Seit März: Keinen nennenswerten Umsatz mehr. Die Prognose: ungewiss. Die Corona-Pandemie hat die Veranstaltungsbranche sehr hart getroffen oder wie es Jens Gießler, Geschäftsführer der Markdorfer Veranstaltungsfirma Organissimo, sagt: „First in, last out“ (zuerst hinein, zuletzt hinaus).

Entfallene Umsätze können nicht aufgeholt werden

Eine Perspektive tut sich kaum auf, denn die Auflagen in den Bundesländern machen es in vielen Fällen unwirtschaftlich, eine Veranstaltung oder Messe umzusetzen. „Alle Event- und Messeaufträge, die nach dem 13. März stattgefunden hätten, wurden storniert“, so Gießler. Das Problem: Da es sich um eine Dienstleistungsbranche handelt, können entfallene Umsätze nicht nachgeholt werden.

Jens Gießler, Geschäftsführer
Jens Gießler, Geschäftsführer | Bild: Michael Ebert

Umso bitterer, denn die Auftragslage für das Unternehmen, das in Möggenweiler seinen Firmensitz hat, sah laut Jens Gießler „hervorragend“ aus, es wäre ein sehr gutes Jahr geworden mit ordentlichem Wachstum, nach einem eher mittelmäßigem Jahr 2019.

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Doch dann kam die Corona-Krise, die Folge: Das Team wurde mit einer Unzahl an kurzfristigen Stornierungen konfrontiert und musste mit den Kunden Lösungen finden. „Es war eine komplett neue, bis dato nicht bekannte Situation, auch für uns“, so Jens Gießler.

Normalerweise würde jetzt der Aufbauprozess der Messe Eurobike stattfinden; die Messe wurde von Anfang September auf November verlegt, sie wird dann als reine Business-Messe stattfinden.
Normalerweise würde jetzt der Aufbauprozess der Messe Eurobike stattfinden; die Messe wurde von Anfang September auf November verlegt, sie wird dann als reine Business-Messe stattfinden. | Bild: Organissimo GmbH

Teilweise war schon für Events aufgebaut oder man war gerade dabei aufzubauen. „Alles sehr anstrengend, sehr juristisch und man musste, im Interesse einer weiteren Zusammenarbeit nach Corona, immer einen Kompromiss finden mit dem beide Seiten leben konnten“, sagt der Geschäftsführer.

Kosten werden reduziert, Überstunden abgebaut, Kurzarbeit angemeldet

Damit das Unternehmen die Krise überlebt, wurden zunächst die Kosten reduziert. Die Mitarbeiter haben Resturlaub und Überstunden abgebaut, es wurde Kurzarbeit angemeldet. Die Erstellung einer realistischen Fortführungsprognose sollte den notwendigen Kapitalbedarf zur Überbrückungsfinanzierung ermitteln.

Die Liquiditätslücke, die logischerweise entstehe, sei nur durch Eigen- oder Fremdmittel zu decken. Von der Politik wünscht sich Jens Gießler folgendes: „Wir benötigen dringend einen Fixkostenzuschuss, um die Unternehmen zu retten“. Denn Kurzarbeit rette zwar momentan die Arbeitsplätze, aber wenn die Firmen zugrunde gehen, mache das wenig Sinn.

Jens Gießler fordert Verlängerung der Kurzarbeit

Die Kurzarbeit müsse als wirksames Hilfsmittel dringend um zwölf weitere Monate verlängert werden, so Gießler. Sonst sei für die meisten Unternehmen in dieser Branche im Februar/März 2021 Schluss. Wichtig sei auch, dass die Übernahme der Sozialversicherungsbeiträge durch den Staat, die am 31. Dezember ausläuft, mit verlängert wird.

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Jens Gießler macht darauf aufmerksam, dass die Veranstaltungsbranche mit 130 Milliarden Euro Umsatz der sechst größte Wirtschaftszweig in Deutschland mit knapp einer Million direkter Arbeitsplätze sei, indirekt seien es knapp zwei Millionen. „Wir hoffen alle auf die dringend notwendige politische Unterstützung“, so Gießler.

Alle Unternehmen aus der Veranstaltungswirtschaft sowie Veranstaltungs-Locations strahlten in der Nacht vom 22. auf den 23. Juni bundesweit ihre Gebäude oder stellvertretend ein Bauwerk in ihrer Region oder Stadt mit roter Beleuchtung an, um auf die dramatische Situation in der Veranstaltungswirtschaft aufmerksam zu machen, der seit dem 10. März aufgrund der Corona-Pandemie die Arbeitsgrundlage entzogen ist, hier das Gebäude von Organissimo.
Alle Unternehmen aus der Veranstaltungswirtschaft sowie Veranstaltungs-Locations strahlten in der Nacht vom 22. auf den 23. Juni bundesweit ihre Gebäude oder stellvertretend ein Bauwerk in ihrer Region oder Stadt mit roter Beleuchtung an, um auf die dramatische Situation in der Veranstaltungswirtschaft aufmerksam zu machen, der seit dem 10. März aufgrund der Corona-Pandemie die Arbeitsgrundlage entzogen ist, hier das Gebäude von Organissimo. | Bild: Organissimo GmbH

Das Team von Organissimo hat sich Formate überlegt, die unter den Gegebenheiten noch realisierbar sind. Daraus ist unter anderem das Autokino auf der Messe in Friedrichshafen entstanden. „Ergänzend dazu haben wir uns schon länger mit dem Thema Digital Events und Hybrid Events beschäftigt“, so Gießler.

Neue Formate werden entwickelt und umgesetzt

Diese Bereiche wurden mit Nachdruck weiter entwickelt und aktuell Formate umgesetzt. „Das ist alles aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein im Vergleich zu einem normalen Jahr“, sagt der Geschäftsführer. Dennoch bleibe man weiter positiv. In den neuen Formaten sehe man „für die nächsten Jahre einen neuen Wachstumsmarkt im Event- und Messebereich“.

Als Full-Service-Agentur bietet das Team um Geschäftsführer Jens Gießler die vollständige Abwicklung einer Veranstaltung aus einer Hand, wie hier bei der Messe in Friedrichshafen.
Als Full-Service-Agentur bietet das Team um Geschäftsführer Jens Gießler die vollständige Abwicklung einer Veranstaltung aus einer Hand, wie hier bei der Messe in Friedrichshafen. | Bild: Organissimo GmbH

Dem Team gehe es soweit gut, bis dato war zum Glück noch niemand direkt oder indirekt in seiner Familie von Corona betroffen, so Jens Gießler. Aber es bleibe ein Gefühl der Unsicherheit, da nicht abzusehen ist, wie und wann es wieder „richtig“ weitergeht.

Die Branche möchte weiterhin auf ihre Situation aufmerksam machen: Am 9. September ist die nächste branchenweite Großkundgebung des Aktionsbündnisses #AlarmstufeRot (www.alarmstuferot.org) in Berlin geplant.