Mittags müssten viele Schüler auf ihrem Heimweg im Schulbus stehen. Da seien die Busse voller als morgens. „Keine Ahnung, woran das liegt“, sagt Miriam Rothaupt, Oberstufenschülerin am Markdorfer Bildungszentrum (BZM) zu ihrer Beobachtung. Die 18-Jährige kann sich nicht erklären, warum nach der Schule mehr Schüler im Bus mitfahren als vor Unterrichtsbeginn.

Wegis schickt Verstärkerbusse mit Abstand zu den Hauptbussen los

Vielleicht liegt das auch am Konzept, das Christian Wegis verfolgt. Der Geschäftsführer von Omnibus Wegis in Bermatingen-Ahausen schickt seine zusätzlichen Busse, die sogenannten Verstärkerbusse, mit einigem Abstand zu den Hauptbussen los, sodass den Schülern gar nicht erst die Wahl bleibt. Die stiegen ein und wüssten im Zweifel nicht, ob sie die normale oder die zusätzliche Tour fahren. „Andernfalls würde es auch gar nicht funktionieren“, erklärt der Busunternehmer. Dann würde es mit der Verteilung hapern.

Christian Wegis rechnet mit mehr Passagieren in seinen Schulbussen, wenn das Wetter schlechter wird.
Christian Wegis rechnet mit mehr Passagieren in seinen Schulbussen, wenn das Wetter schlechter wird. | Bild: Jörg Büsche

Elternbeiratsvorsitzende: Beschwerden der Eltern nehmen ab

Anita Fauser vom Elternbeiratsvorstand des Gymnasiums berichtet von gewissen Startproblemen mit den Verstärkerbussen nach den Ferien. Bei einem Verstärkerbus hätten sich Schwierigkeiten eingestellt, da er erheblich später eingetroffen sei als der Hauptbus. Deshalb seien die wartenden Kinder alle in den Hauptbus eingestiegen. Der sei zwar nicht übervoll gewesen mit seinen 35 Sitzplätzen und zehn stehenden Kindern. Inzwischen aber „kommt der Verstärkerbus früher – und es klappt“. Seitens der Eltern seien seitdem auch keine Beschwerden mehr laut geworden.

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Dabei hatten sich die Väter und Mütter bereits vor den Ferien beim Elternbeirat gemeldet. Weil sie fürchteten, dass sich übervolle Schulbusse als rollende Infektionsherde erweisen könnten. Anita Fauser lobt die Zusammenarbeit mit den Busunternehmern, insbesondere mit der Firma Wegis.

Anita Fauser lobt die Zusammenarbeit mit den Busunternehmern, insbesondere mit der Firma Wegis.
Anita Fauser lobt die Zusammenarbeit mit den Busunternehmern, insbesondere mit der Firma Wegis. | Bild: Ganter, Toni

Die hatte nach dem Lockdown im Zeitraum bis zu den Sommerferien auf eigene Kosten zusätzliche Busse eingesetzt, um die Schüler besser zu verteilen – was dem Unternehmen von den Schulleitungen des BZM-Gymansiums und des Schulverbunds viel Anerkennung eingebracht hat.

Klare Vorgaben des Landeskultusministeriums

Mag Schülern der Bus auch als zu voll erscheinen, wenn alle Plätze besetzt sind und etliche Mitschüler stehen müssen – die Vorgaben des Landeskultusministeriums sind klar. In Stuttgart hält man es noch für akzeptabel, wenn 40 Prozent der Stehplätze genutzt werden. „40 Stehplätze haben unsere normalen Linienbusse in der Regel“, erklärt Christian Wegis. 16 stehende Schüler seien mithin noch hinzunehmen.

Busfahrer achten auf Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes

Schulleiterin Veronika Elflein weiß von besorgten Eltern zu berichten. Ihnen scheinen die Busse überfüllt, wenn Kinder stehen müssen. Mit Blick auf die Stuttgarter Einschätzung spricht man im Landratsamt von einer Schere zwischen „subjektivem Empfinden“ und den offiziellen Vorgaben des Landes.

Eindeutig ist jedoch die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes. Doch auch wenn die Busfahrer streng darauf achten: „Es kommt immer mal wieder vor, dass Fünftklässler keine Maske tragen“, gibt Mittelstufen-Schülerin Amelie ihre Erfahrungen aus dem Schulbus wieder. Doch auch das dürften Einzelfälle sein.

„Nö, ich habe keine Angst im Bus. Es tragen ja auch alle einen Mund-Nasen-Schutz – abgesehen von einigen wenigen Fünftklässlern.“ – Amelie, Schülerin am BZM-Gymnasium
„Nö, ich habe keine Angst im Bus. Es tragen ja auch alle einen Mund-Nasen-Schutz – abgesehen von einigen wenigen Fünftklässlern.“ – Amelie, Schülerin am BZM-Gymnasium | Bild: Jörg Büsche
„Manchmal lassen einen die Busfahrer nicht mehr einsteigen, wenn es drinnen zu voll ist.“ – Lena, Schülerin am BZM-Gymnasium
„Manchmal lassen einen die Busfahrer nicht mehr einsteigen, wenn es drinnen zu voll ist.“ – Lena, Schülerin am BZM-Gymnasium | Bild: Jörg Büsche

Schulverbunds-Rektorin Veronika Elflein betont: „Wir haben kaum Probleme mit Mundschutzverweigerern.“ Überhaupt sei ihr Eindruck, dass die Schüler die Infektionsgefahr sehr ernst nähmen. „Sie möchten alles richtig machen.“ Ihre Erfahrung in der Pandemie: „Es hilft, immer wieder mit den Schülern die Regeln zu besprechen.“

14 Zusatzbusse sind derzeit im Landkreis unterwegs

Pro Schultag steuern das Markdorfer Bildungszentrum inzwischen sieben Verstärkerbusse regelmäßig an, heißt es aus dem für den Busverkehr zuständigen Landratsamt. Im gesamten Landkreis seien aktuell 14 solcher Zusatzbusse unterwegs, wird weiter mitgeteilt. Die vom Land in Aussicht gestellten finanziellen Mittel – 80 Prozent der anfallenden Kosten – sind bisher noch nicht geflossen. Allerdings gibt es eine Freigabe, sodass die Verstärkerbusse auch ohne einen Förderbescheid rollen dürfen.

Keine Busfahrt ohne Maske.
Keine Busfahrt ohne Maske. | Bild: Jörg Büsche

Stuttgart wird sein Förderprogramm noch bis Endes des Jahres fortsetzen. Parallel würden die „künftigen Bedarfe nach zusätzlichen Fahrten im Schülerverkehr abgefragt“, teilt das Landratsamt mit. Und diese Bedarfe dürften in den kommenden Wochen weiter ansteigen, vermutet Christian Wegis. „Noch kann man ja mit dem Rad fahren“, erklärt der Busunternehmer. In den Novemberwochen werde sich das dann jedoch rasch ändern.

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