Gelingt es, die von der Stadtverwaltung vorgeschlagenen 7900 neuen Wohnungen zu errichten, hätte Konstanz im Jahr 2035 eine Einwohnerzahl von 98.520. Offiziell gilt eine Stadt als Großstadt, wenn sie 100.000 Einwohner hat.

Konstanz, das ist sicher, wird sich verändern. Aber was passiert eigentlich wirklich, wenn das offizielle Siegel "Großstadt" an Konstanz haftet? Sechs Fragen, sechs Antworten.

1. Tritt Konstanz aus dem Landkreis aus?

Im Südwesten jedenfalls haben die meisten Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern den Status eines Stadtkreises. Konstanz wäre durch diesen Status kommunal und finanziell eigenständiger als heute. Noch sei aber eine sogenannte Auskreisung "absolut kein Thema", bekräftigt Rathaus-Sprecher Walter Rügert. Denn eine Auskreisung würde auch bedeuten, dass sich Konstanz selbst um viele Themen kümmern muss, die heute das Landratsamt erledigt – wie beispielsweise die Müllabfuhr oder die Gesundheitsversorgung am Klinikum.

2. Bekommt Konstanz eine Berufsfeuerwehr?

Schon jetzt bräuchte die Feuerwehr eigentlich mehr hauptamtliche Kräfte. Hat die Stadt die 100.000-Einwohner-Grenze überschritten, ist die Stadt verpflichtet, eine Berufsfeuerwehr einzurichten. In anderen Städten mit einer Berufsfeuerwehr gibt es meist trotzdem noch Einheiten der Freiwilligen Feuerwehr, die zur Verstärkung oder Ablösung der Berufsfeuerwehr bei größeren Einsätzen nachgefordert werden.

3. Bekommt der Oberbürgermeister mehr Geld?

Ja. Bei einer Einwohnerzahl bis 100.000 liegt OB Uli Burchardt in der Besoldungsgruppe B8 (10.596 Euro monatlich). Wächst die Zahl darüber, rutscht er in die Gruppe B9 und bekommt 11.237 Euro monatlich. Die höchste Stufe ist übrigens B11 mit 13.741 Euro Monatsgehalt. Dafür braucht man aber mindestens 500.000 Einwohner.

4. Wird der Gemeinderat größer?

Nein. Im Gemeinderat sitzen dann auch weiterhin 40 Volksvertreter. Erst ab einer Einwohnerzahl von 150.000 wächst auch das politische Gremium.

5. Also ändert sich gar nicht so viel?

Zumindest nicht rechtlich. "Das Thema Großstadt hat mehr eine gefühlte Bedeutung in den Köpfen der Einwohner", sagt Eberhard Beier. Er ist Leiter der Abteilung Statistik und Steuerungsunterstützung im Konstanzer Rathaus und hat die Wachstums-Prognosen für die Stadt in den vergangenen Jahren immer wieder angepasst. In den Jahren 2017 und vor allem 2018 habe das Wachstum deutlich nachgelassen. 414 Neubürger kamen in einem Jahr nach Konstanz.

Wie groß Konstanz wirklich wird, lässt sich heute kaum sagen – zu viele Faktoren auch von außen nehmen Einfluss auf die Entwicklung einer Stadt. Die Verwaltung beschäftigt sich aber durchaus auch mit den Fragen nach dem Wachstum. In einem statistischen Bericht aus dem Jahr 2017 werden zwei Szenarien zur Bevölkerungsentwicklung festgehalten. Im ersten Szenario wird bis zum Jahr 2035 mit einem Anstieg auf 98.520 Einwohner gerechnet. Das zweite Szenario geht in diesem Jahr von 93.283 Einwohnern aus. Berücksichtigt wird vor allem der Wachstum in Petershausen-West und Wollmatingen.

"Es gibt nicht das konkrete Ziel oder ein direktes Handeln, eine Großstadt mit 100.000 Einwohnern zu werden", betont Rathaus-Sprecher Walter Rügert. "Es ist wichtig, daran zu denken – aber wir arbeiten nicht darauf hin". Viel wichtiger als das Siegel Großstadt sei etwa das Siegel Universitätsstadt oder Oberzentrum.

6. Was ist also mit der gefühlten Bedeutung?

Am Hafner soll ein neues, modernes Stadt-Quartier entstehen. Mit dem Wohnbauprojekt auf dem ehemaligen Siemensareal verändert sich das zuletzt stark gewachsene Petershausen weiter, und viele Entwürfe für Neubauprojekte planen mit Hochhäusern. Konstanz bewegt sich in den Köpfen vieler Bürger von der großen Kleinstadt zur kleinen Großstadt, ganz unabhängig von einem offiziellen Siegel.

Prima, werden die einen nun denken. Denn Großstadt, das bedeutet: Vielfältiges Leben, gute Schulen, viele Kneipen, gute Restaurants, Konzerte, Abwechslung, Offenheit. Andere sagen: Danke, lieber nicht so groß werden – ist jetzt schon ziemlich eng, die Lebensqualität geht verloren und überhaupt: Wie soll die Infrastruktur mit den ganzen Neubauwohnungen mithalten?

An der Schwelle zur Großstadt steht Konstanz seit Jahren vor der Herausforderung, aus der sich ständig drehenden Spirale aus Zuzug, Knappheit bei den Wohnungen und Verdrängung von Familien und Ärmeren zu entkommen.

Das das nicht einfach ist, zeigt eine Broschüre, die im Jahr 2008 von der Stadt Konstanz herausgegeben wurde. Der Titel: "Zukunft Konstanz 2020". Was darin steht, gilt heute vielleicht mehr als vor zehn Jahren:

„Konstanz begegnet der Herausforderung des demografischen Wandels mit attraktiven Wohnungsangeboten für alle Bevölkerungsgruppen, der Förderung einer stabilen Arbeitsmarktsituation, mit Angeboten, welche die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern, sowie der verstärkten Intergration unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen.“