Von Berlin an den Bodensee, von einer staatlichen Exzellenz-Uni mit 38 000 Studenten an eine private Hochschule mit gut 1000, von den Chinawissenschaften zu einer Uni „zwischen Wirtschaft, Politik und Kultur“: Der Schritt für Prof. Klaus Mühlhahn nach Friedrichshafen scheint groß. Das sieht der neue Präsident der Zeppelin Universität (ZU) allerdings anders. Seit knapp zwei Monaten steht er an der Spitze der Stiftungs-Hochschule, die in der Vergangenheit für viele Schlagzeilen gut war.

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Die kennt auch Klaus Mühlhahn, zuletzt Vize-Präsident der Freien Universität (FU) in Berlin, an der er Anfang der 1990er-Jahre selbst studiert hat. Er zieht gewisse Parallelen. „Der Ruf der FU war damals nicht gut, als Alt-68er dort unterrichteten und Noten im Plenum entschieden wurde“, erinnert sich Mühlhahn. Die FU stand mit all ihren Problemen auch finanzieller Art kurz vor der Schließung durch den Berliner Senat, sei aus dieser existenziellen Krise aber gestärkt hervor gegangen.

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An solch einem spannenden Wendepunkt sieht der neue ZU-Präsident auch die hiesige Hochschule. Die habe er in der Hauptstadt als „großartige, unglaublich innovative Uni“ wahrgenommen, die in eine Phase der „kreativen Disruption“, also der schöpferischen Zerstörung, rutschte. „Heute fragen wir uns: Wer sind wir eigentlich, und wo wollen wir hin“, erklärte Klaus Mühlhahn bei einem Pressegespräch. Er wolle in diesem Prozess, der an der ZU zu diskutieren ist, neue Impulse und Themen setzen – damit die Uni „daraus gestärkt mit einem besseren Profil“ hervorgehen könne.

Von heute auf morgen in den Fernunterricht gewechselt

Dabei sind die Voraussetzungen schwierig. Da ist zum einen die Corona-Pandemie, die auch hier alle über Monate in den Fernunterricht zwang. Mühlhahn lobt seine Präsidiums-Kollegen, die diese Umstellung im laufenden Betrieb „hervorragend“ gemanagt haben. Heute sei klar, das digitale Formate sehr gut funktionieren, aber Präsenz an der ZU unverzichtbar sei, weil die enge persönliche Betreuung der Studierenden eine der großen Stärken ist.

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Zweites Problem ist und bleibt die wirtschaftliche Lage. „Ja, die Situation ist schwierig“, gibt Mühlhahn zu. Dabei ist die ZU inzwischen mit einem Zuschuss von acht Millionen Euro jährlich der größte Einzelposten im Haushalt der städtischen Zeppelin-Stiftung. Doch auch über Studiengebühren und Drittmittel braucht die Uni deutlich mehr Geld, um ihr Ziel zu erreichen.

Ziel: Wissenschaftliche Reakkreditierung 2023

Das heißt wissenschaftliche Reakkreditierung und steht 2023 an. „Wir müssen das schaffen“, gibt Klaus Mühlhahn den Takt vor. Ansonsten verliert die Hochschule ihr Promotionsrecht. Bis dahin braucht die ZU also 38 Professoren, um die Vorgaben des Wissenschaftsrates zu erfüllen, so Mühlhahn. Er hoffe, dass sich dieser Zeitplan strecken lässt. Aktuell gebe es 24 Lehrstühle. Zumindest die im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegenen Bewerberzahlen stimmen ihn optimistisch.

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Wie will der neue ZU-Präsident diesen Aufwuchs und die nötige Neuausrichtung schaffen? Mühlhahn macht da weiter, wo schon seine Vorgängerin das nötige Potenzial sah: Digitalisierung und Internationalisierung. Im Studienprogramm hatte sich das bisher aber kaum niedergeschlagen. Und 84 Partner-Unis sind für ihn bestenfalls „die Basis“, um die ZU globaler auszurichten.

Bereit, neue Wege zu gehen

Dabei scheint Klaus Mühlhahn bereit, wirklich neue Wege zu gehen. Studiengänge in Medien- oder Wirtschaftsinformatik kann er sich an der ZU genauso vorstellen wie in englischer Sprache. Die Region stehe vor einem immensen strukturellen Wandel; da sei eine Uni als „reflexibler Körper“ wichtig. Darüber wolle er mit allen reden. Die Bereitschaft oder gar das Bedürfnis an der Uni, sich neu aufzustellen, sei da. Nur werde das nicht ohne zusätzliche Investitionen gehen. Wie realistisch das für die nächsten Jahre ist, werden die Haushaltsberatungen für Stadt und Stiftung im Herbst zeigen.

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