Ist ein Hochhaus mit zwölf Geschossen und einer Höhe von 40 Metern auf dem Schlossgarten-Areal an der Friedrichstraße städtebaulich topp oder ein Flop? Der Ratsausschuss für Planen, Bauen und Umwelt (PBU) war darüber am Dienstagabend geteilter Meinung. Jedenfalls wurde der Antrag des Netzwerks, die Hochhaus-Pläne ein für allemal zu beerdigen, mit der Mehrheit von acht zu sechs Stimmen abgelehnt. Das letzte Wort spricht am nächsten Montag allerdings der Gemeinderat.

Im Rahmenplan Friedrichstraße sah das Architekturbüro einen „Hochpunkt“ als städtebaulich sinnvoll an, der allerdings noch deutlich schmaler in den Entwürfen stand. Archivbild: Stadtverwaltung/Wick+Partner
Im Rahmenplan Friedrichstraße sah das Architekturbüro einen „Hochpunkt“ als städtebaulich sinnvoll an, der allerdings noch deutlich schmaler in den Entwürfen stand. Archivbild: Stadtverwaltung/Wick+Partner | Bild: Ambrosius, Andreas

Dieser „Hochpunkt„ sei mit einem Grundriss von 30 mal 15 Metern eher ein „Kasten“ mit einem doppelt so großen Volumen wie der Citytower. Solch einen Bau halte er an dieser Stelle für „städtebaulich daneben“, begründete Philipp Fuhrmann den Antrag seiner Fraktion.

Für Hochhaus fehlt noch Baurecht

Ein eher turmartiger Zwölfgeschosser wurde 2012 als westliches Pendant zum Orion-Hochhaus im Osten der Innenstadt in den Rahmenplan für die Friedrichstraße aufgenommen und vor einem Jahr vom Gemeinderat so auch bestätigt. Der beschreibt allerdings „nur“ Möglichkeiten der städtebaulichen Entwicklung. Rechtsverbindlich ist der Rahmenplan nicht. Will heißen: Für ein Hochhaus an dieser Stelle müsste erst Baurecht geschaffen werden.

Philip Fuhrmann vom Netzwerk für Friedrichshafen: „Die Türme der Schlosskirche werden kannibalisiert.“
Philip Fuhrmann vom Netzwerk für Friedrichshafen: „Die Türme der Schlosskirche werden kannibalisiert.“ | Bild: SK

Dem Netzwerk und Philipp Fuhrmann geht es allerdings nicht nur um die Optik, auch wenn er diebezüglich ebenfalls nicht mit Kritik sparte. Statt als „Tor“ zur Kernstadt wirke die Einfahrt mit dem wuchtigen Hochhaus dann eher wie eine Schlucht. „Die Türme der Schlosskirche werden kannibalisiert“, suchte er mit einer Skizze die Größenverhältnisse sichtbar zu machen. Das Wahrzeichen der Stadt im Westen dürfe durch ein Hochhaus auf dem Schlossgarten-Areal nicht bedrängt werden.

Das Hotel Schlossgarten ist derzeit ans Landratsamt vermietet und wird vom Land als Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete genutzt.
Das Hotel Schlossgarten ist derzeit ans Landratsamt vermietet und wird vom Land als Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete genutzt. | Bild: Ambrosius, Andreas

Als weitere Kritikpunkte nannte Philipp Fuhrmann die Verkehrssituation. Eine Tiefgaragenzufahrt in der 80-Grad-Kurve funktioniere nicht, stellte er in den Raum. Außerdem würden mit einem Hochhaus „alle Gebäude östlich davon in der Versenkung verschwinden“. Nicht zuletzt sei wichtig, was auf dem Grundstück entstehen soll. Für etwas anderes als Wohnungen sollte man an dieser Stelle nicht „das Stadtbild entstellen“. Kurzum: Dieses Grundstück sei der falsche Ort für ein Hochhaus.

„Auf dem eingeschlagenen Weg bleiben“

„Hochhäuser sind per se kein Offenbarungseid für Stadtplaner“, plädierte hingegen Heinz Tautkus (SPD) dafür, auf dem eingeschlagenen Weg zu bleiben. Wenn an der Stelle ein Hochpunkt gebaut wird, dann müsse der aber höchsten architektonischen Ansprüchen gerecht werden. Er erwarte einen Wettbewerb mit führenden Architekten Europas.

So groß käme das Hochhaus am Ende der Friedrichstraße heraus, wenn man etwa auf Höhe des Stadtbahnhofs steht.
So groß käme das Hochhaus am Ende der Friedrichstraße heraus, wenn man etwa auf Höhe des Stadtbahnhofs steht. | Bild: Wick&Partner

Die Grünen allerdings sind sich uneins, ob ein Hochhaus an der Stelle der Weisheit letzter Schluss ist. „Geschmäcker sind verschieden“, befand Ulrich Heliosch, der als Einziger seiner Fraktion den Netzwerk-Antrag mit ablehnte. Man sollte sich nicht schon vorher den Weg verbauen. Auch für ihn sei aber auch die künftige Nutzung ein wichtiger Faktor. Wohnen sei „ein Dafürpunkt“.

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Aus Sicht der Stadt habe sich an der Sachlage nichts geändert, erklärte Klaus Sauter, Chef des Stadtplanungsamts. Deshalb empfehle die Verwaltung, den Netzwerk-Antrag abzulehnen. Was der Eigentümer des Grundstücks damit vorhabe, sei „unabhängig davon zu sehen“, so Sauter, und Gegenstand eines eigenen Verfahrens.

Netzwerk mahnt geordnete Stadtplanung an

Genau dieses Vorgehen kritisierte Philipp Fuhrmann am Ende der Diskussion jedoch scharf. Die Stadtplanung müsse „endlich wieder auf die Füße gestellt werden“ und sich überwiegend um Bebauungspläne kümmern. „Wir können nicht nach Wild-West-Manier weiter machen und den Projektträgern Spezialpläne stricken“, forderte er. Dieses Quartier sei bestens geeignet, damit anzufangen.