Mancher freut sich, andere schütteln den Kopf darüber: In diesen Tagen dürften die ersten Supermarktregale wieder mit Lebkuchen gefüllt werden. In anderen Jahren mag das ein einsamer früher Hinweis auf die Vorweihnachtszeit sein. Angesichts der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Diskussionen über die in noch fernerer Zukunft liegende Fasnet gibt es in diesem Jahr einen weiteren Anlass für viele Städte und Gemeinden, sich sehr früh Gedanken um die Adventswochen zu machen: Sollen die Weihnachtsmärkte stattfinden? Erste Hüttendörfer sind bereits abgesagt. Woanders steht die Entscheidung noch aus. Der SÜDKURIER hat bei Markt-Ausrichtern in der Bodensee-Region nachgefragt.

Bregenz: Allerletzter Stichtag ist Ende Oktober

Ganz auf den Weihnachtsmarkt verzichten, will die Stadt Bregenz nicht. Trotz Corona laufen die Planungen für die „Bregenzer Weihnacht“, die vom 11. November bis 24. Dezember am Kornmarktplatz stattfinden soll. „Die allerletzte Deadline zur kurzfristigen Absage wäre der 30. Oktober“, sagt Robert Salant, der Geschäftsführer der Bregenz Tourismus und Stadtmarketing GmbH, die den Weihnachtsmarkt organisiert. Doch eigentlich wolle das Stadtmarketing an der „Bregenzer Weihnacht“ festhalten und sei „guter Hoffnung.“

Er wird dieses Jahr wohl stattfinden, wenn auch etwas anders: Der Bregenzer Weihnachtsmarkt am Kornmarktplatz.
Er wird dieses Jahr wohl stattfinden, wenn auch etwas anders: Der Bregenzer Weihnachtsmarkt am Kornmarktplatz. | Bild: Christiane Setz

Nur: Ohne Hygiene- und Sicherheitskonzept geht nichts. „Der Markt wird in seiner Aufstellung intensiv evaluiert, teilweise reduziert und überarbeitet“, heißt es von Salant. „Insbesondere bei den Gastronomieständen, wo es naturgemäß zu Ansammlungen kommt, müssen die Sicherheitsvorgaben – also eine Abgrenzung in der Gästeanzahl, Desinfektion und Abstände – eingehalten werden.“

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Da dies ein Thema sei, das fast jede Kommune in Österreich betreffe, würden aktuell unterschiedliche Konzepte beim Dachverband, dem Stadtmarketing Austria, ausgetauscht und ein Strategiepapier entwickelt.

Meckenbeuren: Nicht der Weihnachtsmarkt, wie „wir ihn kennen und lieben“

Ganz anders sieht es in Meckenbeuren aus: Der mittelalterliche Weihnachtsmarkt in Brochenzell ist abgesagt. „Wir können und wollen die Verantwortung nicht übernehmen, dass sich alle Besucher und Standbetreiber an die Hygiene- und Abstandsregelungen halten“, heißt es in einer Pressemitteilung von den beiden Veranstaltern, dem Förderverein Humpisschloss und dem Fanfarenzug Brochenzell.

Im nächsten Jahr soll wieder gefeiert werden, wie es die Brochenzeller gewohnt sind, sagt Michael Masuch vom Förderverein Humpisschloss.
Im nächsten Jahr soll wieder gefeiert werden, wie es die Brochenzeller gewohnt sind, sagt Michael Masuch vom Förderverein Humpisschloss. | Bild: Fanfarenzug Brochenzell

Um den Händlern, Marktbetreibern, den Künstlern und Musikgruppen wenigstens etwas Planungssicherheit zu geben, sei die Entscheidung jetzt im August getroffen worden. „Schweren Herzens“, wie Michael Masuch, der Vorsitzende des Fördervereins betont, denn abgesagt werden musste der Weihnachtsmarkt bisher noch nie. „Aber es wäre auch nicht unser Weihnachtsmarkt geworden. Nicht so wie wir ihn kennen und lieben.“

In Lindau, Friedrichshafen und Ravensburg herrscht Unschlüssigkeit

In anderen Kommunen wie etwa in Friedrichshafen, Ravensburg oder Lindau halten sich die Verantwortlichen mit verbindlichen Aussagen noch zurück. Eine Absage ist bisher aber auch nicht zu hören. „Wir beschäftigen uns mit verschiedenen Versionen und überlegen, ob wir die Lindauer Hafenweihnacht auch in anderer Form stattfinden lassen können“, sagt Patricia Herpich von Stadt Lindau.

Bislang ist noch völlig unklar, ob es in rund drei Monaten ein heiteres Beisammensein zwischen Glühwein und Plätzchen in Lindau geben wird.
Bislang ist noch völlig unklar, ob es in rund drei Monaten ein heiteres Beisammensein zwischen Glühwein und Plätzchen in Lindau geben wird. | Bild: Stadt Lindau

Bei der Entscheidungsfindung warte man vorerst ab, welches Signal von der bayerischen Staatsregierung komme. „Schlussendlich wird ja dort entschieden, was gemacht werden darf und was nicht“, sagt Herpich. Und selbstverständlich spiele die Gesundheit der Gäste eine Rolle.

Statt um Glühwein, Plätzchen und Tannenduft geht es in diesem Jahr vor allem um Hygienekonzepte und Abstandsregeln, sollte es wie hier in Friedrichshafen wieder einen Weihnachtsmarkt geben.
Statt um Glühwein, Plätzchen und Tannenduft geht es in diesem Jahr vor allem um Hygienekonzepte und Abstandsregeln, sollte es wie hier in Friedrichshafen wieder einen Weihnachtsmarkt geben. | Bild: Marcel Jud

Auch in Friedrichshafen und Ravensburg steht die Entscheidung noch aus. Auf Anfrage antworten beide fast wortgleich. „Wir möchten nach den Sommerferien entscheiden, ob der Weihnachtsmarkt stattfinden kann. Das wird auch von den Vorgaben des Landes abhängen“, so Andrea Kreutzer von der Stadt Friedrichshafen. Und: „Wir warten auf die Fortschreibung der Corona-Verordnung nach den Sommerferien und erhoffen uns Auflagen des Landes ob, und in welcher Form Weihnachtsmärkte stattfinden können“, so Sandra Wirthensohn von der Stadt Ravensburg.

Überlingen: Unbeschwertheit ginge verloren

Deutlich direkter äußert sich Reinhard Haas, der Vorsitzender des Wirtschaftsverbundes Überlingen – dem Veranstalter des dortigen Weihnachtsmarktes, der in diesem Jahr abgesagt wird – in einer Mitteilung der Stadt: „Die anfallenden Auflagen und Abstandsregelungen machen eine unbeschwerte Durchführung des Weihnachtsmarktes auf der Hofstatt nicht möglich.“

Überlingen hofft auf einen Weihnachtsmarkt im Jahr 2021. Für dieses Jahr ist er abgesagt.
Überlingen hofft auf einen Weihnachtsmarkt im Jahr 2021. Für dieses Jahr ist er abgesagt. | Bild: Stadt Überlingen

Auch Jürgen Jankowiak, Geschäftsführer der Überlingen Marketing und Tourismus GmbH, bedauert die Absage: „Aber die aktuelle Situation lässt keine andere Entscheidung zu“, sagt er.

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