Für hitzige Diskussionen sorgte Tagesordnungspunkt sechs bei der Gemeinderatssitzung am Montag. Der Stein des Anstoßes: Der Antrag des Netzwerkes für Friedrichshafen, einen „Hochpunkt„, also den Bau eines Hochhauses auf dem ehemaligen Schlossgarten-Areal zu verhindern.

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Philipp Fuhrmann trat geradezu leidenschaftlich für seine Position ein, dieses Ansinnen müsse unbedingt verhindert werden. Von den Rängen des Hugo-Eckener-Saals zeigten viele Bürger immer wieder ihre Zustimmung zu Fuhrmanns Ausführungen, die allerdings die Ratsmehrheit am Ende nicht überzeugen konnte.

Philipp Fuhrmann
Philipp Fuhrmann | Bild: Cuko, Katy

Netzwerk kritisiert Hochhaus als schädlich und kontraproduktiv

Fuhrmann warnte eindringlich davor, einen solchen Hochpunkt zu realisieren. „Ein solcher Bau wäre schädlich und kontraproduktiv und würde Quartier und die Stadt nachhaltig schädigen“, so Fuhrmann. Auch in der Fernwirkung, etwa vom See aus, sei ein solches „gewaltiges Hochbauwerk“ verheerend, dazu werde es Verkehrsprobleme geben und sei auch aus ökologischer Perspektive Unsinn.

Baubürgermeister Stefan Köhler erinnert an Nachverdichtungs-Forderungen

Baubürgermeister Stefan Köhler reagierte außerordentlich gereizt auf die langatmige Rede Fuhrmanns. „Chapeau, wie Sie sich für Ihr eigenes Wohnquartier einsetzen“, sagte Köhler, wohlwissend, dass der Netzwerk-Mann nur einige hundert Meter Luftlinie vom Schlossareal entfernt wohnt. Köhler kritisierte, dass das Netzwerk sich immer für Nachverdichtung eingesetzt habe, aber nun plötzlich etwas dagegen habe. „Es geht einzig und allein darum, hier den Rahmenplan abzusegnen, der schon seit 2012 einen Hochpunkt vorsieht“, mahnte Köhler.

Bislang nur auf dem Papier: Im Rahmenplan Friedrichstraße ist an der Stelle des Schlossgartens ein Hochhaus eingezeichnet – als Vorschlag.
Bislang nur auf dem Papier: Im Rahmenplan Friedrichstraße ist an der Stelle des Schlossgartens ein Hochhaus eingezeichnet – als Vorschlag. | Bild: Stadtverwaltung/Wick+Partner

Auch Oberbürgermeister Andreas Brand griff in die Diskussion ein. „Hier geht es um die Frage, was wir städtebaulich für vertretbar halten“, sagte er. Das müsse am Ende jeder für sich entscheiden.

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Kritik am Netzwerk von den meisten Fraktionen

Bei den Fraktionserklärungen wurde es dann ziemlich emotional. Hannes Bauer (CDU) kritisierte den Antrag des Netzwerkes scharf. „Die Gemüter erhitzen sich an einem 40 Meter hohen Turmgebäude – uns liegt aber bisher gar keine Planung vor, über die man sich aufregen könnte“, so Bauer, wohlwissend, dass dem PBU bereits im November eine Grobplanung vorgelegt worden war. Ein Hochpunkt am Ende der Friedrichstraße sei, so Bauer, ein „unverzichtbarer Schritt der Häfler Stadtentwicklung“, im übrigen könne der Gemeinderat im weiteren Verfahren ja noch eingreifen, falls ein Neubau zu groß oder zu üppig ausfalle.

Hannes Bauer
Hannes Bauer | Bild: Hannes Bauer

SPD warnt vor Attacken auf demokratische Gepfogenheiten

Heinz Tautkus nutzte seine Redezeit, um das Netzwerk grundsätzlich scharf zu kritisieren. „Die Antragsattacken Ihrer Fraktion und die Rigorosität, mit der Sie versuchen, den Rahmenplan zu verhindern, beschädigen unsere demokratischen Gepflogenheiten“, sagte Tautkus in Richtung Fuhrmann. Demokratie bedeute, Argumente und Gegenargumente gegeneinander abzuwägen. „Hier wird einem ja fast das Recht, selbst zu überlegen und zu entscheiden, abgeschnitten“, regte sich der SPD-Mann auf.

Heinz Tautkus
Heinz Tautkus | Bild: Bild: privat

Maren Schwarz-Erfurth machte auf das grundsätzliche Dilemma bei dieser Frage aufmerksam, die auch ihre Fraktion spalte. „Es geht hier um die Frage, ob Innenverdichtung an dieser Stelle besser ist, als eine Außenverdichtung.“

Maren Schwarz Erfurth
Maren Schwarz Erfurth | Bild: SK

Spitzen gegen Baubürgermeister Stefan Köhler

Philipp Fuhrmann ließ die Kritik nicht auf sich sitzen: „Wir plädieren dafür, einen Bebauungsplan für ein ganzes Quartier aufzustellen, statt einen vorhabenbezogenen.“ Danach schoss er noch einen Pfeil in Richtung von Baubürgermeister Stefan Köhler ab, der gestern seinen Abgang Ende Juni verkündet hatte. „Vielleicht gibt es dann ja endlich einen Paradigmenwechsel, was die städtebaulichen Grundsätze in Friedrichshafen betrifft“, so Fuhrmann.

Am Ende waren es nur die Fraktionsmitglieder der ÖDP und einige Grüne, die sich der Meinung des Netzwerks anschlossen, dass ein Hochpunkt an dieser Stelle die falsche Entscheidung sei. Mit zwölf Gegenstimmen wurde das Ansinnen des Netzwerkes abgelehnt.

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