Es ist ein verregneter Montagmorgen und so versuchen die Schüler besonders schnell ins Trockene zu kommen. Eine Schülerin stockt irritiert vorm Seiteneingang der Stephan-Brodmann-Schule in Immenstaad. „Nur Ausgang“, ist an diese Tür zu lesen. Zum Eingang geht es rechts um die Ecke. Freundlich formulierte Schilder erinnern an Abstand und Maskenpflicht beim Betreten des Gebäudes.

Erinnerung an Abstand und Maskenpflicht

An den Türen der Schule hängen liebevoll gestaltete Zettel, die an die Abstandsregeln zu Coronazeiten erinnern.
An den Türen der Schule hängen liebevoll gestaltete Zettel, die an die Abstandsregeln zu Coronazeiten erinnern. | Bild: Lena Reiner

Es ist der erste Schultag der ersten Schulwoche zu fast normalen Bedingungen in Baden-Württembergs Grundschulen. Es gilt kein Mindestabstand mehr zwischen den Schülern, sie sind zurück in ihren gewohnten Klassenverbänden und die Regelung der Maskenpflicht liegt im Ermessensspielraum der jeweiligen Schulleitung. An der Stephan-Brodmann-Schule gilt sie lediglich an Engpässen, also beim Betreten und Verlassen des Gebäudes und beim Gang zur Toilette.

Leitsystem zum Betreten und Verlassen des Gebäudes

Hausmeister Siegfried Stocker hat akribisch Abstandsmarkierungen im gesamten Treppenhaus der Schule angebracht.
Hausmeister Siegfried Stocker hat akribisch Abstandsmarkierungen im gesamten Treppenhaus der Schule angebracht. | Bild: Lena Reiner

Markierungen als Leitsystem zum Betreten und Verlassen des Gebäudes sind akribisch angebracht; Pfeile weisen auf die Gehrichtung hin, Hütchen trennen die Gangrichtungen. „Das ist ein echtes Kunstwerk, was unser Hausmeister Herr Stocker da geschaffen hat“, kommentiert Schulleiter Burkhard Zapkau anerkennend. Eine alte Schulbank und eine Tafel mit Willkommenstext begrüßen die Kinder. Das Arrangement sei allerdings schon während der Zeit der Notbetreuung aufgestellt worden. Für neugierige Blicke sorgt es dennoch beim Hereinkommen.

Geräuschkulisse wieder wie gewohnt

Burkhard Zapkau, Schulleiter: „Ich bin froh, dass wir wieder einen fast normalen Schulalltag haben.“
Burkhard Zapkau, Schulleiter: „Ich bin froh, dass wir wieder einen fast normalen Schulalltag haben.“ | Bild: Lena Reiner

Mit einer Viertelstunde Entzerrung ist das Ankommen geregelt. Die Klassenlehrerinnen warten bereits oben in den Zimmern, so übernimmt Zapkau die Aufgabe, unten das Signal zum Einlass zu geben. Kurz darauf sitzen alle in ihren Klassenzimmern; mit ihren gewohnten Nebensitzern und ohne Maske. Beim Gang durchs Schulhaus zeigt sich der Schulleiter erfreut: „Die Geräuschkulisse ist jetzt wieder wie gewohnt. Während der Notbetreuung war es hier so still und leer.“

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Statt Sport zunächst Bewegungsangebote

Gleichzeitig sei er froh, dass nicht von Null auf Vollbetrieb hochgefahren worden sei. Nach den Pfingstferien hätten sie schrittweise zurückfinden können. Seit heute sei nun fast alles „fast normal“. Nur auf den gewohnten Sportunterricht müssten die Schüler weiterhin verzichten, es gebe stattdessen aber ein Bewegungsangebot. Im Musikunterricht heiße es außerdem: Singen verboten – „wegen der Aerosole“. Doch da gebe es genug Inhalte, die man dennoch vermitteln könne.

Gründliche Evaluation sinnvoll

Für die Zukunft erhoffe er sich, dass eine gründliche Evaluation dessen stattfinde, welche Maßnahmen inwieweit sinnvoll gewesen seien. „Das war ja für alle das erste Mal, dass wir es mit einer solchen Situation zu tun hatten. Da denke ich, dass das ausführlich bewertet und angeschaut wird.“ Auch innerhalb der Klassen stünde jetzt erst einmal eine Überprüfung an: „Da wird jetzt vor allem geschaut, wie der aktuelle Wissensstand der Schüler ist und inwieweit etwas an Stoff fehlt oder ob überhaupt etwas fehlt.“

Unterstützung von der Gemeinde

Für online: Die beschrieben Desinfizierstation.
Für online: Die beschrieben Desinfizierstation. | Bild: Lena Reiner

In den Klassenzimmern sieht es so aus wie immer; nur direkt vor den Klassenzimmern sieht man, dass die Pandemie noch nicht überstanden ist. Vor jedem Klassenzimmer ist eine Desinfizierstation für die Hände aufgebaut. „Wir haben uns für Spender entschieden, die pro Druck eine kleine Menge freigeben“, schildert Zapkau. Bei Flaschen zum Schütten habe die Sorge bestanden, dass die Kinder diese nicht richtig dosieren könnten: „Da muss ich die Gemeinde loben. Wir wurden wirklich unterstützt und haben alles schnell bekommen, was wir benötigen.“ Neben den Desinfektionsmittelflaschen steht eine Box Papiertücher, daneben ein Eimer zur Entsorgung selbiger. Die Kinder sind offensichtlich geübt in der Händedesinfektion: auch die Fingerzwischenräume werden nicht vergessen. Benutzt werden soll die Station etwa dann, wenn ein Kind von der Toilette zurückkommt.

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Froh über etwas mehr Normalität

Der siebenjährige Vinzent Haberstroh besucht derzeit die erste Klasse der Grundschule und ist an diesem ersten, fast normalen Schultag gut gelaunt nach Hause zurückgekommen. „Er hat mir als Erstes erzählt, dass er jetzt alle Fächer wieder hat; auch Reliunterricht“, schildert seine Mutter Katja. Sie sei froh, dass nun wieder so etwas wie Normalität in den Alltag einkehren könne, mag aber betonen, dass sie auch die Betreuung durch die Schule während der Pandemiezeit positiv erlebt hat: „Wir haben regelmäßig Elternbriefe erhalten mit den aktuellen Regelungen und Vinzents Klassenlehrerin hat sich sehr gut gekümmert.“ Natürlich sei es anstrengend gewesen.

Motivation zuhause auf Dauer schwierig

Vinzent habe anfangs noch motiviert zuhause gelernt, doch nach einer gewissen Zeit sei es schwieriger geworden, die Motivation habe abgenommen. „Er hatte sich als Erstklässler gerade erst an den Schulbesuch gewöhnt und wurde dann schon herausgerissen“, sagt Katja Haberstroh. Umso größer sei die Freude gewesen, als der Entschluss gefallen sei, dass er wieder die Schule besuchen dürfe und zwar ganz normal mit seiner gesamten Klasse. Zuvor habe eine Gruppeneinteilung gegolten. „Die war gut gemacht, da wurde auf die jeweiligen Freundeskreise Rücksicht genommen“, betont Katja Haberstroh.

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