Musik spiele in ihrem Leben eine große Rolle, erklärt Simona Völker. Die 16-Jährige steht vor der Markdorfer Musikschule und wartet. Sie wartet darauf, dass sie zum Unterricht abgeholt wird. Denn so sind die Regeln während der Corona-Krise. Die Schüler gehen nicht mehr alleine ins Gebäude, um entweder direkt in die Unterrichtsräume zu gelangen oder davor noch Platz zu nehmen. Sie werden abgeholt von ihren Lehrern. Simona Völkers Eindruck ist, „dass die Musikschule beim Virenschutz noch etwas strenger ist als die normale Schule“. Die 16-Jährige stört das nicht. Im Gegenteil: Sie findet es gut.

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Musikschule orientiert sich am Kultusministerium

Die Musikschule – so heißt es im Abschnitt „Grundsätzliches“ des auf ihrer Internetseite veröffentlichten Hygieneplans – stützt sich auf die Hygienehinweise des Landeskultusministeriums. Berücksichtigt wurden die wichtigsten Eckpunkte des Infektionsschutzgesetzes. Verbindlich für alle Angestellten der Musikschule sowie die von ihr beschäftigten Honorarkräfte.

Abstandsregelungen und Virenschutz wurden indes auch schon in den Wochen davor großgeschrieben. Dass Lehrkräfte und Verwaltungsmitarbeiter den Schülern bezüglich der Hygiene-Maßnahmen mit gutem Beispiel vorangehen, darauf wird ausdrücklich hingewiesen.

Susanne Priebe, eine der beiden Musikschulsekretärinnen, muss seit Corona nicht nur mehr organisatorischen Aufwand treiben, sie ist auch mit der Hygiene befasst.
Susanne Priebe, eine der beiden Musikschulsekretärinnen, muss seit Corona nicht nur mehr organisatorischen Aufwand treiben, sie ist auch mit der Hygiene befasst. | Bild: Jörg Büsche

Weitere Reinigungskraft engagiert

Eine ganze Weile lang fiel das coronabedingt vermehrte Reinigen der Unterrichtsräume in den Aufgabenbereich der beiden Sekretärinnen der Musikschule, berichtet Susanne Priebe, eine von ihnen. Inzwischen wurde eine weitere eigens mit den zusätzlichen Hygiene-Aufgaben betraute Reinigungskraft engagiert. „Schließlich müssen wir inzwischen wesentlich mehr Aufwand betreiben“, erklärt Susanne Priebe. Mit im Blick habe man da die besondere Verantwortung für jene Musikschüler sowie für jene Lehrer, die zur Risikogruppe gehören.

Etliche Desinfektionsaufgaben sind den Sekretärinnen indes geblieben – etwa das regelmäßige Säubern der Türklinken. Zu den besonderen Vorsichtsmaßnahmen gehört auch, dass das Musikschul-Sekretariat nun geschlossen ist. „Wer uns erreichen will, erreicht uns per Mail oder Telefon“, erklärt die Sekretärin, „alles in allem funktioniert das sehr gut.“

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88 Klaviertasten müssen immer virenfrei sein

Einen erhöhten Hygieneaufwand müssen nicht nur die Sekretärinnen und die Putzkräfte betreiben, sondern auch die Lehrer. Instrumente gilt es zu desinfizieren. Was bei den empfindlichen Saiten der Harfe freilich kaum geht. Sodass dieser Unterricht im Präsenzmodus ausfallen muss. Schon leichter haben es da die Klavierlehrer. Allein der Tasten haben ihre Instrumente recht viele – immerhin 88. Und auch die sollen nach jedem Schüler allesamt wieder virenfrei benutzbar sein.

Besonders gefordert sei man in der musikalischen Früherziehung. Wo die Orff-Instrumente vor Unterrichtsbeginn desinfiziert und in Beuteln verpackt bereitzuliegen haben. Jedes Kind bekommt seinen eigenen Triangel, sein eigenes Klangholz, seine eigene Rassel – und alles muss nach dem Musizieren gereinigt werden. Bevor die Kinder an der Eingangstür abgeholt und in den Unterrichtsraum geführt werden, von ihren Musiklehrern durchs Haus geleitet werden – übrigens auch die älteren Schüler. Denn die Musikschultüre bleibt zu, damit überflüssige Begegnungen auf Treppen oder Gängen vermieden werden.

Ausweichräume im Bischofschloss

Große Herausforderungen stellen sich durch den erheblich verstärkten Hygieneaufwand, außerdem auch organisatorisch. „Wir haben entschieden weniger Unterrichtsräume zur Verfügung seit Corona„, berichtet Susanne Priebe. Der Grund: In den Klassenräumen in den allgemeinen Schulen, wo die Musikschullehrer vor der Pandemie auch immer Trompete, Gitarre, Flöte unterrichtet haben, sind derzeit alle außerschulischen Veranstaltungen gestrichen – mithin auch der Musikschulunterricht. Gelindert werde die Raumnot nun dadurch, dass auch Musikschulunterricht in Räumen des Bischofschlosses sowie in der Alten Kaplanei stattfinden kann. Und noch etwas macht sehr viel Arbeit: der bis in Details ausgetüftelte Hygiene-Plan für die Musikschule.

Und bei öffentlichen Konzerten der Musikschule hilft dann auch die Schulleitung bei den Hygiene-Schutzmaßnahmen – hier Schulleiter Gerhard Eberl beim Abwischen von Kirchenbänken.
Und bei öffentlichen Konzerten der Musikschule hilft dann auch die Schulleitung bei den Hygiene-Schutzmaßnahmen – hier Schulleiter Gerhard Eberl beim Abwischen von Kirchenbänken. | Bild: Jörg Büsche

Auch in der Musikschule gilt die „AHA“-Formel

Musikschulleiter Gerhard Eberl fasst das Wichtigste unter die „AHA-Formel“: Abstand, Hygiene und Alltagsmaske. Die Tücken stecken dann im Detail. Wenn sich die empfindlichen Saiten der Harfe nicht reinigen lassen, da sie die Desinfektionsmittel nicht vertragen. Wenn die Bläserschüler noch mehr Aufwand treiben müssen, um infektiöse Aerosole zu vermeiden. „Die Hauptlast beim Virenschutz tragen ohnehin die Mitarbeiter“, erklärt Eberl. Und Reinhard Nedela, der Vorsitzende des die Musikschule tragenden Vereins, weist darauf hin, dass die zusätzliche Zeit – fürs Belüften der Unterrichtsräume, fürs Abholen der Schüler vor der Eingangstüre – keineswegs bezahlt werde.

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Musikschulleiter Eberl: Alle Gemeinden arbeiten gut zusammen

Musikschulleiter Eberl lobt die Zusammenarbeit mit den vier Gemeinden, in denen die Musikschule ihren Unterricht anbietet. Neben Markdorf und Bermatingen sind das Oberteuringen und Immenstaad. Alle vier Gemeinden hätten sich ins Zeug gelegt, um das Angebot aufrecht zu erhalten. Der Raumbedarf sei gedeckt. Im Deggenhausertal lasse der Musikverein die Musikschul-Schüler in seine Proberäume. Gleichermaßen entgegenkommend zeige sich Oberteuringen.

Max Baumgartner, 15, Tenorhorn: „Meine Devise: Nur nicht weiter aufregen. Und den Spaß am Musizieren lass ich mich auch durch die Corona-Schutzmaßnahmen bestimmt nicht nehmen.“
Max Baumgartner, 15, Tenorhorn: „Meine Devise: Nur nicht weiter aufregen. Und den Spaß am Musizieren lass ich mich auch durch die Corona-Schutzmaßnahmen bestimmt nicht nehmen.“ | Bild: Jörg Büsche

Bauamt machte die Schlossräume musikschultauglich

Der Platz im ohnehin beengten Alten Schulhaus reiche nun – unter dem Abstandsdiktat der Corona-Verordnung – kaum noch aus. Ausweichmöglichkeit bieten da drei Räume im Bischofschloss, die die Schule nutzen darf. Eberl betont, wie bereitwillig die Verwaltung geholfen habe, insbesondere das Bauamt. So hätten Mitarbeiter des Bauhofs eigens Waschbecken in den Schlossräumen installiert, damit Schüler und Lehrer den Hygieneregeln gerecht werden können.

Lehrkräfte müssen in der Krise Kreativität beweisen

Eberl lobt die enge Kooperation von Betriebsrat, Vorstand und Musikschulleitung. „Alle ziehen an einem Strang – wir wissen uns in guter Harmonie.“ Und Eberl freut sich über die während der Corona-Krise bewiesene Kreativität seiner Lehrkräfte. So werden zum Beispiel zwei nebeneinanderliegende Proberäume genutzt – dies bei geöffneter Tür, sodass getrennt-gemeinsames Musizieren mehrerer Schüler möglich wird. Beispiele gebe es noch viele. Sie zielen allesamt auf ein Ziel der Musikschule ab, so Eberl: „Musikschulen sind öffentliche Bildungseinrichtungen“ sagt er, „mit dem Auftrag, gemeinsames Musizieren zu vermitteln“. Eben das sei überaus wichtig für Kinder und Jugendliche – auch und gerade in Pandemiezeiten.

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