Stein am Rhein – Eine riesige, faszinierende Marionette zieht bei Dunkelheit durch die Straßen von Stein am Rhein. Acht Meter hoch ragt sie in den Himmel und lässt die Menschen neben sich winzig erscheinen. In Begleitung vieler Zuschauer macht sie sich auf den Weg durch Stein am Rhein, über die Rheinbrücke, macht dort kehrt und beendet den Spaziergang auf dem Rathausplatz. Hier endet das Spektakel unter großem Applaus mit einem Tanz der Marionette. Trotz ihrer beachtlichen Größe von acht Metern wirkt die Figur sinnlich. Vor sechs Jahren aus 2500 Metern Draht und 80 Kilogramm Weidenzweige gebaut, hinterlässt sie großen Eindruck.

Riesige Puppe wandelt durch die Stadt

Etwa eine Stunde dauerte die Vorstellung mit der Riesenmarionette Vénus. Von Nebel, Feuerwerk und verschiedenen Lichteffekten umgeben, wurde die Puppe von sieben Figurenspielern durch die Stadt bewegt. Begleitet von elektronischer Musik wirkte die Szenerie mystisch. Kaum eine bessere Kulisse hätte man sich für dieses Spektakel vorstellen können als das mittelalterliche Städtchen Stein am Rhein mit den schönen Fachwerkhäusern. Die Riesin Vénus erzählte auf ihrem Weg durch Stein die Geschichte eines Menschen, der marschiert, strauchelt, niederkniet und der sich gehen lässt. Sich dann aber wieder aufrichtet, erhebt und weiter geht. Es gibt keinen Anfang der Geschichte oder ein Ende, sondern nur das Aufstehen und Weitergehen.

Vénus wird aus Anlass des zehnten Jahres des Festivals engagiert

Zur Eröffnung des nordArt-Theaterverstivals im zehnten Jubiläumsjahr wollte man etwas Besonderes präsentieren. Als Zeichen des Dankes an die Bevölkerung und das teils sehr treue Publikum wurde die Gruppe „Cie l'homme debout“ mit ihrer Vénus engagiert, erklärte Leila Gisler von der Festivalleitung des nordArt-Theaterfestivals. Gemeinsam mit Katja Baumann und Simon Gisler organisiert sie das Festival.

Das Festival ist über die Jahre beständig gewachsen

„Im ersten Jahr stolperten wir ins Festival“, so Katja Baumann. Erfahrungen mussten gesammelt werden. Werte wie Vielfältigkeit, Nachhaltigkeit, Wiedererkennungswert und Authentizität waren den Organisatoren von Beginn an wichtig und hätten sich in den vergangenen Jahren auf die Künstler und das Publikum übertragen. Damals, im ersten Jahr des Theaterfestivals, gab es sieben Produktionen. Dies steigerte sich im aktuellen Jahr auf 20 Produktionen. Insgesamt gab es in den Jahren des Bestehens 150 Produktionen. Man sei in allen Bereichen gewachsen und erwachsen geworden. Das Theater und die Kleinkunst seien voller Leben. Dieses Theaterleben wolle man unter die Leute bringen „Das Theater ist die Gegenwelt zur Internet- oder Bildschirmwelt“, sagt Baumann. Diese Welt sei nicht flach wie eine virtuelle, sondern dreidimensional. Das Theater offenbare eine direkte Begegnung und Berührung. „Das bringt uns zusammen. Denn das Bedürfnis, etwas zusammen zu erleben, wird immer stark sein“, so das Fazit von Baumann.