In zwei Wochen geht die Schule los. Wie sind Sie darauf vorbereitet?

Wir als Gemeinde sind nicht für den Betrieb, wohl aber für die Ausstattung verantwortlich. In dem Zusammenhang sind vor allem zwei Pakete wesentlich, der Digitalpakt und das Soforthilfeprogramm des Landes zur Beschaffung von mobilen Leihgeräten. Beim Soforthilfeprogramm sind wir gerade in der finalen Abstimmung und hoffen, dass wir zeitnah nach der Sommerpause in die Beschaffung gehen können, sobald uns die Stephan-Brodmann-Schule konkrete Bedarfe und ihre Anforderungen an System und Sicherheit mitgeteilt hat.

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Das größere Thema der Digitalisierung unserer Grundschule auf Grundlage des Digitalpakts hat mit Corona auch etwas Fahrt aufgenommen. Die Schule soll mit digitaler Infrastruktur und die Lehrer mit Endgeräten versorgt werden, auch da sind wir in enger Abstimmung mit Grundschule und Kreismedienzentrum. Uns ist es wichtig, dass die Schule Ziele definiert, die hinter dem digitalen Lehren und Lernen stehen. Es darf nicht unser Anspruch sein, einfach Geld auszugeben, es muss auch gut ankommen. Wir brauchen eine gute Mischung von Kreidetafel und Tablet, dafür braucht es neue pädagogische Konzepte.

Das heißt, die Soforthilfe stellt ab dem neuen Schuljahr sicher, dass bei Bedarf jedes Kind einen Computer zur Verfügung gestellt bekommt, das einen braucht?

Jedes Kind, das einen braucht, ja. Da gibt es noch einige Frage, die wir klären müssen, auch was die Zahlen und die Zweckmäßigkeit angeht, aber ab Herbst sollen die Geräte dann zur Verfügung stehen.

Können Sie auch für den Digitalpakt schon eine Zeitschiene nennen?

Ich denke, im Herbst sollten wir soweit sein, dass der Medienentwicklungsplan der Stephan-Brodmann-Schule eingereicht werden kann. Wie lange der Genehmigungsprozess letztlich dauert, ist noch nicht abzusehen. Ich rechne im Frühjahr nächsten Jahres damit.

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Für uns stellt sich folgende Herausforderung: Wie viel soll in die Infrastruktur noch investiert werden, wenn das Gebäude längerfristig gegebenenfalls weichen soll? Das heißt, wir brauchen etwas Leichtgewichtiges und trotzdem Funktionstüchtiges für die Grundschule.

Auch die neue Kita Seegaddel deckt langfristig den Bedarf an Ganztagsbetreuung nicht – wie begegnen Sie dem?

Wir haben einige Regelgruppen, die in Ganztagsgruppen umgewandelt werden könnten. Die Kita Seegaddel wird sechs Ganztagsgruppen haben, die fantastisch ausgestattet sind, sodass jedes Kind dort auch essen und schlafen kann. Mir ist aber auch eins sehr wichtig: dass wir bei aller Notwendigkeit und allem Trend zum Ganztag die anderen Betreuungsformen nicht vernachlässigen.

Johannes Henne wurde 2017 gewählt, seit Januar 2018 ist er Bürgermeister von Immenstaad.
Johannes Henne wurde 2017 gewählt, seit Januar 2018 ist er Bürgermeister von Immenstaad. | Bild: Corinna Raupach

Es hat auch einen Wert, wenn ein Kind nachmittags in seiner Familie leben kann. Ich fände es toll, wenn dieses Thema in der Gesellschaft mehr Wertschätzung erhielte. Ansonsten haben wir im Bereich der Kinderbetreuung einen guten Status quo, schließlich hat die Gemeinde in den vergangenen Jahren auch viel in diesem Bereich gemacht.

Halten Sie am Vorschlag aus der Region fest, den Querschnitt der B 31-neu zwischen Immenstaad und Meersburg durch Weglassen der Standstreifen zu reduzieren? Die Behörden lehnen dies wegen geltenden Richtlinien und Sicherheitsaspekten ab.

Wir haben es in der Region geschafft, Einigkeit herzustellen nach fünf Jahrzehnten, in denen jede Gemeinde auf ihrem eigenen Standpunkt beharrte. Jetzt haben sich alle Städte und Gemeinden gemeinsam ausgesprochen, nicht nur die Bürgermeister, sondern auch alle Gemeinderäte. Das sollte nicht ungehört bleiben. Die fachliche Ebene muss sich zunächst an ihre Vorgaben halten, das ist klar.

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Jedoch wollen wir als Kommunalpolitik den Blick auf die einmalige Chance legen, die wir aktuell haben. Unser Anspruch ist es, die höheren Ebenen, insbesondere den Bund davon zu überzeugen. Wir haben ein offensichtliches Verkehrsproblem, aber auch eine sensible Landschaft und brauchen daher eine schnelle und gute Lösung. Unser Kompromiss trägt der wertvollen Landschaft ebenso Rechnung wie der Leistungsfähigkeit und der Verkehrssicherheit. Ich bin auf dieser Grundlage sehr positiv gestimmt.

Haben Sie dazu schon eine Rückmeldung?

Bisher nicht, aber der letzte Beschluss des Meersburger Rats stammt erst von Anfang August. Damit sind nun alle Gemeinden sowie der Landkreis auf dem gleichen Weg. Wir hoffen, dass wir bald die Möglichkeit erhalten, unseren Kompromissvorschlag im Bundesverkehrsministerium vorzustellen und zu diskutieren.

Sie wurden dafür kritisiert, dass Sie sich vor einigen Monaten ohne Mandat des Gemeinderats zu den Ausbauplänen positioniert haben. Würden Sie das wieder so machen?

Selbstverständlich, zumal ich ja ein Mandat in den Dialoggremien habe. Grundsätzlich ist es Aufgabe des Bürgermeisters, Beschlüsse zusammen mit der Verwaltung vorzubereiten und eine konkrete Haltung einzunehmen. So funktioniert das in jedem anderen Thema auch. Ich habe den Eindruck, dass da aus einer gewissen Frustration heraus etwas aufgebauscht wird, das eigentlich selbstverständlich ist.

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Die Corona-Krise hat andere Problemzonen überlagert, etwa den demografischen Wandel, Klimawandel, Digitalisierungsstau. Haben Sie die weiter auf dem Radar und welche Ideen gibt es dazu?

Wir haben all diese Themen auf dem Schirm. Die Gemeinde muss hier am Ball bleiben und auch neue Wege gehen, soweit es eine kleine Gemeinde leisten kann. Wir haben das große Thema Wohnraum und Siedlungsentwicklung, die Nachfrage ist ununterbrochen hoch. Außerdem denken wir auch über neue Formen nach wie Mehrgenerationshäuser, Senioren-WGs oder Quartierdurchmischung von Alt und Jung.

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Wir arbeiten an der Infrastruktur, mit Grundschule, Sport- und gegebenenfalls Festhalle, Straßen, Plätzen und sonstigen öffentlichen Einrichtungen. Zudem ist der Klima- und Umweltschutz eine große Herausforderung. Wir haben eine Stelle im Ortsbauamt ausgeschrieben mit Tätigkeitsschwerpunkten im Bereich Umwelt- und Klimaschutz, und kommunalem Energiemanagement und wir haben vor, uns um den European Energy Award zu bewerben. Für die Stadtentwicklung, die Ortsbildgestaltung und die Begrünung haben wir Ideen. Vielleicht könnte es eine Baumpflanzaktion mit Bürgerbeteiligung geben.

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Abschließend möchte ich aber auch betonen, dass wir für Klima- und Umweltschutz schon viel in unserer Gemeinde getan haben, sei es bei der Straßenbeleuchtung, beim Bau von öffentlichen Gebäuden, der Installation von Solardächern und der Beschaffung von Elektrofahrzeugen. Seit einigen Monaten haben wir in der Gemeinde auch einen Digitalisierungsbeauftragten. Derzeit erarbeitet er zusammen mit einer Studentin der Hochschule Kehl eine Digitalisierungsstrategie für die Gemeinde, die wir bald im Gemeinderat vorstellen wollen. Die Gemeinde soll interaktiver werden, in Richtung eines smarten Dorfs.

Vieles, was Menschen einer Gemeinde zusammenbringt, kann momentan nicht oder eingeschränkt stattfinden, von Vereinsleben über Weinfest bis zur Fasnet. Welche Möglichkeiten sehen, Sie trotzdem den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken?

Im Sommer ist es noch möglich, sich draußen zu treffen, sich auf dem Markt, auf der Straße oder am See zu unterhalten. Was wirklich fehlt, sind die Veranstaltungen. Wir denken gerade darüber nach, ob wir den Weihnachtsmarkt stattfinden lassen können. Dort könnte es mit Abstand und Mundschutz schwierig werden.

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Wir brauchen für Herbst und Winter neue kreative Formen der Kommunikation, dass man etwa über Video in Kontakt bleibt. Da gibt es viele Möglichkeiten, das haben andere Gemeinden im In- und Ausland gezeigt. Ich wünsche mir keine eingleisige Kommunikation, sondern möchte die Menschen ermuntern, uns mitzuteilen, was sie bewegt. Wir werden uns dazu sicher auch mit den Kirchen, den Vereinen und sozialen Einrichtungen unterhalten müssen.

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