Viele Projekte sind abgeschlossen, manche stehen noch an. Beim Blick in die Zukunft bis 2020 nennt der Heiligenberger Bürgermeister Frank Amann im Bereich der Gemeindeentwicklung vor allem drei Projekte: die inhaltliche und bauliche Entwicklung des ehemaligen Hotel-Post-Areals, die Ausweisung und die Erschließung des neuen Baugebiets „Amalienhöhe II“ und die Entwicklung des Bereichs „Ziegelhalde“. Hier geht es sowohl um eine Wohnbebauung als auch um die Ansiedlung eines Nahversorgers.

Die Amalienhöhe II ist ein Baugebiet und die Entwicklung des ehemaligen Post-Areals sieht vor, „kleine, in einer geometrischen Ordnung in sich variierende Wohngebäude“ zu errichten, wie dem Konzept zu entnehmen ist, die „einen eigenständigen ‚Village’-Charakter“ schaffen und „die Dominanz der historischen Bauwerke insbesondere des Schlosses und des Schlossvorhofs“ dabei berücksichtigen. Der Entwurf sieht funf ähnlich aussehende, kubische Bauten mit geneigten Dächern vor, die räumlich so voneinander versetzt stehen sollen, dass von jedem Haus ein Blick ins Tal und auf den Bodensee oder die Silhouette der Alpen möglich ist. Die drei östlichen Baukörper stehen auf einem Sockel, der Funktionsräume und eine Tiefgarage beinhaltet. Die beiden westlichen Baukörper sind an den Sockel angelehnt und dadurch mit der Tiefgarage, welche uber eine Rampe von der Salemer Straße erschlossen wird, direkt verbunden. Fußläufig sind alle Gebäude vom Postplatz erreichbar. „Es ist ausdrücklicher Wunsch der Gemeinde Heiligenberg, eine Einrichtung mit einem Dienstleistungsangebot im Bereich Gesundheit oder Gesundheitsvorsorge zu verankern. Diese Nutzung soll durch unterschiedlichste Formen des Wohnens ergänzt werden.“

Heiligenberg wird nach Schätzung von Frank Amann bis 2020 hinsichtlich seiner Einwohnerzahlen wachsen – wenn auch moderat: „Wir haben gerade die 3000er-Marke geknackt“, sagt er. „Für 2020 rechne ich mit einem Zuwachs von maximal drei Prozent, also rund 3100 Einwohnern.“ Damit diese Platz finden, muss logischerweise gebaut werden. „Ich rechne für die kommenden vier Jahre mit rund 40 Neubauten“, sagt der Bürgermeister. Abrisse werde es hingegen kaum geben, der Trend gehe in Richtung Sanierung alter Substanz: „Die Umnutzung und Sanierung von bestehenden alten Bauernhöfen steht eher im Vordergrund als der Abriss.“

Wie sieht es mit öffentlichen Gebäuden aus? Sind neue große öffentliche Gebäude zu erwarten und wenn ja, welche? Frank Amann sieht hier wenig Handlungsbedarf und sagt: „Heiligenberg hat in diesem Bereich fast alles, was es braucht und dies auf gutem Niveau.“ Auf der Agenda der Gemeinde stehe allerdings noch die Planung und Realisierung eines neuen Feuerwehrgerätehauses in Heiligenberg. Zum Zeitfenster sagt Amann: „Dieses Projekt sollte in den kommenden fünf Jahren umgesetzt sein.“ Im Bewerb der Gewerbeansiedlung wird sich bis 2020 aber wohl noch einiges bewegen: „Wir haben 2016 das Bebauungsplanverfahren ‚Gewerbegebiet Further Öschle III’ im Teilort Hattenweiler erfolgreich abgeschlossen. Die Grundstücke haben wir 2015 erworben“, sagt Frank Amann. „Damit stehen mittelfristig rund 1,5 Hektar an Flächen zur Ansiedlung von Gewerbebetrieben zur Verfügung.“

Die Erschließung des Gebiets sei für 2018 geplant, „wir rechnen mit einer Vermarktung dieser Flächen in einem Zeitraum von sechs bis acht Jahren. Erfahrungsgemäß siedeln in Heiligenberg vor allem bereits ansässige Betriebe an. Größere Wirtschaftsansiedlungen sind daher nicht in Sicht und auch nicht geplant. Diesen Betrieben stehen ausreichend Gewerbeflächen in Salem, Pfullendorf oder Owingen zur Verfügung.“

Frank Amann will bei allem Ausblick auch den Rückblick nicht missen: „Die Gemeinde Heiligenberg hat in den Jahren 1998 bis 2007 zahlreiche Maßnahmen im Ortskern von Heiligenberg durchgeführt und damit die Gemeindeentwicklung nachhaltig und positiv geprägt“, sagt er.

In der Sanierung der charakteristischen Ortsmitte habe man eine Chance gesehen, das Gesicht der Gemeinde behutsam, aber entscheidend zu verändern und damit auch eine wichtige Grundlage für die zukünftigen Entwicklungen zu schaffen. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden zahlreiche Maßnahmen ergriffen: die Sanierung des ehemaligen Schulhauses zum Rathaus in den Jahren 1998 bis 1999; die Neugestaltung des historischen Postplatzes 2001; die Neuanlage eines Parkplatzes mit rund 130 PKW-, Wohnmobil- und sechs Busparkplätzen; die Umgestaltung der Schulstraße und die Schaffung einer Platzsituation in den Jahren 2001 bis 2004; die Umnutzung und Sanierung der Gebäude Schulstr. 1 und 1b – jetzt „Sennhof am Schloss“ und Aller Art Kunst und Werk (2002 – 2004); die Sanierung des Alten Rathauses zum Vereinshaus, ebenfalls in den Jahren 2002 bis 2004. Und schließlich die Sanierung des Alten Schulhauses.

„Die Gesamtkosten der Maßnahmen lagen bei rund 6 Millionen Euro, an öffentlichen Fördermitteln erhielt die Gemeinde rund 2,9 Millionen Euro, davon rund 1,8 Millionen Euro aus dem Landessanierungsprogramm.“ Auch in den Teilorten Wintersulgen und Hattenweiler habe man in den vergangenen Jahren investiert, um das Leben dort so attraktiv wie möglich zu gestalten.

Einfach sei der Weg nicht. Dann gelte es, bei den Planungsüberlegungen die Restriktionen durch gesetzliche Regelungen und Fachbehörden abzuarbeiten. Da braucht es Geduld und Überzeugungskraft. Das ist das „Bohren von ganz dicken Brettern“, sagt Frank Amann. Und drittens gelte es, die Bürger frühzeitig in Erwerbs- und Planungsprozesse einzubinden. "Diese Diskussionen sind bereichernd, vor allem dann, wenn im Prozesse neue, unerwartete Potenziale und Perspektiven aufgezeigt werden.“

Die Serie

Die Serie Heimat 2020 geht weiter. Zum Abschluss werfen wir im Gespräch mit den Rathauschefs noch einmal einen vertiefenden Blick in die Zukunft ihrer Gemeinde. SÜDKURIER-Redakteur Stefan Hilser ergänzt die Serie mit einem Fotoprojekt: Aus dem Flugzeug heraus begab er sich auf die Suche nach besonderen Perspektiven und fotografierte im 180-Grad-Winkel. Während Pilot Gerhard Plessing das Flugzeug in Schräglage lenkte, hielt der Fotograf die Kamera aus dem Fenster.

Die Herkunft des Namens „Heiligenberg“ ist unklar, wie auf der Homepage der Gemeinde nachzulesen ist. Möglicherweise kommt der Name von einer vorchristlichen Kultstätte, die sich entweder bei der heutigen Gerichtslinde (auf dem Postplatz) befand oder auf dem „Altheiligenberg“. Vielleicht wurde der Name auch erst um 600 gebräuchlich, als vermutlich ein christliches Heiligtum die germanische Opferstätte ablöste. Urkundlich erwähnt wurde der „mons sanctus“ (der heilige Berg) zum ersten Mal im Jahre 1083.

Mitte des 13. Jahrhunderts bauten die Landgrafen von Heiligenberg das heutige Schloss. Durch Verschuldung kam die Burg 1277 an die schweizerischen Werdenberger (Buchs). Von 1277 bis 1535 hatten sie die Linzgaugrafschaft inne. 1516 heiratete Friedrich zu Fürstenberg Anna, die Tochter des letzten Grafen von Werdenberg-Heiligenberg, Christoph. Damit kam Heiligenberg an die Fürsten zu Fürstenberg.