Die „Hauptperson“ fehlte: Kurz bevor Klinikums-Sprecherin Susann Ganzert die Gäste begrüßen konnte, flog „Christoph 45“ zum Einsatz. Bloß gut, dass Chefarzt Dr. Volker Wenzel den Rettungshubschrauber im Miniatur-Format auf Sperrholz hat nachbauen lassen. Darauf war genug Platz, um die maßgebliche Zahl zu verkünden: 30 061 Unterstützer haben die Online-Petition „Christoph 45 bleibt hier“ unterschrieben, darunter 26 886 Baden-Württemberger – weit mehr, als das Quorum verlangt hat. Mit diesem Ergebnis im Rücken hat das Klinikum am Dienstag eine Petition beim Landtag in Baden-Württemberg eingereicht.

30 061 Unterschriften hat Volker Wenzel mit Unterstützung Vieler für den Erhalt des Rettungshubschrauber-Standorts am Klinikum Friedrichshafen gesammelt.
30 061 Unterschriften hat Volker Wenzel mit Unterstützung Vieler für den Erhalt des Rettungshubschrauber-Standorts am Klinikum Friedrichshafen gesammelt. | Bild: Cuko, Katy

Vor etwa einem Jahr kam das Luftrettungs-Gutachten „still und leise“ heraus, in dem ein neuer Standort für „Christoph 45“ empfohlen wurde, erinnerte sich Klinikum-Geschäftsführerin Margita Geiger. „Da schlug Dr. Wenzel erst die Hände über dem Kopf zusammen und dann bei mir auf“, sagte sie. Binnen Sekunden seien sie sich einig gewesen: „Christoph 45 bleibt hier, das ist unser Antrieb“, so Geiger. Nach langer Vorarbeit startete am 6. Januar die Petition, initiiert von Volker Wenzel und Susann Ganzert. Dass es jetzt über 30 000 Unterstützer geworden sind, nannte Margita Geiger „ganz famos“. Diese Menschen hätten erkannt, wie wichtig das Anliegen sei.

Die DRF-Luftrettungsstation in Friedrichshafen ist direkt am Klinikum Friedrichshafen.
Die DRF-Luftrettungsstation in Friedrichshafen ist direkt am Klinikum Friedrichshafen. | Bild: DRF Luftrettung
„Das Innenministerium plant, Millionen auszugeben, um die medizinische Versorgung am Bodensee schlechter zu machen.“
Volker Wenzel

„Das Innenministerium plant, Millionen auszugeben, um die medizinische Versorgung am Bodensee schlechter zu machen“, sagt Volker Wenzel. Die Argumente sprächen gegen eine Verlegung des Rettungshubschraubers um sieben bis maximal 13 Kilometer nördlich, was zwei bis vier Flugminuten ausmache. „Bisher konnte sie niemand widerlegen.“ Der Chefarzt der Notärzte dankte allen voran Oberbürgermeister Andreas Brand, der das Klinikum bei dieser Aktion immer unterstützt habe. Der OB seinerseits bedankte sich bei dem Mediziner für dessen „fulminantes Engagement“. Jetzt sei die Politik gefordert, so Brand. So erwarte er auch vom Landesgesundheitsminister Manne Lucha (Grüne), dass er Position beziehe.

Sie alle haben für den Erhalt des Rettungshubschrauber-Standorts in Friedrichshafen Stimmen gesammelt oder sich dafür eingesetzt (von links): Uschi Engelen aus Immenstaad, Bettina Kaupert (MCB), Manuel Mauch (Ailingen), Bastian Lochbühler (Salem), Dirk Thiele mit seiner Frau (Oberteuringen), Klinikchefin Margita Geiger, Prof. Volker Wenzel mit seinen Töchtern Anna und Klara, Monika Gesell (Meckenbeuren), OB Andreas Brand und Klinikum-Geschäftsführer Franz Klöckner.
Sie alle haben für den Erhalt des Rettungshubschrauber-Standorts in Friedrichshafen Stimmen gesammelt oder sich dafür eingesetzt (von links): Uschi Engelen aus Immenstaad, Bettina Kaupert (MCB), Manuel Mauch (Ailingen), Bastian Lochbühler (Salem), Dirk Thiele mit seiner Frau (Oberteuringen), Klinikchefin Margita Geiger, Prof. Volker Wenzel mit seinen Töchtern Anna und Klara, Monika Gesell (Meckenbeuren), OB Andreas Brand und Klinikum-Geschäftsführer Franz Klöckner. | Bild: Cuko, Katy

Zum Abschluss der ungewöhnlichen Aktion waren am Dienstagabend einige der Menschen eingeladen, die in den vergangenen sechs Monaten für die Petition geworben und hunderte Unterschriften gesammelt hatten. So Monika Gesell aus Meckenbeuren, die mit ihren Listen unterwegs war. Oder Uschi Engele aus Immenstaad, die allein 750 Unterschriften zusammen bekommen hatte. Bastian Lochbühler aus Salem hatte im Reitstall die Trommel gerührt, Manuel Mauch von der Postagentur Ailingen steuerte allein 1500 Unterschriften bei. Stellvertretend für das Engagement der Gemeinden im Bodenseekreis bedankte sich Wenzel beim Langenargener Bürgermeister Ole Münder, der aus der „Sonnenstube“ über 1000 Unterstützer für die Petition gewinnen konnte.

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Für „Christoph 45“ machte aber beispielsweise auch der Stadtverkehr Friedrichshafen Platz für Plakate in seinen Bussen. Die Messe stellte die große Werbetafel an der B 31 beim Landratsamt kostenlos zur Verfügung, der Landkreis legte im Kreisimpfzentrum die Postkarten aus. Feuerwehren, Rettungsdienste und die DLRG sammelten Unterschriften genauso wie Facebook-Gruppen und viele weitere Einzelpersonen. Selbst in den Nachbarlandkreisen schlossen sich Bürger der Forderung an, den Rettungshubschrauber am Klinikum Friedrichshafen stationiert zu lassen – fast 3000 in den Kreisen Ravensburg, Konstanz und Lindau.