Er trägt seine Laufnarrenkappe, wirbelt mit Alt-Stockacherin Regina Gromball über den Marktplatz, posiert mit dem Narrenbaum und betont: "Ich bin kein Stuttgarter, ich bin ein Stockacher." Ganz in Manier von John F. Kennedy, wie der gebürtige Schwabe selbst erklärt. Die Stockacher Eingeborenen, so seine Worte, würden ihn als einen der Ihren erkennen. Thomas Strobl gibt sich am Schmotzigen Dunschtig als Bruder – Laufnarr sei er ja schon seit 2016, erzählt er, und verkündet beim Empfang im Bürgerhaus Adler Post sowie nach der Brauchtumsvorführung, dass dies ein Teil seiner Verteidigung sei. In diese gibt er den Tag über schon viele Einblicke. Der 57-Jährige ist durchgehend sehr zuversichtlich. Dass ihm all seine Argumente am Ende nicht viel nutzen, war aber für viele keine Überraschung.

Strobl plaudert über Politik und teilt auch den einen oder anderen Seitenhieb aus, den er mit einem Lob an die Stockacher verbindet: "Ihr seid närrisch, aber es ist schön, mal wieder bei normalen Leuten zu sein", sagt er vor der Adler Post. Damit hat er die Lacher und den Applaus auf seiner Seite. Er kassiert sogar noch mehr davon, als er einwirft, dass das Gericht am Ende sicherlich statt ihm den Zeugen, Landesverkehrsminister Winfried Hermann, verurteilen müsse. Der Grund: Grobe Verkehrsbehinderung durch das Tempolimit auf der A 81. Strobl verrät schließlich auch, warum er eine politische Karriere begonnen habe: Um in Stockach angeklagt zu werden. "Das war uns schon klar", gibt Narrenrichter Jürgen Koterzyna trocken zurück.

Die Stimmung ist locker und fröhlich. Strobl wirft sich mitten ins Geschehen und ist tatsächlich nah an den neugierigen Narren dran. Er lächelt für viele Stockacher, die gerne ein Bild von ihm oder gleich mit ihm wollen und beantwortet so geduldig Fragen von Bürgern und Presse, dass er und die Mitglieder des Narrengerichts schließlich an etwas anderer Stelle im Umzug zum Holen des Narrebomms laufen, als eigentlich geplant war. Aber das macht nichts – er und die anderen kommen im Badischen Hof an, wo der Beklagte traditionell einkehrt, ein selbst gedichtetes Ständchen des Eintracht-Chors bekommt und mit Sekt anstößt. Wie seine Vorgänger trägt er sich dort auch ins Gästebuch von Wirt Hermann Schmeißer ein. Ein Dank an die südbadische Gastfreundschaft. Und welcher Spruch taucht darunter auf? Natürlich der mit Stuttgarter und Stockacher. Und den Kläger möge man in den Brunnen schmeißen, setzt er dazu. Schmeißer hat für Strobl ein paar fasnachtliche Präsente und richtet ihm schließlich noch "Liebe Grüße von einer Freundin aus Berlin aus" – dazu zeigt er ein Wahlplakat mit Angela Merkels Bild.

Thomas Strobl legt am Wagen, auf dem der Narrenbaum liegt, Hand an. Probeweise. Das Ziehen erledigen dann die Experten.
Thomas Strobl legt am Wagen, auf dem der Narrenbaum liegt, Hand an. Probeweise. Das Ziehen erledigen dann die Experten. | Bild: Ramona Löffler

Auf dem Weg zurück zur Adler Post dürfen dann besagter Tanz und Mitschunkeln zur Musik nicht fehlen. Während sich die Zimmerergilde mit dem Narrebomm in Position bringt, testet Strobl, wie sich der Wagen greift, und kehrt ins Narrenstüble ein, ehe aus dem fasnächtlichen Spaß des Tages vor Gericht ebenso närrischer Ernst wird.

Wirt Hermann Schmeißer und Thomas Strobl schmökern durch das Gästebuch.
Wirt Hermann Schmeißer und Thomas Strobl schmökern durch das Gästebuch. | Bild: Ramona Löffler