Viktor Neumann erinnert sich. „In den 80er Jahren war ich in der Jugendfeuerwehr aktiv.“ Der Beginn einer ehrenamtlichen Karriere, die ihn bis in die Position des Feuerwehrkommandanten geführt hat. Damals waren die Anfänge der Feuerwehr-Jugendarbeit in Rielasingen-Worblingen rund zehn Jahre her. Heute kann die Jugendwehr auf ein Jubiläum zurückblicken: Vor 50 Jahren wurde in Rielasingen-Worblingen eine der ersten Jugendfeuerwehren im Landkreis Konstanz gegründet.

2021: Die Jugendfeuerwehr engagiert sich nicht nur für den Brandschutz, sondern beteiligt sich auch immer wieder am gesellschaftlichen Leben.
2021: Die Jugendfeuerwehr engagiert sich nicht nur für den Brandschutz, sondern beteiligt sich auch immer wieder am gesellschaftlichen Leben. | Bild: Gemeinde Rielasingen-Worblingen

Erst zwei Jahre später wurde die Jugendfeuerwehr Baden-Württemberg im Landesfeuerwehrverband geschaffen. Neumanns Vorgänger, Feuerwehrkommandant Ulrich Graf, rief einst den jungen Feuerwehrleuten die Jugendordnung in Erinnerung: Hilfe für Mensch und Tier in Not und die Erhaltung von Sachwerten stehe immer im Mittelpunkt. Dabei solle man in kameradschaftlicher Form miteinander umgehen und bereit sein, mit jedem zusammenzuarbeiten. Dies immer im Hinblick darauf, einmal den so wichtigen Nachwuchs für die aktive Wehr zu stellen.

Das Kreisjugendfeuerwehrzeltlager im Jahr 1988 in Möggingen. Eine der teilnehmenden Gruppen war die Jugendfeuerwehr Rielasingen-Worblingen. Damals hatte das noch Pioniercharakter, wie die übersichtliche Zahl an Zelten zeigt. Bild zur Verfügung gestellt von der FFW Rielasingen-Worblingen am 13.9.2021
Das Kreisjugendfeuerwehrzeltlager im Jahr 1988 in Möggingen. Eine der teilnehmenden Gruppen war die Jugendfeuerwehr Rielasingen-Worblingen. Damals hatte das noch Pioniercharakter, wie die übersichtliche Zahl an Zelten zeigt. Bild zur Verfügung gestellt von der FFW Rielasingen-Worblingen am 13.9.2021 | Bild: Feuerwehr Rielasingen-Worblingen

Dabei sei die Geschichte der Jugendfeuerwehr viel älter. Die erste Jugendwehr wurde, wie Urkunden belegen, bereits 1864 als Schülerfeuerwehr in Thüringen gegründet. Die Deutsche Jugendfeuerwehr (DJF) erblickte laut Feuerwehrverband 1964 in Berlin das Licht der Welt im Nachkriegsdeutschland. Schon damals erkannten die Verantwortlichen die Notwendigkeit der Nachwuchsgewinnung. „Neben der Ausbildung der Retter von Morgen erleben die Mädchen und Jungen in unserer Jugendfeuerwehr auch eine sinnvolle und Freude bereitende Jugendarbeit“, beschreibt Feuerwehr-Schriftführerin Andrea Debatin. Es zeige sich, wie wichtig es für die Feuerwehr ist, dass sie immer wieder auf den eigenen Nachwuchs mit seiner vorbildlichen Ausbildung zurückgreifen kann. „Dies ist ein Verdienst der Führung unserer Jugendwarte an der Spitze seit Beginn an“, so Debatin.

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Die Ziele, die man sich damals gesetzt habe, seien wie in den 80er-Jahren auch heute noch dieselben, nämlich gegenseitiges Verständnis und Vertrauen in einem Gemeinschaftsleben mit demokratischen Grundregeln zu schaffen. „Wir denken gerne an die schönen Stunden und tolle Erinnerungen unserer Jugendfeuerwehrzeit zurück“, erinnert sich Debatin, die sich schon seit Jahrzehnten für die Feuerwehrarbeit in Rielasingen-Worblingen einsetzt. „Es geht darum, jugendgerecht und spielerisch Feuerwehrtechnik auszuprobieren, allgemeine Jugendarbeit leben und sich so bestens auf die Zeit in der Einsatzabteilung vorbereiten“, ergänzt Landesjugendleiter Andreas Fürst. Auch seine Karriere begann Mitte der 80er-Jahre bei der Jugendfeuerwehr in Rielasingen-Worblingen. Dabei habe neben den feuerwehrtechnischen Ausbildungsanteilen, die auch in überregionalen Wettbewerben eine Rolle spielten, immer auch das kulturelle Leben eine Rolle gespielt.

„Wir hatten damals sogar mit dem Spielmannszug der Feuerwehr ein Angebot musikalischer Ausbildung“, erinnert sich Fürst. Und in den Feuerwehrwettbewerben waren die Nachwuchskräfte stolz, es bis in die Bundesliga geschafft zu haben. Neben den bis heute durchgeführten Schrottsammlungen spielten auch der Weihnachtsbasar und die Beteiligung am Weihnachtsmarkt in der Gemeinde eine Rolle. „Die Jugendfeuerwehr führt Kinder und Jugendliche in den Gemeinden altersgerecht an das Feuerwehrwesen heran“, beschreibt Fürst den Ansatz, der auch Jahrzehnte später in zwei Richtungen führt – fachlich und gesellschaftlich.

Neben der allwöchentlichen Treffen haben sich schnell in den 80-er Jahren die Kreisfeuerwehrzeltlager zu Beginn der Sommerferien als Höhepunkt im Jahreskalender etabliert. „Kaum sind die Kinder und Jugendlichen in die langersehnten Sommerferien gestartet, dürfen sie jedes Jahr mit ihren gepackten Koffern und Taschen knapp eine Woche in eine Zeltstadt an immer wechselnden Orten im Landkreis einziehen“, so Kreisjugendfeuerwehrwart Andreas Zeller auf der Homepage des Kreisfeuerwehrverbandes. Momentan werde das große Treffen jedoch aufgrund der Corona-Pandemie verhindert. Schon letztes Jahr musste das Lager im Konstanzer Ortsteil Dingelsdorf für mehrere hundert Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 18 Jahren abgesagt werden. „Das Coronavirus zwingt uns, unser normales Leben zu verändern und auch Traditionen zu brechen“, so Zeller. Aufgegeben werden soll die Tradition aber keineswegs. Für kommendes Jahr wird erneut. Und wenn auf einem leeren Feld eine Zeltstadt entsteht, sei dies Mittelpunkt der vielleicht besten Sommerferienwoche der Kinder und Jugendlichen, auch wenn der Aufwand, der ehrenamtlich für die Jugendfeuerwehren geleistet wird, groß sei. Das Gemeinschaftsgefühl, das dabei erzeugt werde, trage aber viele Jahre. „Im Kreis Konstanz wird sicherlich eines der größten Zeltlager organisiert“, sagt Andreas Fürst, der als Landesjugendleiter den Überblick haben sollte: „1984 war ich das erste Mal dabei“, erinnert er sich an seine Zeit als neues Mitglied der Jugendfeuerwehr Rielasingen-Worblingen. Und als das Zeltlager dann sogar in Rielasingen-Worblingen veranstaltet wurde, war dies für Fürst ein ganz besonderes Erlebnis. Ein besonderes Erlebnis sei dabei auch ein Zeltlager gewesen, das gemeinsam mit der Jugendfeuerwehr aus der Partnerstadt Nogent sur Seine durchgeführt wurde.

Landesweit sind – wie Fürst weiß – rund 33.000 Mitglieder in über 1000 Jugendfeuerwehren im Einsatz. Inzwischen gibt es, wie der Feuerwehrverband stolz ausweist, schon über 300 Kindergruppen ab sechs Jahren. „Über die Jugendfeuerwehren wird ein Großteil unserer derzeit rund 110.000 ehrenamtlichen Feuerwehrangehörigen in Baden-Württemberg gewonnen“, betont Landesjugendleiter Andreas Fürst. Ein breit gefächertes Bildungsangebot in der außerschulischen Jugendarbeit, Ausflüge, Sportaktionen, Zeltlager und als wesentlicher Teil der spielerische Übungsdienst mit einfachen Gerätschaften der Feuerwehr sind Inhalt der Arbeit vor Ort in den einzelnen Jugendfeuerwehren. In den über 1000 Jugendfeuerwehren im Land sind unter den rund 33.000 Mitgliedern inzwischen über 7000 Mädchen aktiv.