Vorsichtig hebt Andrea Flack den linken Flügel des Storches und zieht das Band von der Schulter unter ihm durch bis zum Rücken. Dann beginnt dasselbe Prozedere auf der anderen Seite. Iris Bontekoe hilft ihr dabei und hält einen kleinen grauen Kasten mit drei Miniantennen am Rücken des Tieres fest. Die Bänder werden eingefädelt, verplombt, verknotet und dann knapp abgeschnitten. Dabei achten die beiden darauf, dass genügen Luft ist und der Kasten den Storch nicht in seiner Bewegung einschränkt.

Video: Jäckle, Reiner

Sender für fünf junge Störche vom Affenberg

Andreas Flack ist promovierte Wissenschaftlerin am Max-Planck-Institut in Radolfzell, die Niederländerin Iris Bontekoe ist dort Doktorantin. Beide sind Teil des wohl größten Storchen-Besenderungs-Projektes in Baden-Württemberg und statten auf dem Affenberg fünf Jungtiere mit Sendern aus. Damit sollen vor allem die Flugrouten der Vögel im Herbst in Richtung Süden aufgezeichnet werden, um Aufschluss zu geben, ob und wie sich das bisher bekannte Zugverhalten der Störche verändert.

Wissenschaftlerin Andrea Flack (links) entnimmt zwei Federn, um eine genetische Geschlechterbestimmung vornehmen zu können. Doktorantin Iris Bontekoe hilft dabei.
Wissenschaftlerin Andrea Flack (links) entnimmt zwei Federn, um eine genetische Geschlechterbestimmung vornehmen zu können. Doktorantin Iris Bontekoe hilft dabei. | Bild: Reiner Jäckle
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Sitzt, passt, wackelt und hat Luft: Der Sender ist auf dem Rücken befestigt. Die überstehenden Schnüre werden noch abgeschnitten, dann geht es wieder in den Horst.
Sitzt, passt, wackelt und hat Luft: Der Sender ist auf dem Rücken befestigt. Die überstehenden Schnüre werden noch abgeschnitten, dann geht es wieder in den Horst. | Bild: Reiner Jäckle
Affenberg-Mitarbeiter Franz Zündel setzt einen der beiden besenderten Störche zurück in den Horst.
Affenberg-Mitarbeiter Franz Zündel setzt einen der beiden besenderten Störche zurück in den Horst. | Bild: Reiner Jäckle

Elektronik-Rucksack wiegt kaum zwei Prozent des Storchs

Die beiden Wissenschaftlerinnen haben den Sender in Form eines Rucksacks mit Bändern angebracht. „Er wiegt nur etwa 55 Gramm“, erklärt Andrea Flack. „Das sind noch nicht einmal zwei Prozent des Körpergewichtes eines Storches, so dass er davon nicht beeinträchtigt wird.“ Die Tiere würden sich sehr schnell an den Kasten auf dem Rücken gewöhnen. Nach dem Anbringen wird der Schnabel des Storches gemessen, das Gefieder kontrolliert, Testfedern genommen, um eine genetische Geschlechtsbestimmung durchführen zu können, und das Gewicht ermittelt. Zum Schluss wird er noch beringt. Das Jungtier heißt jetzt „A6W34“. Der Geschwister-Storch bekommt ebenfalls einen Sender und einen Ring, dann geht es für beide wieder zurück in den Horst auf das Kassenhäuschen am Affenberg. Das Projekt kann beginnen.

Alles gut überstanden: Die beiden Störche mit ihren Sendern sind wohlbehalten zurück in ihrem Horst. Für das linke Tier mit der Nummer A6W34 sucht der SÜDKURIER einen Namen.Das sind die Sender, mit denen die Jungstörche ausgestattet werden. Einer wiegt etwa 55 Gramm, was weniger als zwei Prozent des Körpergewichtes eines Storches entspricht. Gut zu erkennen sind die Solarpanels, mit denen der Sender mit Strom versorgt wird.
Alles gut überstanden: Die beiden Störche mit ihren Sendern sind wohlbehalten zurück in ihrem Horst. Für das linke Tier mit der Nummer A6W34 sucht der SÜDKURIER einen Namen.Das sind die Sender, mit denen die Jungstörche ausgestattet werden. Einer wiegt etwa 55 Gramm, was weniger als zwei Prozent des Körpergewichtes eines Storches entspricht. Gut zu erkennen sind die Solarpanels, mit denen der Sender mit Strom versorgt wird. | Bild: Reiner Jäckle

Namensvorschläge von SÜDKURIER-LeserInnen gesucht

Der Junior-Adebar, um den es geht, ist neun Wochen alt der und lebt im Horst über dem Kassenhäuschen am Affenberg. Er trägt die Nummer A6W34 und hat seinen Sender in der vergangenen Woche erhalten. Die SÜDKURIER-LeserInnen sind nun aufgerufen, einen passenden und originellen Namen für diesen Storch zu finden. Mit diesem Namen kann der Storch dann über die App „Animal Tracker“ verfolgt werden. Eine Jury wird den Namen aufgrund der Vorschäge auswählen.

Der SÜDKURIER-Storch (rechts) und das Geschwister-Tier fühlen sich wenige Tage nach der Besenderung pudelwohl.
Der SÜDKURIER-Storch (rechts) und das Geschwister-Tier fühlen sich wenige Tage nach der Besenderung pudelwohl. | Bild: Reiner Jäckle

Welches Kind malt den schönsten Storch?

Das schönste Storchenbild: Gleichzeitig freuen wir uns über Bilder von Störchen, die von Kindern gemalt wurden – egal ob mit oder ohne Namensvorschlag. Teilnehmen kann jede und jeder bis zum zehnten Lebensjahr. Eine Auswahl der schönsten Bilder veröffentlichen wir im SÜDKURIER.

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Gratis-App „Animal Tracker“ macht Verfolgung möglich

Die gesendeten Positionsdaten können nun sehr zeitnah verfolgt werden. Über eine Solarpanele auf dem Sender ist die Stromversorgung gesichert. Die Positionen werden in kurzen Abständen aufgezeichnet. Der Datensatz wird einmal am Tag mit der integrierten Sim-Karte verschickt und sofort in die App „Animal Tracker“ eingetragen, so dass eine zeitnahe Verfolgung des Tieres ermöglicht wird. Diese App kann jeder kostenlos im Internet herunterladen und damit die Störche vom Affenberg verfolgen. Insgesamt sind dieses Jahr für dieses Projekt fünf Tiere besendert worden. Für einen übernimmt der SÜDKURIER die Namenspatenschaft.

Ein Sender wiegt 55 Gramm, weniger als zwei Prozent des Körpergewichtes eines Storches. Gut zu erkennen sind die Solarpanels, die den Sender mit Strom versorgen.
Ein Sender wiegt 55 Gramm, weniger als zwei Prozent des Körpergewichtes eines Storches. Gut zu erkennen sind die Solarpanels, die den Sender mit Strom versorgen. | Bild: Reiner Jäckle

Auch andere Wildtiere lassen sich mit der App verfolgen

Auf den Spuren von Weißstorch, Waldrapp und Co.: Mit der kostenlosen App „Animal Tracker“ können die Routen von besenderten Wildtiere fast in Echtzeit verfolgt werden. Die Sender der Störche vom Affenberg senden jeden Tag ihre Position und zeigen es in der App an. Sie wurde unter anderem vom Max-Planck-Institut mitentwickelt. Sie greift auf die Online-Datenbank „Movebank“ zu und zeigt die Daten auf einer Weltkarte. Hierbei können unter anderem zahlreiche Weißstörche, aber auch die Überlinger Waldrappe, Rotluchse und vieles mehr verfolgt werden. Die App gibt es kostenlos zum Download im App-Store oder im Google Play Store.

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