Yannick Wiest, Abteilungsleiter für Jugendbeteiligung und Offene Kinder- und Jugendarbeit beim Amt für Soziales der Stadt Friedrichshafen, fasst die zurückliegende Zeit in der Corona-Pandemie zusammen: „Es ist eigentlich zu unserem Alltagsgeschäft geworden, ständig zu kontrollieren, ob es wieder Änderungen – etwa bei der Maskenpflicht, der Kontaktnachverfolgung – gibt und diese dann umzusetzen.“ Dabei habe es in den vergangenen zwei Jahren „gefühlt alle zwei Wochen“ eine neue Verordnung gegeben.

Yannick Wiest, Abteilungsleiter Jugendbeteiligung und Offene Kinder- und Jugendarbeit im Amt für Soziales, Familie und Jugend
Yannick Wiest, Abteilungsleiter Jugendbeteiligung und Offene Kinder- und Jugendarbeit im Amt für Soziales, Familie und Jugend | Bild: Lena Reiner

Christoph Arnold, der für das Jugend- und Kulturzentrum Molke als Sachgebietsleiter verantwortlich zeichnet, beschreibt den Einfluss der Pandemielage auf den Alltag so: „Eigentlich ist das Konzept der Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit im Allgemeinen ja, dass das Angebot offen für alle ist und leicht erreichbar. Und durch die Corona-Krise ist dieses offene Konzept und dieses Niederschwellige eingeschränkt worden und nicht mehr so einfach umzusetzen.“ Arnold muss allerdings auch andere Verordnungen im Blick behalten, da bestimmte Veranstaltungsformate in andere Bereiche fallen.

Christoph Arnold ist Sachgebietsleiter für das Jugend- und Kulturzentrum Molke.
Christoph Arnold ist Sachgebietsleiter für das Jugend- und Kulturzentrum Molke. | Bild: Lena Reiner

Sofia Thiemann, für die Kinder- und Jugendtreffs verantwortlich, erzählt, dass es recht früh in der Pandemie bereits eine eigene Verordnung für den Bereich der Jugendarbeit gegeben habe. In der Verordnung sei eine Fülle an Regeln gewesen, deren Unterpunkte sich ständig geändert hätten. Wichtig sei anfangs gewesen, ein Hygienekonzept zu erstellen, das für die einzelnen Einrichtungen auch gültig war: „Als wir uns da gut aufgestellt hatten, war es eigentlich immer nur noch ein Abwandeln.“ Je nach Veränderung in den Verordnungen galt es, Kleinigkeiten anzupassen, beschreibt Thiemann.

Sofia Thiemann zeichnet für die städtischen Kinder- und Jugendtreffs verantwortlich; dazu gehört seit Kurzem auch das Café im ...
Sofia Thiemann zeichnet für die städtischen Kinder- und Jugendtreffs verantwortlich; dazu gehört seit Kurzem auch das Café im Jugendzentrum Molke. | Bild: Lena Reiner

Diese Veränderungen hätten sich allerdings in ihrem Alltag als Sachgebietsleiterin der dezentralen Jugendtreffs gehäuft, seien in viel kürzeren Abständen gekommen, als es Änderungen vor der Pandemie gegeben habe: „Das war mein Empfinden.“ Doch, sagt sie, und lacht: „Meine Mitarbeiter und ich schreiben uns auf die Fahnen, dass wir flexibel und spontan sind und bedarfsorientiert arbeiten und das konnten wir da auch wieder anwenden. Die Geschwindigkeit war eine andere und es gab andere Bedarfe, aber wir mussten einfach zeigen, wie flexibel und bedarfsorientiert wir tatsächlich arbeiten können.“

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Yannick Wiest erklärt: „Wir setzen natürlich alles um, was erforderlich ist. Und wenn es die Gegebenheiten zulassen und wir einen höheren Standard für sinnvoll halten, dann machen wir das auch.“

Konzepte nicht in allen Jugendtreffs gleichermaßen umsetzbar

So gebe es beispielsweise für die Toiletten im Jugendzentrum Molke ein Konzept, damit sich die Anwesenden so wenig wie möglich begegnen: „Für die Jugendlichen ist das jetzt kein echter Mehraufwand, ein paar Stufen zu gehen, aber es senkt das Infektionsrisiko.“ Allerdings gebe es natürlich auch städtische Jugendtreffs, die über keine so großen Räumlichkeiten verfügten; da sei eine solche Zusatzmaßnahme dann nicht umsetzbar.

Hinweisschilder am Eingang des Jugend- und Kulturzentrums Molke.
Hinweisschilder am Eingang des Jugend- und Kulturzentrums Molke. | Bild: Lena Reiner

Generell sei es ihnen wichtig, ihre Arbeit so gut wie möglich fortsetzen zu können. Thiemann ergänzt: „Die Verordnung lässt uns auch Spielräume. Da schauen wir genau hin, was geht und was in den jeweiligen Räumlichkeiten möglich ist.“ Im Jugendzentrum Molke gebe es derzeit Angebote mit 3G-Regeln und unter der Woche seit Kurzem auch Angebote mit 0G: „Das basiert darauf, was für Erfahrungen wir bisher gemacht haben, womit wir mitgehen können und was auch die Mitarbeiter vor Ort umsetzen können.“

Angebote ohne G-Nachweis in der Molke mit weniger Teilnehmern

Klar sei, dass sie einen Schutzauftrag hätten – gegenüber den Mitarbeitern und den Jugendlichen: „Diese Verantwortung muss uns bewusst sein.“ Daher gelte bei den Angeboten ohne G-Nachweis dann eine deutlich geringere Teilnehmerzahl.

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2G habe zwar im Raum gestanden, sei von ihnen aber nie umgesetzt worden, erklärt Arnold und führt aus: „Wir haben dann für uns geschaut: Was gibt die Verordnung her und uns dann entschieden, lieber weniger Teilnehmer zuzulassen und mehr Angebote zu machen. Uns war einfach wichtig, keine Jugendlichen auszuschließen.“

Beratungsangebote hätten auch während der kurzen coronabedingten Schließzeit weiterhin persönlich stattfinden dürfen. Allerdings fänden viele Beratungstermine inzwischen auch telefonisch oder online statt. Hier habe sich die jahrelange vorhergehende Beziehungsarbeit ausgezahlt, freut sich Thiemann: „Die Jugendlichen wussten, wie sie sich an wen wenden können, selbst als wir nicht vor Ort sein konnten und haben sich auch aktiv Unterstützung geholt.“

Jugendtreffs als Schutzraum – auch in Bezug auf Corona

Dabei seien die Themen dieselben geblieben wie vor der Pandemie, sie seien allerdings „intensiver“ geworden, ergänzt Arnold und Thiemann betont, dass die städtischen Jugendtreffs auch einen Schutzraum bildeten: „Ich habe das Gefühl, der gilt auch für Corona. Es wird zwar Maske getragen, aber sonst ist die Pandemie kaum Thema.“

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