Marie Ellenrieder (1791 bis 1863) Streng genommen hätte es die Künstlerin Marie Ellenrieder nicht geben dürfen. Frauen in der sakralen Kunst? Das geht nicht, hieß es lange Zeit von Seiten der katholischen Kirche. Hier und da mal ein Stillleben oder ein kleines Porträt, ja. Aber ein großes, erhabenes Werk aus der Geschichte des Christentums? Nein. Um sicherzugehen, dass niemand den Gegenbeweis antrat, wurden Frauen gleich von Anfang an vom Kunstakademiestudium ausgeschlossen. Bis auf die Konstanzerin Marie Ellenrieder. Zu verdanken hat sie das ausgerechnet einem Theologen. Ignaz Heinrich Freiherr von Wessenberg, der reformbegeisterte Generalvikar des Bistums Konstanz, war einer ihrer Bewunderer. Er setzte durch, dass die Tochter eines Konstanzer Uhrmachers als erste Frau an der Kunstakademie zu München zugelassen wurde. Damals, im Jahr 1813, war Marie Ellenrieder 22 Jahre alt. Nach ihrem Studium fertigte sie Porträts für die südwestdeutschen Fürstenhöfe an und wurde so weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Für Kirchen, Kapellen, Schlösser und Häuser malte Ellenrieder Altar- und Wandbilder. Um sie im Original zu sehen, muss man sich auf Wallfahrt begeben – von Konstanz über Karlsruhe bis Ortenberg oder Diersburg. "Man hat als Betrachter das Gefühl, die porträtierte Person tatsächlich zu spüren", sagt Schnekenburger über ihre Kunst. Die Künstlerin Marie Ellenrieder blieb eine der wenigen Ausnahmen ihrer Zeit. Die Münchner Akademie nahm von 1852 an keine Frauen mehr auf – bis 1919. Die katholische Kirche kehrte sich vom Reformkurs eines Wessenberg ab. Marie Ellenrieder führte bis zu ihrem Tod zusammen mit ihrer Schwester Pepi ein selbstständiges, unverheiratetes Leben.

Die Schwestern Schieß (um 1865 bis etwa 1925) : Die Kleidungsauswahl einer Frau um das Jahr 1900 war, nun ja, weniger bequem: Korsett, "Brustpanzer" aus Fischbein, Stahlstäben und Schnüren, Wespentaille. Wer für die Rechte der Frauen, ihre Gesundheit und mehr Bewegungsfreiheit kämpfen wollte, verbannte all dies aus dem Kleiderschrank. So wie Helene und Maria Schieß. Mit ihrer Reformkleidung, lose fallende Kleider ohne Korsett, erregten sie viel Aufmerksamkeit auf den Straßen von Konstanz. Die beiden Lehrerinnen gründeten außerdem den ersten badischen Frauenstimmrechtsverein in Konstanz, der 1911 bereits 100 Mitglieder hatte und als Verband "bis weit in das Umland wirkte", sagt Gudrun Schnekenburger. In der Wallgutschule boten die Schwestern Turnstunden an. Zielgruppe waren vor allem junge Frauen aus der Arbeiterklasse, die in der Textilindustrie unter der Arbeitsbelastung litten – eine politische Schulung spielte aber auch eine Rolle. Trotz aller Reformbestrebungen: Die Schwestern befürworteten ein traditionelles Frauenbild. Alternative Lebensentwürfe ohne Ehemann oder Kinder wurden innerhalb der gemäßigten bürgerlichen Frauenbewegung in Konstanz nicht propagiert. Die beiden selbst lebten jedoch Zeit ihres Lebens unverheiratet in einer Wohngemeinschaft in der Schottenstraße 31. Von den Schwestern gibt es kein Bild – dafür Zeichnungen von der Reformkleidung, die sie trugen.

Maria Beyerle (1882 bis 1968): Frauen in der Politik? Als Maria Beyerle 1882 als Tochter des Anwalts Carl Beyerle geboren wurde, war man in Konstanz davon noch weit entfernt. Bis die Lehrerin Maria Beyerle die erste Konstanzerin wurde, die ein überregionales politisches Mandat innehatte. Dabei war ihr das anfangs nicht mal recht. Maria Beyerle war konservative Zentrumspolitikerin, als der Rat der Volksbeauftragten 1919 die Einführung des gleichen, geheimen, direkten und allgemeinen Wahlrechts verkündete. Ein Schritt, den Beyerle nicht unbedingt befürwortete – gewählt wurde sie trotzdem in den Landtag der Republik Baden. Bei den ersten Kommunalwahlen nach der Einführung des Frauenstimmrechts wollten alle politischen Parteien das neue, riesige Wählerpotential erschließen. Viele Männer waren (noch) nicht aus dem Krieg zurückgekehrt, und die Frauen stellten so die deutliche Mehrheit der Wählerschaft. Auf den Anteil der gewählten Frauen wirkte sich das allerdings nicht aus. Maria Beyerle war unter den 107 Abgeordneten eine von neun Frauen. Bis 1987 lag der Frauenanteil im Reichs- und später Bundestag nie über zehn Prozent. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Beyerle wieder politisch aktiv und trat in die BCSV ein, aus der später der CDU-Landesverband Südbaden hervorging. Sie war von 1946 bis 1948 Stadträtin in Konstanz. Während ihrer Zeit als Parlamentarierin befürwortete sie die Gründung des Südweststaates Baden-Württemberg.

Frauenstadtführung

Wer mehr über diese und andere mutige Frauen erfahren möchte: Am kommenden Montag, 13. Juni, findet die "Konstanzer Frauenstadtführung" – nicht nur für Frauen – statt. Gudrun Schnekenburger führt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an Orte, die mit herausragenden Frauen der Konstanzer Geschichte verbunden sind. Anschließend gibt es eine Einkehrmöglichkeit mit gemütlichem Hock. Treffpunkt an der Volkshochschule, Katzgasse, von 19 bis 20.30 Uhr, Kosten 8 Euro.