„Das Ding wirkt auf dem Platz wie ein Fremdkörper“, hallt es durch den Sitzungssaal des Rathauses. Gemeinderatsmitglied Holger Graf (Freie Wähler) fordert nachdrücklich: „Man sollte es auf jeden Fall abreißen und irgendwo anders neu integrieren.“ Das sehe sie aber ganz anders, entgegnet Andrea Baumann (SPD). „Man sollte die Anlage erst mal stehen lassen, das wäre die vernünftigste Lösung“, findet sie. Olaf Fuchs (CDU) ist sichtlich genervt. „Ich verstehe nicht, warum wir überhaupt darüber sprechen“, wirft er ein. „Warum muss man bestehende Beschlüsse immer wieder hinterfragen?“ Bei dem Objekt, über das an diesem Abend im Hilzinger Gemeinderat so hitzig diskutiert wird, handelt es sich nicht um die Kirche St. Peter und Paul oder das Museum im Schlosspark. Nein, es geht um die öffentlichen Toiletten an der Hauptstraße, die zusammen mit den daran anschließenden Garagen nach Ansicht einiger Ratsmitglieder die Sicht auf das Rathaus verschandeln.

Umfassende Klosett-Kontroverse im Rat

Das stille Örtchen beschäftigt die Hilzinger Ortspolitik schon seit einer ganzen Weile. Nachdem bereits vor drei Jahren dessen Abriss beschlossen worden war, stellten die Freien Wähler im November vergangenen Jahres einen Antrag auf Wiederaufnahme der Diskussion. Ihr Hauptargument: Der Bau des Vereinshauses, in das die Toilettenanlage zukünftig integriert werden soll, sei noch in weiter Ferne und man müsse sich die Frage stellen, ob man bis dahin wirklich auf ein öffentliches WC im Ortskern verzichten wolle. Da dies offenbar nicht der Fall ist, wird nun im Gemeinderat über mögliche Standorte für eine Zwischenlösung, also ein Übergangs-WC, debattiert. So eine umfassende Klosett-Kontroverse unter Ratsmitgliedern will jedoch gut vorbereitet sein. Deshalb wurde im Vorfeld ein Planungsbüro damit beauftragt, acht verschiedene Toiletten-Konstellationen eingehend auf ihre Umsetzbarkeit zu überprüfen. Das Ergebnis: Viele der Standorte, die dem Gemeinderat präsentiert werden, sind möglich. Wirklich ideal ist allerdings keiner.

Während die Hilzinger Ratsmitglieder eine Stunde lang über das Für und Wider einer neuen Keramikabteilung diskutieren, haben die Einwohner der Hegaugemeinde ein ganz anderes Problem. Die öffentliche WC-Anlage, um die es in dem Streit geht, ist nämlich gar nicht so öffentlich. "Die Türen sind meistens abgeschlossen", berichtet Nadine Faivre-Ittner. Die Hilzingerin erzählt, sie habe schon mehrfach beobachtet, dass Bürger auf die Schultoiletten ausweichen, weil sie nicht wissen, wo sie ihre Notdurft sonst verrichten sollen. "Toiletten, die nur bei großen Veranstaltungen offen sind, bringen doch niemandem was", stellt sie klar. Dieser Ansicht ist auch Ulrike Erhardt, die das Schlosspark Café in der Nähe des Rathauses betreibt. Ihr Lokal sei zu einer beliebten Anlaufstelle für Harndrang-Geplagte geworden, berichtet sie. "Die Männer haben es ja etwas leichter, aber die Frauen sind wirklich aufgeschmissen und wissen nicht, wohin." Ein Ausweg aus der Misere sei das Projekt Nette Toilette, schlägt Erhardt vor. Damit liebäugelt nach eigener Aussage auch Hilzingens Bürgermeister Rupert Metzler. "Dahingehend wird auf jeden Fall etwas passieren", verspricht er. Außerdem gebe es laut Metzler die Möglichkeit, ein öffentliches WC in einen Zwischenbau zwischen August-Dietrich-Saal und Vereinshaus zu integrieren. "Wir würden zeitgemäße, vandalismussichere Toiletten bauen, die dann auch wirklich öffentlich zugänglich wären", so der Bürgermeister. Erst einmal müssen sich die Gemeinderäte jedoch auf einen Standort einigen. Bis dahin bleibt die verschlossene Ortskern-Toilette wohl das stillste Örtchen in Hilzingen.