Wenn mit der Pubertät die Sexualität erwacht, will sie erforscht, getestet und genossen werden. Die Ausstellung „Echt krass“ im Jugendzentrum Molke in Friedrichshafen beleuchtet Chancen und Gefahren dabei. „Für Jugendliche und Heranwachsende besteht die größte Gefahr, sexuelle Übergriffe zu erleben, in der Peergroup“, sagt Iris Gerster. Sie leitet die Fachberatungsstelle Morgenrot, die das Projekt federführend organisiert. Ziel sei es, Kompetenzen zu stärken und Handlungsalternativen aufzuzeigen. „Die Jugendlichen müssen wissen, dass sie Rechte haben“, sagt Gerster.

„Die Jugendlichen müssen wissen, dass sie Rechte haben.“
Iris Gerster, Leiterin der Fachberatungsstelle Morgenrot

Für Veronika Wäscher-Göggerle, Frauenbeauftragte des Bodenseekreises, ist die Ausstellung ein wichtiger Beitrag zum Schutz von Kindern und Jugendlichen: „Präventionsarbeit ist der Schlüssel im Kampf gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen“, sagt sie. Es sei wichtig, Kindern und Jugendlichen gute Abwehrmechanismen an die Hand zu geben und ihnen Ansprechpartner vorzustellen.

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Anlaufstellen außerhalb der Familie seinen gerade bei diesem Thema wichtig, sagt Schulsozialarbeiterin Karoline von Dewitz. Sie hat 2019 die erste Umsetzung von „Echt krass“ in Friedrichshafen begleitet. „Das ist eine gute Möglichkeit, mit Schülerinnen und Schülern ins Gespräch zu kommen zu dem Thema“ sagt sie. Gerade bei Achtklässlern sei die Entwicklungsspanne sehr breit und das Thema schambehaftet.

Fünf interaktive Stationen informieren und laden zum Weiterdenken ein.
Fünf interaktive Stationen informieren und laden zum Weiterdenken ein. | Bild: Fachberatungsstelle Morgenrot

Von Sexismus bis zum freundlichen Anmachspruch

Die Ausstellung besteht aus fünf interaktiven Stationen, die wie Kabinen aussehen. An der ersten Station geht es um das Thema Sexismus, mit Bildern aus Werbeanzeigen und Videoclips wird gefragt: „Noch schön oder schon sexistisch?“. Die Station thematisiert außerdem sexuelle Grenzverletzungen im Internet und klärt über Realitäten im Porno auf. An der zweiten Station bewerten die Jugendlichen Flirt- und Anmachsprüche, bekommen Tipps für eine freundliche Kontaktaufnahme und für den Umgang mit blöden Sprüchen.

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Die dritte Station mit dem Titel „Stop and Go“ ermutigt, eigene Grenzen zu ziehen und durchzusetzen. Sie nimmt unterschiedliche Vorstellungen von Mädchen und Jungen in Bezug auf erotische Kontakte in den Blick und stellt Situationen vor, die zur Selbstreflexion einladen. Mit dem Druck der Clique und der Macht von Klischees befasst sich die nächste Station, die letzte schließlich nimmt die rechtliche Situation in den Blick: Was ist strafbar, was ist eine Vergewaltigung, welche rechtlichen Möglichkeiten gibt es. In der Kabine sehen und hören die Jugendlichen eine Gerichtsverhandlung über eine Vergewaltigung.

Als die Ausstellung in Friedrichshafen zum ersten Mal gezeigt wurde, machten die Veranstalterinnen gute Erfahrungen. Sowohl spontan als auch über Fragebögen habe es viele positive Rückmeldungen gegeben, berichtet Iris Gerster. Veronika Wäscher-Gögglerle bestätigt: „Schon, dass das Thema durch diese Ausstellung aus dem Tabubereich geholt wird, stärkt Kinder und Jugendliche.“ Karoline von Dewitz hat beobachtet, dass viele Jugendliche schon in der Ausstellung diskutierten oder mit Fragen auf sie zukamen. Wichtig sei auch, die aufgeworfenen Themen im Anschluss in den Klassen weiter zu besprechen.