Etwa eineinhalb Jahre haben die Verhandlungen gedauert. Dann war klar: Die Betz und Weber Baupartner GmbH aus Ravensburg investiert in das Hotel-Post-Areal in Heiligenberg. Ende Juli dieses Jahres erwarb sie das Gesamtareal in exponierter Lage von der Gemeinde. Im Jahr 2013 war das Hotel Post bereits abgerissen worden, jetzt sollen in fünf Neubauten ein Hotelkomplex, Wohnungen und Gewerbeeinheiten entstehen.

Bürgermeister Frank Amann und Alexander Weber nach der Vertragsunterzeichnung.
Bürgermeister Frank Amann und Alexander Weber nach der Vertragsunterzeichnung. | Bild: Privat

Grundlage sind nach wie vor die Ergebnisse aus der Planungswerkstatt Bürger, die in einen städtebaulichen und architektonischen Entwurf der Aldinger Architekten aus Stuttgart sowie einen darauf basierenden Bebauungsplan für das Gebiet mündeten.

Bauprojekt soll zu Heiligenberg passen

Dieser steht seit 2013. Bürgermeister Frank Amann sagt, er sei damals davon ausgegangen, dass es nur noch zwei Jahre dauere, bis das Areal neu genutzt wird. Nun sind 10 Jahre vergangen, seit die Gemeinde das Grundstück für 650 000 Euro gekauft hat – im Gemeinderat zu jenem Zeitpunkt eine nicht ganz unumstrittene Entscheidung. Denn: Der Kauf fiel nach Angaben Amanns in die Banken- und Finanzkrise 2009. „Doch es ist ein Filetgrundstück, das man so schnell nicht wieder kriegt“, erklärt der Bürgermeister.

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Die Gemeinde wollte, dass hier – in direkter Nähe zum Schloss – etwas entsteht, das zum Ort Heiligenberg passt. Laut einer Pressemitteilung sind dies fünf sogenannte Punkthäuser, die über eine Tiefgarage miteinander verbunden sind und aufgrund ihrer Stellung jeweils die Sicht auf den Bodensee und die Alpen gewähren. Durch die Qualifizierung des Areals als Mischgebiet ist die Voraussetzung für das Entstehen von Wohnraum, eines Hotels und Gewerbe gegeben.

Grundstück für 1,25 Millionen Euro verkauft

Der Kaufpreis für das 4160 Quadratmeter große Grundstück liegt bei 1,25 Millionen Euro, wie die Gemeinde mitteilt. Insgesamt beträgt das Projekt- und Investitionsvolumen demnach rund 15 Millionen Euro. Zwei Knackpunkte gab es in den Verkaufsverhandlungen: In Gebäude 1 und Teilen von Gebäude 2 ist das Hotel mit Gastronomie und einer Sky-Bar im obersten Stockwerk vorgesehen. Das Gastronomie-Angebot beinhaltet ein Restaurant und eine Aussichtsterrasse mit Bewirtung. Für das Hauptgebäude hat sich die Gemeinde ein Rückkaufrecht vertraglich zusichern lassen. Falls das Hotel nicht dauerhaft funktionieren sollte, „wollen wir nicht, dass es in exklusive Einzelwohnungen umgebaut wird“, berichtet Bürgermeister Amann. Die Gemeinde würde an dieser Stelle selbst über eine Weiter- beziehungsweise Umnutzung entscheiden wollen.

Eine Vermarktung der Fläche (Rasenfläche rechts unten im Bild) im Sinne der vom Gemeinderat und der Planungswerkstatt Bürger aufgestellten Richtlinien schien lange schwierig.
Eine Vermarktung der Fläche (Rasenfläche rechts unten im Bild) im Sinne der vom Gemeinderat und der Planungswerkstatt Bürger aufgestellten Richtlinien schien lange schwierig. | Bild: Gemeinde Heiligenberg

Zudem wurde schon relativ konkret über die Zugänglichkeit des Geländes für die Öffentlichkeit gesprochen, ebenfalls ein Wunsch aus der Bürgerbeteiligung. Geplant ist ein Rundweg um das gesamte Areal, der bestehende Heiligenberger Wanderwege verbindet. Den Rundweg entlang des Baugrundstücks wird die Gemeinde eigenen Angaben zufolge auf eigene Kosten realisieren.

Pläne für Hotel werden im Herbst vorgestellt

Schon vor zehn Jahren habe er von dem Grundstück gewusst, sagt Alexander Weber, der sogar für eine Besichtigung vor Ort war. Für die Betz und Weber Baupartner GmbH ist es das erste Hotel, das sie realisiert. Laut Weber wurden bereits vor über einem Jahr von der Hotelfachschule Luzern verschiedene Betriebskonzepte erarbeitet, „aus denen in mehreren Arbeitsgruppen gemeinsam mit der Gemeinde tragbare Lösungen entwickelt wurden“. Der regionale und überregionale Bedarf hinsichtlich eines Hotels in Heiligenberg sei erfasst worden. Im Herbst sollen die Ergebnisse den Bürgern vorgestellt werden.

Konzept: Haus für Wohnung in Zahlung geben

Die Wohnungen werden verkauft, für die Gewerbeeinheiten sind auch Mieter denkbar. Alexander Weber erläutert ein Konzept, das für Menschen interessant sein könnte, die sich im Alter räumlich verkleinern möchten. „Wir nehmen ihr Haus in Zahlung und sie können in die Anlage einziehen“, so der geschäftsführende Gesellschafter. In die Häuser sollen dann wiederum junge Familien einziehen. So ließen sich Flächen sparen, wie Bürgermeister Amann findet. Für die Gewerbeeinheiten wünschen sich Gemeinde und Investor Start-up-Unternehmen, Ärzte und Dienstleister im Allgemeinen. „Wir wollen den Bestand an Dienstleistern sichern und vielleicht konzentrieren“, sagt Amann, der sich Synergien innerhalb eines Gebäudes vorstellen kann – ähnlich denen eines Ärztehauses.

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Alle Belange von Denkmal- sowie Landschafts- und Naturschutz sind im Bebauungsplan verankert und auch hinsichtlich der Gestaltung hat der Gemeinderat „vorgearbeitet“, so der Bürgermeister. Die Höhen und Zufahrten sind definiert, um ein Beispiel zu nennen. Bezugsgröße für das Hotel, das das höchste der fünf Punkthäuser sein wird, ist Amann zufolge das Gebäude, in dem sich die Apotheke befindet. Für die Betz und Weber Baupartner GmbH geht die Arbeit indes erst richtig los. „Wir steigen jetzt richtig in die Projektplanung ein“, sagt Alexander Weber. Für die Gestaltung des Rundweges und der übrigen Außenanlagen wurden Verträge mit Landschaftsplaner Johann Senner aus Überlingen unterzeichnet und „auch der Architektenvertrag mit den Aldinger Architekten aus Stuttgart für die Gebäudeplanung“ ist abgeschlossen. Ziel ist es nun, ein Baugesuch auszuarbeiten, das bei den Behörden eingereicht werden kann. Ende 2020 könnte Baubeginn sein, wie Weber verrät. Parallel soll es immer wieder Informationsveranstaltungen für die Bürger geben.

Im Jahr 2009 kaufte die Gemeinde das Grundstück, im Oktober 2013 wurde das ehemalige Hotel Post dann abgerissen. Jetzt gehört das Areal der Betz und Weber Baupartner GmbH.
Im Jahr 2009 kaufte die Gemeinde das Grundstück, im Oktober 2013 wurde das ehemalige Hotel Post dann abgerissen. Jetzt gehört das Areal der Betz und Weber Baupartner GmbH. | Bild: Bernhard Conrads

Projekt zehn Jahre in der Mache

  • 2009: Die Gemeinde Heiligenberg erwirbt für 650 000 Euro das Grundstück, auf dem das Hotel Post steht, und kündigt bei der Entwicklung eine aktive Bürgerbeteiligung an.
  • 2010: Der Gemeinderat und die Planungswerkstatt Bürger durchdenken das Projekt. Bei einem Tag der offenen Tür werden die Pläne, Modelle und Kalkulationen vorgestellt.
  • 2011: Als Ergebnis wird eine Machbarkeitsstudie vorgestellt, die zur Aussage hat, dass das Projekt wirtschaftlich darstellbar ist.
  • 2012: Aus den Bewerbungen von drei Architekten geht das Planungsteam Jörg Aldinger und Klaus Meene als Gewinner hervor. Das Team legt zwei Vorentwürfe vor, von denen der Entwurf „Village“ breite Zustimmung findet. Der Gemeinderat beginnt in Zusammenarbeit mit der Planstatt Senner, einen neuen Bebauungsplan zu entwickeln.
  • 2013/2014: Der neue Bebauungsplan „Ortsetter – 5. Änderung“ wird durch Gemeinderatsbeschluss vom 25. Juni 2013 als Satzung beschlossen. Letztmalig kann das Hotel Post besichtigt werden.
  • 2016: Die Gemeinde informiert den Gemeinderat und die Planungswerkstatt in einer nichtöffentlichen Sitzung über den aktuellen Planungsstand und ein konkretes Nutzungskonzept eines Investors. Gemeinderat, Investor und Planungswerkstatt treffen sich erneut.
  • 2017: Der bisherige Favorit, die Firma Amplius, steht als Investor und Betreiber nicht mehr zur Verfügung. Es werden Gespräche mit neuen potenziellen Investoren geführt.
  • 2018: Klausurtagung des Gemeinderats, bei der die Betz und Weber Baupartner GmbH als Investor vorgestellt wird. Zudem Konkretisierung des Hotel-Konzepts und Verhandlungen über den Grundstückskauf.
  • 2019: Kaufvertrag wird Ende Juli unterzeichnet. (bc/san)