Überflutete Wiesen, knietiefes Wasser zwischen Gebäuden. Die Bilder auf der Internetseite der Freiwilligen Feuerwehr Markdorf zeigen, was die Unwetter der vergangenen Wochen angerichtet haben. Die Einsatzberichte sprechen von Straßensperren, von leergepumpten Kellern und von freizuräumenden Wasserabläufen. Die Wehrleute hatten alle Hände voll zu tun. Ihre Tauchpumpen und Wassersauger waren unzählige Male in Betrieb.

In Riedheim und anderen Bereichen im östlichen Stadtgebiet hatte das Unwetter Anfang Juni Straßen und Höfe überflutet. Die Markdorfer Feuerwehr musste zu mehreren Einsätzen ausrücken.
In Riedheim und anderen Bereichen im östlichen Stadtgebiet hatte das Unwetter Anfang Juni Straßen und Höfe überflutet. Die Markdorfer Feuerwehr musste zu mehreren Einsätzen ausrücken. | Bild: Martin Scheerer

Markdorfer Wehr musste mehrfach in der Nachbarschaft aushelfen

Die Gewitter und der Starkregen vom 8. Juni zwangen in Markdorf zu sechsmaligem Einsatz. Noch öfter musste die Freiwillige Feuerwehr in den letzten beiden Juniwochen ausrücken. Unwetter hatten Bäume auf Dächer und Fahrbahnen stürzen lassen.

Nach dem kurzen, aber heftigen Unwetter am 29. Juni musste die Markdorfer Feuerwehr in einer Spontanaktion am Nachmittag einen Baum in der Hauptstraße fällen. Er drohte umzustürzen. Kurzerhand musste die Hauptstraße dafür gesperrt werden.
Nach dem kurzen, aber heftigen Unwetter am 29. Juni musste die Markdorfer Feuerwehr in einer Spontanaktion am Nachmittag einen Baum in der Hauptstraße fällen. Er drohte umzustürzen. Kurzerhand musste die Hauptstraße dafür gesperrt werden. | Bild: Grupp, Helmar

Und neben der Pumparbeit in den zahlreichen vollgelaufenen Kellerräumen gab es Straßen freizuräumen, abrutschendes Erdreich aufzufangen. Die Unwetterfronten im Juni hatten Markdorf keineswegs verschont. „Aber wir waren nicht so sehr betroffen wie die Nachbargemeinden“, erklärt Martin Scheerer, Pressesprecher der Freiwilligen Feuerwehr. Von den Unterstützungseinsätzen für benachbarte Wehren weiß er, welche Verheerungen plötzlich reißend gewordene Bäche und Flüsschen auf Friedrichshafener oder Meckenbeurener Gebiet angerichtet hatten.

Letzte Juniwoche hielt die Feuerwehr im „Tal“ in Atem

Auch im Deggenhausertal hatten die Unwetter die Feuerwehr in Atem gehalten. Kommandant Karl-Heinz Bentele stellt Urnau und Limpach als Schwerpunkte der Einsätze vom 28. Juni heraus. In Harresheim, Grünwangen oder Wittenhofen mussten die Wehrleute aber auch umgekippte Bäume von den Straßen entfernen oder vollgelaufene Keller leerpumpen.

Glücklich mit dem neuen Löschfahrzeg, das auch über Hochleistungspumpen verfügt und Keller trockenlegen kann, ist der Deggenhausertaler Kommandant Karl-Heinz Bentele. Das LF10 wurde gleich nach Abholung den Einsatzkräften, dem Gemeinderat und weiteren Interessierten vorgestellt.
Glücklich mit dem neuen Löschfahrzeg, das auch über Hochleistungspumpen verfügt und Keller trockenlegen kann, ist der Deggenhausertaler Kommandant Karl-Heinz Bentele. Das LF10 wurde gleich nach Abholung den Einsatzkräften, dem Gemeinderat und weiteren Interessierten vorgestellt. | Bild: Christiane Keutner

Kaum weniger oft mussten die Feuerwehrleute am Folgetag, dem 29. Juni, ausrücken. Wieder sind Straßen überflutet, wieder heißt es Keller auszupumpen. „Nein“, antwortet Karl-Heinz Bentele, „so massiv habe ich das noch nicht erlebt.“ Die Schlechtwetterfronten fielen aus dem Rahmen des Gewöhnlichen. „Die körperliche Belastung für die Feuerwehr ist zwar hoch“, der Einsatzbereitschaft der Freiwilligen tue das aber keinen Abbruch, sagt Bentele: „Wir wollen ja helfen.“

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Psychologische Nachsorge bei seelischer Belastung

Zusätzlich zur körperlichen Belastung durch die wiederholten Einsätze in den letzten Junitagen kam noch eine schwierige psychische Belastung: Am frühen Abend des 29. Juni hatte eine Sturmböe an der Kreisstraße 7736 zwischen Bitzenhofen und Fuchstobel einen 40 Meter hohen Baum umgerissen.

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Er fiel auf ein Auto und klemmte darin die Fahrerin ein. Die 23 Jahre alte Frau, Tochter eines der aus Markdorf herbeigeeilten Feuerwehrmänner, erlag noch an der Unfallstelle ihren schweren Verletzungen. Für solch tragische Einsatzerlebnisse gibt es eigens einen Einsatznachsorgedienst, der sich gezielt an die Einsatzkräfte wendet.

Im Bodenseekreis geht er auf eine Initiative der Hilfsorganisationen und der beiden großen Kirchen zurück. Seine speziell ausgebildeten Mitglieder begleiten den psychischen Verarbeitungsprozess von Einsatzkräften nach belastenden Erlebnissen im Dienst. Ein Ziel ist dabei auch das Stärken des Gruppenzusammenhalts. Und der werde in der Markdorfer Wehr ohnehin groß geschrieben, berichtet Scheerer.

Pressesprecher Martin Scheerer sieht die Freiwillige Feuerwehr einstweilen gut vorbereitet auf Starkregenereignisse. Erst in der vergangenen Woche wurden zwei neue moderne Löschfahrzeuge der Wehr übergeben.
Pressesprecher Martin Scheerer sieht die Freiwillige Feuerwehr einstweilen gut vorbereitet auf Starkregenereignisse. Erst in der vergangenen Woche wurden zwei neue moderne Löschfahrzeuge der Wehr übergeben. | Bild: Jörg Büsche

Unmittelbar nach belastenden Einsätzen komme es im Feuerwehrhaus zu einer Gesprächsrunde, „in der man sich seine Erlebnisse von der Seele reden kann“ und sich des Verständnisses seiner Kameradinnen und Kameraden sicher sein dürfe, berichtet Scheerer. Grundsätzlich, erläutert der Pressesprecher weiter, beobachte er eine große Behutsamkeit beim Umgang mit belastungsträchtigen Einsätzen. Sei die Tragik absehbar, rückten nur erfahrene, nur die schon gefestigten Feuerwehrleute aus.

Volle Einsatzbereitschaft: Bei dem heftigen Unwetter Anfang Juni musste die Feuerwehr Markdorf zusätzliche Einsatzkräfte in ihr Feuerwehrhaus beordern.
Volle Einsatzbereitschaft: Bei dem heftigen Unwetter Anfang Juni musste die Feuerwehr Markdorf zusätzliche Einsatzkräfte in ihr Feuerwehrhaus beordern. | Bild: Martin Scheerer

Etwas besser gewappnet als bisher kann die Markdorfer Feuerwehr seit Kurzem gegen Wassermassen anrücken: Die beiden neu beschafften Löschfahrzeuge für die Abteilungen Ittendorf und Riedheim verfügen über eigene Wassersauger. Und solange es zu keinen Überschwemmungskatastrophen kommt, sieht Pressesprecher Scheerer die Ausrüstung der Markdorfer Wehr als hinreichend an. Im Zweifelsfalle könne man außerdem immer noch die Feuerwehren aus den Nachbargemeinden um Hilfe bitten – so, wie auch die Markdorfer Einsätze in der Nachbarschaft unterstützen, wenn sie können und angefordert werden.

Bereits im Januar musste die Markdorfer Feuerwehr zu ersten Hochwassereinsätzen ausrücken. Das gesamte erste Halbjahr war geprägt von Unwetterereignissen, auch im April war es rund um Markdorf zu Überflutungen gekommen.
Bereits im Januar musste die Markdorfer Feuerwehr zu ersten Hochwassereinsätzen ausrücken. Das gesamte erste Halbjahr war geprägt von Unwetterereignissen, auch im April war es rund um Markdorf zu Überflutungen gekommen. | Bild: Feuerwehr Markdorf