Ein Hochhaus am Ende der Friedrichstraße? Was 2012 als „Hochpunkt“ Eingang in den Rahmenplan fand, steht aktuell schwer in der Kritik. Das Netzwerk für Friedrichshafen, seit 2019 im Gemeinderat, wollte diese Pläne am Montagabend beerdigen lassen – ohne Erfolg. Die Mehrheit lehnte den Antrag ab.

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Damit ist der Weg wieder frei für den Fahrplan der Grundstückseigner, der OS2K Projekt GmbH aus Friedrichshafen. Dahinter stehen Wolfgang Kleiner aus Ravensburg sowie die Häfler Michael Kling und Architekt Daniel Oberschelp, der zugleich CDU-Gemeinderat ist. Aus diesem Grund rückte er auch am Montag bei diesem Tagesordnungspunkt vom Ratstisch weg.

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„Klar braucht Friedrichshafen Wohnungen“, sagt Geschäftsführer Michael Kling. Doch vielmehr brauche die Friedrichstraße eine Aufwertung. Drei Jahre hätten sie nach dem richtigen Konzept gesucht. Das steht: Sie wollen auf dem Areal des früheren Schlossgarten-Hotels ein neues Hotel bauen, „ohne eine Bettenburg daraus zu machen“, so Kling. Und nicht irgendeins: Partner ist die Lindner Hotels AG aus Düsseldorf, die hier ein „me and all“-Hotel betreiben will.

Das „me and all“-Hotel in Ulm direkt am Bahnhofsplatz – hier ein Projektbild – steht kurz vor seiner Eröffnung. Es hat 147 Zimmer.
Das „me and all“-Hotel in Ulm direkt am Bahnhofsplatz – hier ein Projektbild – steht kurz vor seiner Eröffnung. Es hat 147 Zimmer. | Bild: DC Development

Dahinter steckt eine junge, erst 2015 gegründete Marke, die eigentlich auf Großstädte zugeschnitten ist. Vier Hotels davon gibt es aktuell, in Düsseldorf, Mainz, Kiel und Hannover. Vier weitere in Düsseldorf, Ulm, Leipzig und im berühmten Bonatzbau am Stuttgarter Hauptbahnhof sind vertraglich wasserdicht.

Ein Hotel für Gäste und Einheimische?

Friedrichshafen könnte eins der nächsten Projekte sein, bestätigt Catherine Bouchon, Sprecherin der Linder Hotels AG. Das Grundstück und die Zeppelinstadt bieten alles, was für „me and all“-Hotels wichtig sei: eine zentrale Citylage nahe dem Bahnhof, durch Messe und Großbetriebe viele Geschäftsreisende und noch mehr Touristen, denen der See fast zu Füßen liegt.

Die Friedrichstraße in der Draufsicht auf das Modell: Rechts der Neubau des „Lukullum“ samt Hotel, links das Hochhaus, das ebenfalls ein Hotel werden soll.
Die Friedrichstraße in der Draufsicht auf das Modell: Rechts der Neubau des „Lukullum“ samt Hotel, links das Hochhaus, das ebenfalls ein Hotel werden soll. | Bild: OS2K Projektentwicklung

Doch nicht deswegen hätten sie sich unter rund 40 Bewerbern aus der Hotellerie für dieses Konzept entschieden, sagt Michael Kling. Das Haus im Drei-bis-vier-Sterne-Niveau soll auch den Häflern offen stehen – als neuer Ort für Events und Unterhaltung, wo zwei bis drei Mal pro Woche abends etwas geboten ist, und zwar gratis.

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Rund 150 000 Euro lasse es sich der Betreiber pro Jahr kosten, bis zu 150 Veranstaltungen abends in der Lounge samt Bar anzubieten – von Musik über Kunst, Kultur bis zum Sport. „Wir wollen Friedrichshafen bereichern“, sagt Daniel Oberschelp. Lokale Künstler und Musiker sollen hier spielen, vielleicht ausstellen, DJs auflegen können. Zum Konzept gehören auch „local heroes“: Vereine, Kreative, regionale Erzeuger, Studenten oder Kulturschaffende sollen sich „im neuen Wohnzimmer im ‚Hafen‘“ präsentieren können, so die Offerte im PR-Stil. Auch die begrünte Dachterrasse mit Bar soll öffentlich zugänglich sein.

Unter 150 Zimmer macht es „me and all“ nicht

Um dieses Konzept zu finanzieren, sei eine gewisse Anzahl an Zimmern nötig, sagt Daniel Oberschelp. Weniger als rund 150 Zimmer hat keins der anderen acht „me and all“. Will heißen: Nur in einem Hochhaus lässt sich dieses Raumprogramm unterbringen. Zwölf Geschosse und rund 40 Meter Höhe hat der – rechtlich unverbindliche – Rahmenplan grob markiert. Mit einer Grundfläche von 35 auf 15 Meter gleicht dieser „Hochpunkt“ seit der Überarbeitung des Rahmenplans 2019 inzwischen eher einem kräftigen Gebäude-Riegel.

Scharfer Gegenwind für Hochhaus-Pläne

Kritiker nennen den Bau „Klotz“, der Häuser im Wohnquartier in den Schatten stellt, Verkehrsprobleme an der 80-Grad-Kurve und eine hässliche Straßenschlucht erzeugt. Er habe das alles im Groben geprüft, sagt Architekt Oberschelp. „Maximal drei Wohnhäuser sind tatsächlich von einer zusätzlichen Verschattung betroffen.“ Die Einfahrt zur Tiefgarage ist an der Längsseite des Baus geplant, weit vor der Kreuzung. Und er sei guter Hoffnung, dass beim Architektenwettbewerb, den nun ausgelobt werden soll, Hochhaus- und Fassadenentwürfe dabei sind, die auch optisch sehr ansprechend sind. Räumlich soll das neue Gebäude nach Osten versetzt werden, sodass zwischen Hochhaus und dem Nachbargebäude eine Art Vorplatz entsteht, den man einladend gestalten kann. Und Platz für einen ordentlichen Fuß- und Radweg an der Stelle schafft.

Wie groß wäre der „Hochpunkt“ an der Friedrichstraße auf dem Schlossgarten-Areal im Vergleich zur Umgebung-Bebauung tatsächlich? Dieses Modell der Grundstückseigner soll das besser verdeutlichen als die im Rahmenplan eingezeichneten Klötze. Der Eingang soll übrigens an der Stirnseite des Hochhauses sein.
Wie groß wäre der „Hochpunkt“ an der Friedrichstraße auf dem Schlossgarten-Areal im Vergleich zur Umgebung-Bebauung tatsächlich? Dieses Modell der Grundstückseigner soll das besser verdeutlichen als die im Rahmenplan eingezeichneten Klötze. Der Eingang soll übrigens an der Stirnseite des Hochhauses sein. | Bild: OS2K Projektentwicklung

Aber noch ein Hotel? Einen Verdrängungswettbewerb gebe es in Friedrichshafen nicht, sagt Michael Kling. Ganz im Gegenteil: Firmen wie ZF oder die Messe wünschten sich ein Hotel im Stil des „me and all“, noch dazu mit flexibel nutzbaren, eher kleineren Konferenzräumen, mit Arbeitsplätzen im Co-Working-Space. „Ein bisschen Großstadtgefühl in Friedrichshafen„, fasst Daniel Oberschelp zusammen und hofft, dass das bei den Häflern auch gut ankommt.

Bauausschuss ist seit November informiert

Bleibt die Frage, warum die Projektentwickler so lange mit ihren Plänen hinter dem Berg gehalten haben. „Wir wären gern früher an die Öffentlichkeit gegangen“, sagt Michael Kling. Aber man habe sich an die Absprachen mit der Stadtverwaltung gehalten. Auf Nachfrage bestätigen beide, dass die Pläne bereits im November dem Bauausschuss hinter verschlossenen Türen präsentiert wurden und Ende 2020 öffentlich im Gemeinderat gezeigt werden sollten. Dann lag der Antrag des Netzwerks auf dem Tisch. Mit anderen Worten: Die Gemeinderäte wissen nicht erst seit der Abstimmung am Montagabend, was konkret Michael Kling und seine Partner auf diesem Grundstück vorhaben. Ab dem 1. März soll das Konzept auf der am Montag freigeschalteten Internetseite unter http://www.neuer-schlossgarten.de abrufbar sei.

Noch gibt es kein Baurecht für ein Hochhaus, egal ob mit sechs oder zwölf Geschossen. Das will die OS2K Projekt GmbH über einen Vorhaben- und Erschließungsplan auf den Weg bringen, dem der Architektenwettbewerb vorgeschaltet ist. Am Ende entscheidet also der Gemeinderat.