Jürgen Keck hat eine Vision: Wenn nach Eröffnung des Singener Einkaufszentrums Cano immer mehr Schweizer den Weg in die Singener Innenstadt finden wollen, sollte jenen der Weg per Bahn geebnet werden. Andernfalls, so fürchtet der FDP-Landtagsabgeordnete aus Radolfzell, müsse in Rielasingen-Worblingen mit einer weiteren Verschlechterung der ohnehin viel zu hohen Verkehrsbelastung gerechnet werden. Immerhin, so zitiert Keck die Kalkulationen der Cano-Investoren, würden zum Einzugsgebiet des Einkaufszentrums rund 200.000 Einwohnern in der Schweiz zählen. „Eine funktionierende Bahnverbindung von Etzwilen nach Singen könnte einen Teil dazu beitragen, den Verkehr zu entlasten“, betont Keck und ist bereits auf der Suche nach Fördermitteln.

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Ein wichtiger Schritt zur Verwirklichung dieser Vision hat jetzt der Planungsausschuss des Singener Gemeinderats in seiner jüngsten Sitzung einstimmig gefasst: Das 77 Meter lange, fehlende Gleisstück der Museumsbahnstrecke Singen-Etzwilen beim Volksbank-Kreisel soll endlich ersetzt werden, wie der Ausschuss einstimmig beschloss. Noch in diesem Jahr soll der Lückenschuss gelingen. "Mich freut das sehr", betonte Stadtrat Manfred Bassler (SPD). Er könne die erste Einfahrt der Museumsbahn auf dem einstigen Bahnsteig 7 kaum erwarten. "Und ein Haltepunkt am Siedlerheim in der Südstadt wäre auch wunderbar", gerät er ins Schwärmen.

"Ein Haltepunkt am Siedlerheim in der Südstadt wäre auch wunderbar."Manfred Bassler, SPD-Gemeinderat
"Ein Haltepunkt am Siedlerheim in der Südstadt wäre auch wunderbar."Manfred Bassler, SPD-Gemeinderat | Bild: SPD

385 000 Euro soll die Baumaßnahme kosten. Vereinbarungsgemäß beteiligt sich die Stiftung Museumsbahn an der Summe. Aufgrund der gestiegenen Kosten würde die Stiftung, wie Singens OB Bernd Häusler in der Sitzung erläuterte, nun 180 000 Euro zu der Baumaßnahme beisteuern. 205 000 Euro zahlt die Stadt Singen. In den Sommerferien sollen die Bauarbeiten beginnen. Rund drei Wochen müsse der Kreisel komplett gesperrt werden, um die Schienen in vorgefertigten Betonteilen zu verlegen. Diese Bauweise erlaube eine zeitsparende Verlegung und sei bei der Nutzung im Kreisverkehr dauerhaft haltbar. So könne die Verkehrsbelastung in Grenzen gehalten werden.

Mit regulärem Linienverkehr sei zunächst aber keinesfalls zu rechnen, betont OB Häusler. Die Museumsbahn fahre aktuell vier Mal im Jahr. Mehr als einmal pro Monat sei ohnehin nicht genehmigt.

„Inwieweit gibt es bereits Überlegungen des Landes, die Bahnstrecke Etzwilen-Singen künftig für den Personenverkehr zu nutzen?“Jürgen Keck, Landtagsabgeordneter der FDP
„Inwieweit gibt es bereits Überlegungen des Landes, die Bahnstrecke Etzwilen-Singen künftig für den Personenverkehr zu nutzen?“Jürgen Keck, Landtagsabgeordneter der FDP | Bild: Privat (ZVG)

Doch Keck will nicht nachlassen: „Inwieweit gibt es bereits Überlegungen des Landes, die Bahnstrecke Etzwilen-Singen künftig für den Personenverkehr zu nutzen?“, wollte er von der Landesregierung wissen und richtete eine kleine Anfrage an Verkehrsminister Winfried Hermann. Eine klare Absage hat er nicht bekommen: Es gebe derzeit keine Überlegungen des Landes, die Strecke Singen–Etzwilen im Schienenpersonennahverkehr zu nutzen, antworte der Minister zwar, aber er fügte hinzu: „Das Verkehrsministerium plant mögliche Strecken für eine Reaktivierung des Schienenverkehrs im kommenden Jahr systematisch auf ihr Potenzial zu untersuchen. In diesem Zusammenhang kann auch die Strecke Singen–Etzwilen betrachtet werden.“ Das freut auch Ralf Baumert, den Bürgermeister von Rielasingen-Worblingen, der jede Initiative zur Verkehrsreduktion im Grenzort ernst nimmt.

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