„Schauen Sie sich das an“, sagt Claudia Schmid und deutet auf zwei Lastwagen, die sich gerade auf der Ortsdurchfahrt in Schnetzenhausen begegnen, „die kommen kaum aneinander vorbei.“ Immer wieder würden Fahrzeuge in solchen Situationen sogar auf den Gehweg ausweichen. „Das kann vor allem für Fußgänger und Radfahrer gefährlich werden“, ergänzt Claudia Benz.

„Stadt sollte durch die B 31-neu doch entlastet werden“

Claudia Benz betreibt an der Ortsdurchfahrt ihren Friseursalon, auf der anderen Straßenseite lebt und arbeitet Claudia Schmid. Beide Frauen haben in den vergangenen Monaten festgestellt, dass insbesondere der Schwerlastverkehr in Schnetzenhausen deutlich zugenommen hat. Auch viele Autofahrer würden die Strecke durch den Ort nutzen. „Dabei sollte die Stadt – und dazu gehören schließlich auch die Ortsteile – durch die B 31-neu doch entlastet werden“, kritisiert Claudia Benz.

Video: Claudia Schmid

In Fischbach sei es an der Ortsdurchfahrt seit der Eröffnung der B 31-neu sowie der Reduzierung auf Tempo 30 'herrlich ruhig', sagt Claudia Benz. Dafür habe sich der Verkehr jetzt auf die umliegenden Strecken und damit auch nach Schnetzenhausen verlagert. „Hier macht sich außerdem bemerkbar, dass viele Autofahrer nach wie vor das B-31-Nadelöhr Hagnau umfahren wollen. Die fahren durch Schnetzenhausen und biegen am Kreisverkehr in Richtung Markdorf ab.“

Bild: Schönlein, Ute

Claudia Schmid fragt sich vor allem: „Warum müssen hier riesige Lastwagen durchfahren.“ Schnetzenhausen sei ein Dorf, die Straßen seien für solche Fahrzeuge viel zu schmal. „Auf dem Gehweg neben der Fahrbahn sind ältere Menschen und Kinder unterwegs. Das ist saugefährlich, wenn die Fahrzeuge hier – oftmals auch mit zu hoher Geschwindigkeit – durchrauschen“, sagt sie. Wenn ihre beiden Enkelkinder zu Besuch sind, sei sie ständig in Sorge. „Oft genug haben wir auch schon Fahrradunfälle direkt vor unserer Haustür erleben müssen“, betont Claudia Schmid.

Die beiden Frauen wollen darauf aufmerksam machen, wie eng es auf der Fahrbahn oft zugeht. Das habe auch Auswirkungen auf Fußgänger und ...
Die beiden Frauen wollen darauf aufmerksam machen, wie eng es auf der Fahrbahn oft zugeht. Das habe auch Auswirkungen auf Fußgänger und Radfahrer. | Bild: Fabiane Wieland

Claudia Schmid hat Beschwerden gesammelt

Die Verkehrssituation treibt auch Nachbarn und Gäste um, einige haben sich mit ihren Sorgen an die Stadt gewandt, Claudia Schmid hat die E-Mails gesammelt und deutet auf einige Passagen. „Hier beschreibt die Mutter eines Kleinkinds eine brenzlige Situation auf dem sehr schmalen Gehweg neben der Fahrbahn. Und hier geht es darum, wie Dorfbewohner und Feriengäste inzwischen unter der Lautstärke und der Verkehrsbelastung leiden.“

Die Geräuschkulisse sei selbst im Gebäude enorm, so Claudia Schmid. Bei offenem Fenster zu schlafen oder gemütlich im Garten zu sitzen – „eigentlich unmöglich“, sagt sie. Feriengäste seien selbst nachts schon oft durch „vorbeirumpelnde Lastwagen aufgeschreckt worden“, denn durch den B-31-Baustellenverkehr sei die Straße zusätzlich beschädigt worden. „Und das macht alles noch lauter.“

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Die Verkehrssituation nehme den Betroffenen „ganz viel Lebensqualität“, sagt Claudia Schmid. Sie selbst habe schon mit dem Gedanken gespielt, das Haus zu verkaufen und wegzuziehen. „Wir haben uns hier doch aber so viel aufgebaut“, betont sie. Es müssten jetzt ganz dringend Maßnahmen ergriffen werden, sind sich Claudia Benz und Claudia Schmid einig.

„Wir brauchen dringend ein Lkw-Verbot“

„Auf der B 31-alt wurde die Höchstgeschwindigkeit in mehreren Bereichen von 50 auf 30 Stundenkilometer reduziert, das hätte hier auch längst passieren müssen“, sagt Claudia Benz. Selbst in Hagnau sei schon vor Jahren Tempo 30 durchgesetzt worden – und das sei immerhin eine Bundesstraße – „dann wird das auf einer Landesstraße wie hier doch wohl auch möglich sein“, betont die Friseurmeisterin. Die Höchstgeschwindigkeit müsse zudem mit Blitzern überwacht werden. „Außerdem brauchen wir dringend ein Lkw-Verbot“, so Claudia Schmid.

Claudia Schmid hat den Verkehr auf der Unteren Mühlbachstraße dokumentiert. Vor allem bei großen Lastwagen werde es eng.
Claudia Schmid hat den Verkehr auf der Unteren Mühlbachstraße dokumentiert. Vor allem bei großen Lastwagen werde es eng. | Bild: Claudia Schmid

Von der Stadt fühlen sich die Betroffenen allein gelassen. Anders als die Ortschaften habe Schnetzenhausen keinen Ortsvorsteher mehr, der sich bei der Verwaltung für die Interessen der Bewohner einsetzen könne. „Ich weiß auch nicht, was wir noch tun können, außer immer und immer wieder auf die Missstände hinzuweisen“, sagt Claudia Schmid.

Die Stadtverwaltung hat angekündigt, dass sie nach der Vorstellung der Verkehrszählungsergebnisse auch die Anfragen und Beschwerden von Bürgern beantworten wird, „die im Zusammenhang mit der Verkehrssituation seit Eröffnung der B 31-neu bei uns eingegangen sind.“ In der Sitzung des Finanz- und Verwaltungsausschusses wurden zudem weitere Verkehrszählungen – dieses Mal für die Lärmaktionsplanung – im Stadtgebiet angekündigt, diese sollen im Mai beginnen. Danach sollen belastbare Zahlen vorliegen, die dann auch als Grundlage für mögliche verkehrsberuhigende Maßnahmen in Friedrichshafen dienen sollen.

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Was ergab die aktuelle Verkehrszählung

  • Ergebnisse: Die Stadt hat kürzlich die Daten zur Verkehrsentwicklung seit der Eröffnung der B 31-neu vorgestellt. Bei der Verkehrszählung im Oktober 2021 wurden an der Messstelle in der Unteren Mühlbachstraße in Schnetzenhausen 10.273 Fahrzeuge innerhalb von 24 Stunden ermittelt, davon 372 Lastwagen. Vor der Teilfreigabe der B 31-neu wird die Belastung in Schnetzenhausen mit 13.852 Fahrzeugen (348 Lastwagen) angegeben.
  • Methode: Doch lassen sich diese Zahlen wirklich vergleichen? Als Grundlage für die Werte vor der Teilfreigabe dient nach Angaben der Stadt eine Zählung, „die im Juni 2016 in Sparbruck durchgeführt wurde. Damals gab es zwischen Sparbruck und Schnetzenhausen nur die Abzweigmöglichkeit nach Heiseloch, die jedoch nur für Anlieger frei ist und über die sehr wenig Verkehr ein- und ausfahren durfte“. Die Folgerungen aus den Daten könnten laut Stadtverwaltung zwar Anhaltspunkte für Ursachen oder Problemstellen bieten, jedoch sei „das Ziehen fundamentaler Schlüsse nicht angeraten“. Belastbare Zahlen kündigt die Stadt mit den Verkehrszählungen für die Lärmaktionsplanung an.
  • Unfallgeschehen: Nach Angaben der Stadtverwaltung sind keine neuen Unfallschwerpunkte auszumachen.