Konstanz Vom Reiz des Krawall-Raps: So erlebt ein 18-Jähriger SXTN im Kula Konstanz

Die betont vulgäre Combo SXTN spielt im Kula in Konstanz, die zumeist jugendlichen Fans sind hingerissen. Unser 18-jähriger Autor sagt, warum man die beiden Berlinerinnen lieben muss.

Sie mischen die deutsche Hip-Hop-Szene auf. Sie polarisieren die Massen mit ihren vulgären Songtexten unter der Gürtellinie wie "Ich chill den ganzen Tag im Bongzimmer" oder "Ich geh heute mit meinen Fotzen in Club". Sie heißen SXTN und kommen aus der Hauptstadt; ihre Konzerte sind zumeist ausverkauft, bei Preisen zwischen 18 und 22 Euro. Wie lässt sich dieses Phänomen erklären? Als ich vor ein paar Wochen zum ersten Mal ein Lied der zwei jungen Berlinerinnen hörte, war mein Interesse geweckt. Ihr Gastspiel im Kulturladen war kurz nach Bekanntgabe des Termines ausverkauft. Gemeinsam mit meinem Freund Tom Pfeiffer machte ich mich auf den Weg in den Kula, um dem Geheimnis der Band auf den Grund zu gehen.

Bereits vor dem Kula werden beim Warten in der langen Schlange Lieder angestimmt. "Es gibt nichts Geileres, als in unserem Alter auf solche Texte abzugehen", sagt ein 20-jähriger Besucher. Auffallend: Der Wortschatz der meisten Fans ist identisch mit dem der Band – Schimpfwörter aus dem Bereich Sexualität bestimmen die Texte wie man es aus der amerikanischen Rap- und Hip-Hop-Szene kennt. Eine 17-jährige meint: "SXTN zeigt, was Mädels auch können. Sonst machen das ja nur Jungs." Irgendwie scheinen die jungen Mädchen stolz zu sein auf die Band. Die Krawall-Rapperinnen Juju und Nura polarisieren mit provokanten Texten aus ihrem "Asozialisierungsprogramm".

Das Publikum ist trotzdem überwiegend männlich. Juju und Nura wissen mit dem Publikum umzugehen. Immer wieder sprechen sie einzelne Fans an, klatschen mit ihnen ab und verteilen Getränke. Sie geben den Zuschauern das gute Gefühl, ein Teil der Rapszene zu sein. Berührungsängste hat an diesem Abend niemand im Kula, wie eine große Familie feiert die Fangemeinde zusammen mit den Stars. Zwischen Bühne und Tribüne entsteht eine perfekte Symbiose. Ausgegrenzt ist hier niemand. Jeder redet mit jedem, jeder singt mit. Zweieinhalb Stunden heizt SXTN den Fans ein.

Die Band wurde 2014 gegründet. Nura kam als Tochter eines Saudis und einer Eritreerin in Saudi-Arabien auf die Welt und kam als Dreijährige mit Familie nach Deutschland. Mit 18 zog sie nach Berlin. Juju wurde in Marokko geboren. Ihr Vater ist Marokkaner, ihre Mutter Berlinerin – sie wuchs in der Hauptstadt auf und lernte Nura kennen. Die Beiden haben Fans im ganzen deutschsprachigen Raum, spielen in Wien, München, Hamburg, Linz – und eben in Konstanz. Ob die Combo eine temporäre Erscheinung bleibt oder sich dauerhaft halten kann? Diese Frage interessiert derzeit keinen Fan. Was zählt, ist das Konzert. Das Jetzt. Nicht das, was irgendwann einmal sein wird.

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