Jutta und Uwe Hack aus Reutlingen kommen seit gut 20 Jahren mit ihrem Wohnwagen auf den Campingplatz Maurach in Uhldingen-Mühlhofen. Eigentlich hätten sie auch in diesem Jahr ihren Wohnwagen schon im April aufgebaut. „Wir sind Vorsaisoncamper“, sagt Jutta Hack. Doch wegen Corona war das Campen verboten. Sie arbeitet in einer Bäckerei, wird in ihrem Beruf gebraucht wie nie. Unter der Maske ist es anstrengend. Ihren Urlaub, sagt Jutta Hack deshalb, sehnt sie enorm herbei.

Als Stammgäste auf dem Platz in Maurach haben die Hacks ihren Stellplatz sicher. Kurzentschlossene, die nicht gebucht haben, werden aber wohl in die Röhre schauen – entlang des ganzen Bodenseeufers.

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Jutta Hack freut sich „saumäßig“ darauf, dass es jetzt endlich los geht und sie auf ihren geliebten Campingplatz am Bodensee fahren darf. Aufbauen durften sie ihren Wohnwagen bereits, ab Samstag dürfen sie hier auch übernachten.
Jutta Hack freut sich „saumäßig“ darauf, dass es jetzt endlich los geht und sie auf ihren geliebten Campingplatz am Bodensee fahren darf. Aufbauen durften sie ihren Wohnwagen bereits, ab Samstag dürfen sie hier auch übernachten. | Bild: Hilser, Stefan

Der Platz in Maurach ist in den Pfingstferien ausgebucht, sagt Werner Stuber, der Platzleiter. 15 Plätze könne er noch bieten, aber nur für Zelte. „Wer hier zuerst kommt, mahlt zuerst.“ Dagegen sei für Wohnwagen und -Mobile in den Ferien ausgebucht.

Aber nicht nur in Maurach, entlang der Seelinie im Bodenseekreis sieht es für einen spontanen Pfingsturlaub für Camper schlecht aus. Auch im so genannten Hinterland ist großer Andrang zu erwarten. Scheidet der Bodensee für den Pfingsturlaub für Spontan-Camper damit aus?

Ganz im Osten des Bodenseekreises: Campingplatz Gohren

Wir beginnen unsere Suche ganz im Osten des Bodenseekreises, auf dem Campingplatz Gohren in Kressbronn. Er ist mit 1000 Dauerstellplätzen und 350 frei verfügbaren touristischen Stellplätzen der größte im Bodenseekreis. Geschäftsführer Wolfram Prasser muss allen Kurzentschlossenen für die Pfingstferien absagen – auch für einen Großteil der Sommerferien. Prasser: „Freie Plätze haben wir noch von Mitte Juni bis Anfang Juli, sowie ab Anfang September bis zum Saisonende Ende Oktober. Ausgebucht sind wir in den Baden-Württembergischen Pfingstferien sowie im Zeitraum 10. Juli bis Ende August/Anfang September.“

Wolfram Prasser, Campingplatz Gohren in Kressbronn: „Freie Plätze haben wir noch von Mitte Juni bis Anfang Juli, sowie ab Anfang September bis zum Saisonende Ende Oktober.“
Wolfram Prasser, Campingplatz Gohren in Kressbronn: „Freie Plätze haben wir noch von Mitte Juni bis Anfang Juli, sowie ab Anfang September bis zum Saisonende Ende Oktober.“ | Bild: privat

Zur aktuellen Stimmungslage sagte Prasser: „Erwartungsvoll.“ Er sei froh, dass er die Gäste nun nicht mehr länger vertrösten muss. Prasser: „Der weit überwiegende Teil unserer Gäste hatte Verständnis für die schwierige Situation. Es tat weh, unsere treuen Gäste, vor allem unsere Dauercamper, immer wieder um Geduld bitten zu müssen.“ Jetzt hat das Warten aber ein Ende, zumindest so lange die Inzidenz unter 100 bleibt.

Der westlichste Platz im Kreis: Nell in Überlingen

Am anderen Ende des Bodenseekreises liegt der kleine Campingplatz Nell. Er hat 12 bis 15 touristische Plätze im Angebot. In den Pfingstferien gebe es allenfalls kurzfristig mal eine Lücke, im Prinzip, so Christian Nell, sind sie ausgebucht. Zu den freien Plätzen kommen bei ihm 30 Dauer-Stellplätze. Je nachdem, wie viele davon belegt sind, steuert er die Zahl der freien Plätze.

Startklar: Der Campingplatz Nell in Überlingen-Nußdorf wartet darauf, dass aufgrund gesunkener Inzidenzwerte wieder geöffnet werden darf.
Startklar: Der Campingplatz Nell in Überlingen-Nußdorf wartet darauf, dass aufgrund gesunkener Inzidenzwerte wieder geöffnet werden darf. | Bild: Hilser, Stefan

Nell ist vorsichtig optimistisch. Eigentlich wäre es ihm lieber, wenn die Campingplätze erst dann öffnen, wenn klar ist, dass die Inzidenz eine dauerhafte Öffnung über den Sommer zulässt. Gäste wieder wegschicken zu müssen, wenn sie ihr Zelt am Platz schon aufgebaut haben, halte er für schwieriger, als jetzt noch abzuwarten. Andererseits ist er froh, dass nun auch im Bodenseekreis die Saison startet. „Die Besucher wissen ja nicht unbedingt, wo die Landkreisgrenze liegt.“ Bodenseeurlauber ist Bodenseeurlauber. Nachdem in Lindau der Betrieb schon startete und die Inzidenz im Kreis Konstanz schon früher unter 100 rutschte, sei sein Telefon nicht mehr still gestanden.

„Ich muss mir noch überlegen, wie ich das mache.“
Christian Nell zum Prozedere mit den Schnelltests.

Ein Besuch auf dem Campingplatz ist mit Auflagen verbunden. So müssen sich die Besucher alle drei Tage lang testen lassen. Nell sagt: „Ich muss mir noch überlegen, wie ich das mache.“ Soll er seine Gäste in ein Testcenter außerhalb des Platzes schicken, oder selbst die Tests beaufsichtigen? Wenn ja, wann haben die Besucher, die zu Tagesausflügen aufbrechen, Zeit dazu? Und will er wirklich die Verantwortung dafür tragen, dass die Tests korrekt ablaufen? Nell stellt sich diese Fragen selbst, vieles sei noch unbeantwortet.

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Ein Platz im Hinterland: Gern in Salem

Wie sieht es im so genannten Hinterland aus, auf den Plätzen ohne direkten Seezugang? Wer auf dem Wirtshof in Markdorf versucht, für die Pfingstferien einen Platz zu ergattern, hat Pech gehabt. Alle Kalendereinträge stehen auf Rot. Grüne Felder gibt es erst wieder nach den Pfingstferien.

Beim Campingplatz Gern in Salem ist im Prinzip auch alles ausgebucht, sagt Cora Hofmann. Sie betont aber, dass es sich dennoch lohnen könnte, kurzfristig anzurufen. Denn es gebe immer mal wieder unvorhergesehene Stornierungen, so dass sich unter Umständen und mit etwas Phantasie ein Plätzchen auftut. „Die Leute sollen es auf jeden Fall probieren.“ Die schlechten Wetteraussichten scheinen keine Rolle zu spielen, die Hygiene- und Test-Vorschriften auch nicht, die Leute sind einfach urlaubsreif und sehnen sich nach einem Aufenthalt. Hofmann: „Alle stehen in den Startlöchern.“

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Zurück nach Maurach: Wie sieht es in den Sommerferien aus?

Werner Stuber, der Chef auf dem Campingplatz Maurach, weiß um die Schönheit des Platzes, der unterhalb der Klosterkirche Birnau liegt, direkt am Seeufer. Seit vielen Jahren war er hier selbst regelmäßiger Campinggast. „Meine Kinder sind hier aufgewachsen“, sagt Stuber. Als die Stelle zum Jahr 2020 frei wurde, verpachtete er seinen bei Ludwigsburg liegenden Weinberg mit Weinstube arbeitet jetzt da, wo er früher immer Urlaub machte.

Werner Stuber leitet den Campingplatz Maurach, unterhalb der Klosterkirche Birnau.
Werner Stuber leitet den Campingplatz Maurach, unterhalb der Klosterkirche Birnau. | Bild: Hilser, Stefan

Ihm ist überhaupt nicht bange. Selbst in seinem ersten Jahr als Chef in Maurach, dem Coronajahr 2020, habe er ein Umsatzplus hingelegt, obwohl die Saison coronabedingt acht Wochen kürzer war als normale Jahre. Auch für die Sommerferien sei praktisch schon alles ausgebucht. Er freue sich „saumäßig“ darüber, dass die Saison jetzt los geht. „Die Leute werden mittlerweile aggressiv und brauchen dringend Urlaub. Schön, dass wir jetzt aufmachen können.“