte. Nachdem er dort erst Bio-Äpfel ans Volk verteilte und dann zur Teilnahme an einer Verkehrskontrolle verurteilt wurde, steht mit Strobl bald schon der nächste Einsatz ins Haus: Das Narrengericht verdonnerte sie zum gemeinsamen Flaschensammeln. Hermann könne von Glück reden, dass er nicht selbst angeklagt wurde.

Dabei musste Hermann bereits zuvor den ein oder anderen Seitenhieb einstecken: Sein Tempolimit für die A 81 kam schlecht weg und das Publikum ahndete die Erwähnung mit missmutigem Grummeln. Und bei Hermanns offenkundigem Einsatz für Zug und Rad fiel ihm selbst sein Koalitionspartner in den Rücken: Wenn Hermann als Minister etwas taugen würde, würde er sich nicht Gedanken darüber machen, wie er Autos ausbremsen könne, sondern wie der Zug besser werde, sagte Strobl und sah schon Stockach 21 kommen. Ein wenig schadenfroh war Strobl dann auch, als Hermann zum Laufnarr geschlagen wurde und schwor, so lange ein Vollblutnarr zu sein, wie Bier, Wein, Schnaps und Schinken schmecken – Hermann soll Veganer sein. Dabei hatte es so gut angefangen: "Thomas, du darfst nicht verzagen", sagte Hermann eingangs. Strobl sei sein Held, wenn er sich an den Koalitionsvertrag halte.