Am Freitag gegen 14 Uhr füllt sich der Franziskusplatz an der Rückseite des Häfler Bahnhofs. Menschen jeden Alters treffen sich bei strahlendem Sonnenschein. Sie haben Transparente und Plakate mitgebracht. „Klima retten jetzt!“, ist dort etwa zu lesen. Oder „Das Klima ändert sich – warum tun wir es nicht?“ Es ist wieder „Klimastreik“, laut Fridays for Future (FFF) in 471 Orten der Republik. Kurz vor der Bundestagswahl wollen sich die Aktivistinnen und Aktivisten nochmals Gehör verschaffen.

Etwa 1500 Menschen kommen

Die Menschen auf dem Franziskusplatz sind selbst überrascht. Es sind viele Leute gekommen, sehr viele. Am Ende werden es etwa 1500 sein. Zuletzt war es eher ruhig geworden um die FFF-Bewegung in der Region. Doch die anstehende Wahl hat offenbar viele mobilisiert. Denn bislang, so die Überzeugung der Anwesenden, ist schlicht zu wenig passiert, um die drohenden Folgen des Klimawandels abzuwenden. Doch was wünschen sich die Demonstrierenden?

Sarah Röst (24) kritisiert die CDU: Diese halte fest an einem System, das die Umwelt zerstöre.
Sarah Röst (24) kritisiert die CDU: Diese halte fest an einem System, das die Umwelt zerstöre. | Bild: Benjamin Schmidt

Sarah Röst (24) ist aus Meckenbeuren angereist. Sie kritisiert: „Die CDU hält an einem System fest, das die Umwelt zerstört.“ Daher wünscht sie sich einen politischen Wandel. Zwar schränkt sie mit Hinweis auf eine kürzlich erschienene Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung ein, dass kein Wahlprogramm der großen Parteien ausreiche, um die Ziele des neuen Klimaschutzgesetzes zu erreichen. Dieses sieht vor, den Ausstoß von Treibhausgasen bis zum Jahr 2030 um 65 Prozent – verglichen mit den Emissionen von 1990 – zu reduzieren. Dennoch wünscht sich Röst eine Regierung unter Beteiligung von Linken und Grünen.

Beatrix Braun (64) aus Friedrichshafen fordert, dass ihre Lebensgrundlagen erhalten bleiben, wie sie sagt.
Beatrix Braun (64) aus Friedrichshafen fordert, dass ihre Lebensgrundlagen erhalten bleiben, wie sie sagt. | Bild: Benjamin Schmidt

Beatrix Braun (64) aus Friedrichshafen demonstriert für den Erhalt ihrer Lebensgrundlagen, wie sie sagt. „Damit meine ich Frieden, Luft, Wasser, die Erde.“ Sie wird vermutlich auch diesmal wieder die Grünen wählen. Ihre zentrale Forderung ziert sogar ihr Gesicht. Auf Englisch ist dort zu lesen: „Klimanotstand! Jetzt handeln!“

Roland Stuber (68, links) und Reinhard Baumgärtner (62) wünschen sich ebenfalls einen politischen Wandel.
Roland Stuber (68, links) und Reinhard Baumgärtner (62) wünschen sich ebenfalls einen politischen Wandel. | Bild: Benjamin Schmidt

Es gibt eine deutliche politische Tendenz in Richtung der Parteien Grüne und Linke bei den Demonstrierenden. So auch bei Reinhard Baumgärtner (62) aus Markdorf. Er findet: „Die Schwarzen müssen endlich weg.“ Er wünscht sich einen schnellen Kohleausstieg, sowie einen Fokus auf erneuerbare Energien.

Klare politische Tendenz bei den Demonstrierenden

Auch aus der Wirtschaftswelt ist jemand gekommen, um sich stark zu machen für mehr Klimaschutz: Antje von Dewitz. Die 49-Jährige ist Leiterin des Freizeitunternehmens Vaude. Sie fordert klare Rahmenbedingungen seitens der Politik, wie sie sagt. Sonst berge der Klimaschutz auch wirtschaftliche Risiken. Ihre Konsequenz: „Diesmal wähle ich Grün.“

Dann zieht der Tross los. Gut 1500 Menschen marschieren durch die Häfler Innenstadt und skandieren ihre Forderungen: „Was wollen wir? Veränderung! Wann wollen wir sie? Jetzt“, rufen sie im Chor.

Bild: Benjamin Schmidt

Gut eine Stunde später, gegen 15 Uhr, ist der Zug an der Musikmuschel an der Uferpromenade der Stadt angekommen. Die 17-jährige Elgin Raupach steht auf der Bühne. „Diese Wahl ist entscheidend“, ruft sie in die Menge. „Ohne sofortiges Handeln beim Klimaschutz brauchen wir nicht mehr über Renten, Wirtschaft oder Wohnungsbau zu diskutieren.“ Sie erntet Applaus.

Geht es nach den Menschen vor Ort, ist klar, welche Parteien an der nächsten Regierung beteiligt sein sollten: Die Grünen und auch die Linke. Ob ihr Wunsch in Erfüllung gegangen ist, werden sie am Sonntagabend erfahren.

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