Etwa zwei Jahre lang mussten die Helfer der Feuerwehren im Bodenseekreis unter Corona-Bedingungen trainieren und Einsätze meistern. Sind die Mitglieder den Wehren in diesen schwierigen Zeiten treu geblieben?

Die Freiwillige Feuerwehr Überlingen kann diese Frageneindeutig mit Ja beantworten. Bislang gab es dort keine coronabedingten Austritte. Wer aus der Wehr austrat, hatte laut Pressesprecher Daniel Dillmann andere Gründe. Dazu gehörten etwa Berufs- oder Wohnortwechsel sowie das Erreichen der Altersgrenze. Wie viele Mitglieder ausgetreten sind, gibt Dillmann nicht bekannt.

Die Feuerwehr Überlingen bei einem Einsatz in der Gradebergstraße im Sommer 2021.
Die Feuerwehr Überlingen bei einem Einsatz in der Gradebergstraße im Sommer 2021. | Bild: Feuerwehr Überlingen

Nach aktuellem Stand gibt es 285 aktive Einsatzkräfte bei der Überlinger Wehr. Die Helfer verteilen sich auf acht Abteilungen. Dillmann betont: Mit dieser Anzahl an Mitgliedern könne die Feuerwehr alle Einsätze bedienen. Doch: „Die Verfügbarkeit der Einsatzkräfte wird zunehmend schwieriger“, weiß Dillmann. Deswegen seien Quereinsteiger jederzeit willkommen.

„Die Jugendfeuerwehr stellt zu einem wesentlichen Teil den Nachwuchs von Morgen sicher.“

Und ohne Nachwuchskräfte könne die Wehr auch nicht überleben. Denn knapp 40 Prozent der Aktiven kommen von der Jugendfeuerwehr. „Die Jugendfeuerwehr stellt zu einem wesentlichen Teil den Nachwuchs von Morgen sicher und ist das wichtigste Instrument zu Sicherung der Einsatzverfügbarkeit von Morgen“, sagt Daniel Dillmann.

Mit Mundschutz und Helm ausgerüstet, prüft die Feuerwehr Überlingen im Januar 2021 die Statik eines Stallgebäudes im Gewann Reutemühle.
Mit Mundschutz und Helm ausgerüstet, prüft die Feuerwehr Überlingen im Januar 2021 die Statik eines Stallgebäudes im Gewann Reutemühle. | Bild: Freiwillige Feuerwehr Überlingen

Aktuell hat die Überlinger Jugendwehr 45 Mitglieder. Früher seien es deutlich mehr gewesen. Vor diesem Hintergrund sagt Dillmann: „Nachwuchsretter und Retter sind immer gern gesehen und willkommen. Man kann bei der Feuerwehr nie zu viele Mitglieder haben.“

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Salemer Feuerwehr gewinnt in der Pandemie neue Mitglieder

Ähnlich wie in Überlingen hat auch die Feuerwehr Salem seit Beginn der Pandemie keinen Mitgliederrückgang verzeichnet. Im Gegenteil: In den vergangenen zwei Jahren konnten sogar neue Mitglieder gewonnen werden. Wie Kommandant Jochen Fuchs berichtet, liegt die Zahl der Aktiven aktuell bei 157.

Einsatz für die Salemer Wehr auf der Landstraße zwischen Bermatingen und Neufrach.
Einsatz für die Salemer Wehr auf der Landstraße zwischen Bermatingen und Neufrach. | Bild: Feuerwehr Salem

Fuchs hat jedoch Bedenken, dass sich dieser Trend umkehrt, sobald der Übungsdienst wieder umgestellt wird. Aktuell heißt es coronabedingt bei der Salemer Feuerwehr: Wer möchte, kann am Übungs- und Ausbildungsdienst teilnehmen. Im Laufe des Jahres soll der Dienst wieder zur Pflicht werden.

„Wir merken, dass es für unser Handeln unumgänglich ist, dass wir regelmäßig unsere Handgriffe und Vorgehensweisen trainieren, sodass diese im Einsatzfall sicher und zügig abgerufen werden können“, begründet Kommandant Fuchs.

Für die Mitglieder bedeutet das einen weitaus höheren Zeitaufwand – „was dem ein oder anderen eventuell nach zwei Jahren schwerfallen wird“, vermutet Fuchs. Dennoch hoffe er, dass die Anzahl der Austritte gering bleibt. Denn: „Sinkende Mitgliederzahlen können ein Problem werden und die Einsatzfähigkeit einer Feuerwehr gefährden.“

„Sinkende Mitgliederzahlen können ein Problem werden.“
Jochen Fuchs, Kommandant Freiwillige Feuerwehr Salem

Ein großes Problem der Freiwilligen Feuerwehr sei die Einsatzbereitschaft am Tag, da viele Mitglieder außerhalb der Gemeinde arbeiten und somit lange Anfahrtswege haben. Aktuell jedoch sei die Salemer Wehr gut aufgestellt, sagt Fuchs.

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Neue Mitglieder bedeuten neue Herausforderungen für die Häfler Wehr

Auch die Feuerwehr Friedrichshafen kann sich nach zwei Corona-Jahren nicht beklagen. 318 aktive Mitglieder gibt es aktuell, 90 Nachwuchsretter gehören zur Jugendabteilung. Die Wehr ist damit sogar so gut aufgestellt, dass sie wegen den hohen Nachwuchs- und Quereinsteigerzahlen vor Herausforderungen steht.

„Es gibt mehr Teilnehmer als Plätze für den Grundausbildungslehrgang“, beschreibt Kommandant Felix Engesser die Situation. „Das stimmt uns für die Zukunft sehr positiv, führt aber teilweise auch zu Platzproblemen.“ Denn die jeweilige Abteilung sei abhängig von Wohnort und Arbeitsstelle – in manch einer Abteilung wird also der Platz knapp und in anderen werden dringend neue Kameraden gesucht.

Felix Engesser, Stadtbrandmeister und Kommandant der Feuerwehr Friedrichshafen: „Es gibt mehr Teilnehmer als Plätze für den ...
Felix Engesser, Stadtbrandmeister und Kommandant der Feuerwehr Friedrichshafen: „Es gibt mehr Teilnehmer als Plätze für den Grundausbildungslehrgang.“ | Bild: Kreisfeuerwehrverband

Aktuell keine Probleme mit den Mitgliederzahlen bei der Feuerwehr Markdorf

Nicht so viel Andrang wie in Friedrichshafen, aber immer noch genug gibt es bei der Feuerwehr in Markdorf. Dort gab es im vergangenen Jahr nur einen Austritt, sodass die aktuelle Zahl der Aktiven bei 137 liegt. „Die Jugendfeuerwehr bestand 2021 aus 25 jungen Nachwuchskräften. Es sollten auch nicht zu viele sein, weil das mehr Betreuungsaufwand bedeuten würde“, erklärt Martin Scheerer, Pressesprecher der Markdorfer Wehr.

Die Markdorfer Feuerwehr bei einem Einsatz an einer Fabrikhalle in der Daimlerstraße im Dezember.
Die Markdorfer Feuerwehr bei einem Einsatz an einer Fabrikhalle in der Daimlerstraße im Dezember. | Bild: Martin Scheerer

Die Markdorfer sind im Gesamten also gut aufgestellt. Scheerer beschreibt: „Das Problem ist nicht unbedingt die absolute Anzahl an Mitgliedern, sondern eher die Anzahl an Einsatzkräften, die tagsüber zum Einsatz kommen kann.“ Für eine Feuerwehr sei es stets eine Herausforderung, möglichst schnell eine nötige Mannschaftsstärke für den Einsatz bereit zu haben.

„Wir schaffen das in Markdorf sehr gut. Aber auch wir merken, dass tagsüber Pendler, die weiter entfernt arbeiten, im ersten Abmarsch oft fehlen“, erzählt Scheerer. Diese Lage müsse man im Auge behalten.

Martin Scheerer, Sprecher der Markdorfer Feuerwehr: „Das Problem ist nicht unbedingt die Anzahl an Mitgliedern, sondern eher die ...
Martin Scheerer, Sprecher der Markdorfer Feuerwehr: „Das Problem ist nicht unbedingt die Anzahl an Mitgliedern, sondern eher die Anzahl an Einsatzkräften, die tagsüber zum Einsatz kommen kann.“ | Bild: Feuerwehr Markdorf

Scheerer weiß von anderen Wehren, dass etwa die Alarm- und Ausrückeordnung angepasst werden musste und benachbarte Wehren nun zusammenarbeiten. Dafür habe es in Markdorf bislang noch keinen Anlass gegeben. Dennoch betont Scheerer: „Wir freuen uns über neue Mitglieder, die gerne bei uns und mit uns aktiv werden möchten.“

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