Schlag 5 Uhr: Der Bahnhofskiosk ist aufgeschlossen und wird bis 6.15 Uhr für den Betrieb vorbereitet. Licht an, Alarmanlage aus, die Kasse starten und bestücken, den Kaffeevollautomaten einschalten, Rollos hoch und draußen Aufsteller platzieren. All dies sind die ersten Schritte in den Arbeitstag, der montags bis freitags um 18.30 Uhr mit dem Tagesabschluss endet.

Bild: Toni Ganter

5.13 Uhr: Kioskbetreiber Rolf Breu holt weitere Packen Zeitschriften, um sie dann im Verkaufsraum einzusortieren.

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5.14 Uhr: Rolf Breu hat einen Lotto-Aufsteller vor dem Kiosk platziert. Im Euro-Jackpot sind an jenem Freitag 10 Millionen, im Jackpot 7 Millionen Euro.

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5.15 Uhr: Das Areal beim Markdorfer Bahnhof und Kiosk ist wie leergefegt. Bis zur Öffnung dauert es noch eine Stunde.

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5.28 Uhr: Rolf Breu bestückt die Kasse mit Wechselgeld. Und schon geht's mit dem Aus- und Einsortieren von Zeitungen, Zeitschriften, Magazinen und Comics weiter.

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5.58 Uhr: Rolf Breu ist nach wie vor am Aus- und Einsortieren von Zeitschriften, Magazinen und Co. Laut eigenem Bekunden führt er 2000 bis 2500 Titel.

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6.15 Uhr: Die erste Kundin des Tages verlangt nach einem Becher Kaffee zum Mitnehmen – cofee to go. Nein, die Dame möchte nicht, dass fotografiert wird. "Kein Foto, kein Foto." Ist ja auch ihr gutes Recht. Kaum ist die Frau weg, sind schon drei weitere Stammkunden im Verkaufsraum. "Heute isches ganz schön kalt", sagt der eine. "Schtimmt itte, des kommt von de' Feuchtigkeit", entgegnet der Smalltalk-Gesprächspartner. Fotos erlaubt? Vielleicht Namensnennung? Danke nein.

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6.28 Uhr: Christa Schumacher (links) aus Markdorf ist seit vier Jahren Stammkundin. Sie wartet kurz im Verkaufsraum auf, ehe sie mit dem Bus zur Arbeit nach Friedrichshafen fährt. Im Freien sind's unter Null Grad Celsius und im einstigen, geschlossenen Bahnhofsgebäude gibt es ja keinen Warteraum. Freundin Sabine Lutz hat Schumacher zum Bus begleitet.

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6.34 Uhr: Kontrolle, Kontrolle, Kontrolle. Das Überprüfen der gelieferten Druckerzeugnisse muss von Hand erledigt werden und ist aufwendig. Würde Rolf Breu das vernachlässigen, könnten daraus Verluste von locker mehr als 2000 Euro pro Jahr werden, sagt er.

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6.34 Uhr: Eine Handvoll Perry-Rhodan, Nummer 3000. Drei der wöchentlich erscheinenden Sicence-Fiction-Hefte müssen für Stammkunden und Fans beiseitegelegt und reserviert werden – Kundenservice en passant.

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9 Uhr: Zwischendurch ein kleines, schnelles Frühstück im knapp 8 Quadratmeter messenden Büro mit Mini-Einbauküche. Es gibt eine Scheibe gerösteten Toast, darauf Zwetschgen-Birnen-Marmelade mit nem Schuss Limettenlikör eingekocht, und die inzwischen zweite Tasse Kaffee. Breu hat die Marmelade selber gemacht. "Vor langer, langer Zeit hab' ich mal Koch gelernt", erzählt der 56-Jährige. Derweil kümmert sich die Teilzeitangestellte Christa Moßbrucker im Verkaufsraum nebenan um die Kunden.

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9.10 Uhr: Rolf Breu lässt einen 85 Zentimeter langen Bon heraus, weil der Redakteur wissen will, wie viele Buchungsvorgänge in den ersten drei Stunden zusammengekommen und in die Kasse eingetippt worden sind – schon immerhin 82. Aber Vorsicht, keine voreiligen Schlüsse ziehen, der Tag ist noch jung...

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9.49 Uhr: Kioskbetreiber und Küchenhilfe in Personalunion. Rolf Breu hat zwei Kaffeetassen, einen Frühstücksteller und ein Schmiermesser abgespült und abgetrocknet. Er räumt alles wieder ein und wischt den Spültisch trocken – auch das mal schnell nebenbei – denn eiserne Regel: Kunden haben Vorrang!

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10.18 Uhr: Horst Ritter aus Markdorf ist schon seit Jahrzehnten Stammkunde, als der Kiosk eher ein Stand auf der anderen Straße schräg gegenüber des Bahnhofsgebäudes war. Ritter holt sich regelmäßig Rätselhefte. Gerade hat er Lotto gespielt. Golden Retriever Yago beleitet Herrchen während des Morgenspaziergangs.

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10.35 Uhr: Christa Moßbrucker hat das inzwischen vierte Paket angenommen und zum Versand fertiggemacht. Sie arbeitet seit zehn Jahren als Teilzeitkraft im Kiosk mit. "Ich komme immer gerne her, Herr Breu ist ein toller Chef". Breu freut sich zwar schon, ob des unerwarteten Lobes, lächelt aber doch etwas verlegen. "Es ist immer abwechslungsreich, die Kunden sind ganz überwiegend nett. Es gibt wenige, die meckern", erzählt Moßbrucker derweil weiter. Und natürlich bereiten die kleineren Gespräche mit den Stammkunden Freude.

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11.14 Uhr: Manfred Hiefer (von links), seit 1987 Stammkunde, gibt während eines Schwätzchens mit Mitarbeiterin Christa Moßbrucker und Betreiber Rolf Breu einen Lottozettel ab. Wie sich gleich herausstellt, ist ein kleiner Gewinn dabei.

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13.49 Uhr: Egbert Benz aus Markdorf, stellvertretender Präsident des Blasmusikverbandes Bodenseekreis, schätzt, dass er schon seit mindestens 30 Jahren Kiosk-Stammkunde ist. Also hat er damals schon bei der vorangegangenen Betreiberfamilie Mauch regelmäßig eingekauft. Rechts Teilzeitmitarbeiterin Margit Polaczek, sie arbeitet seit 15 Monaten mit.

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14.01 Uhr: Knapp vier Meter ist dieser Bon lang, den Rolf Breu auf Verlangen des Redakteurs erneut ausgedruckt hat. Weil der Journalist aus purer Neugier wissen will, wie viele Buchungsvorgänge inzwischen zusammengekommen sind. Wer errät's? Es sind 311. In der Adventszeit kurz vor Weihnachten sind es auch schon 1000 Kunden an einem Tag gewesen, wie Breu berichtet. Ach ja – Zeit für einen Mittagsimbiss war irgendwie noch nicht. Noch rund viereinhalb Stunden bis zum Feierabend...

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18.29 Uhr: Ein Kunde holt ein Paket ab. Rolf Breu hat inzwischen schon alles eingeräumt, was vor dem Kiosk stand.

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18.30 Uhr: Tagesabschluss. Der Thermodrucker der Kasse rattert eine gute Minute, ehe der riesenlange Papierbon abgerissen werden kann. Breu misst mit einem Meterstab nach. Der Bon misst 4,70 Meter. Darauf lässt sich der Kiosk-Tag ablesen. 502 Kunden waren da. Breu schließt ab, erledigt die Abrechnungen für den Tag und fährt dann heim. Gegen 23 Uhr legt er sich am Freitagabend schlafen. Denn am Samstag hat der Kiosk von 8 bis 15.30 Uhr, sonntags von 9 bis 14 Uhr geöffnet.

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