Es gibt jene, für die ist die Sache klar: Ärzte tragen seit Jahrzehnten Mund-Nasen-Masken zum Fremdschutz. In Friedrichshafen positioniert sich allen voran „Fridays for Future„ öffentlich sichtbar eindeutig fürs Masketragen. Bei den eigenen Veranstaltungen wird, auch im Freien, sobald eine Gruppe Menschen beieinander oder gemeinsam auf der Bühne steht, Maske getragen.

„Es ist ja wichtig, dass sich bei Corona jeder daran hält.“

„Wir machen das ziemlich konsequent“, erklärt Alaya Dohm, „Es ist ja wichtig, dass sich bei Corona jeder daran hält. Da ist es für uns klar, dass wir mitmachen, für alle. Es klappt ja nur, wenn alle sich daran halten.“

Da gebe es auch eine Parallele zum Klimaschutz. Auch dieser gelinge nur, wenn alle zusammenhalten, als Gesellschaft solidarisch seien: „Wir möchten auch deshalb mit gutem Beispiel voran gehen.“

Alaya Dohm trägt Maske, seit sie es für sinnvoll hält: „also seit ich von Corona in Europa wusste.“
Alaya Dohm trägt Maske, seit sie es für sinnvoll hält: „also seit ich von Corona in Europa wusste.“ | Bild: Lena Reiner

Die 14-jährige Ailingerin selbst trägt Maske, seit sie es für sinnvoll hält: „also seit ich von Corona in Europa wusste.“ Die ersten zwei Wochen sei das ungewohnt gewesen: „Es war nicht unangenehm, ich hatte kein Problem damit, aber es war einfach ungewohnt.“ Manchmal habe sie aus Gewohnheit die Maske im Bus abgenommen, dann ganz schnell wieder aufgesetzt: „Das muss man einfach lernen.“

Inzwischen trägt sie im Alltag oft Maske: Im Schulbus, in den Fluren der Schule, beim Einkaufen. Doch auch vor der Pflicht sei es für sie „keine Frage“ gewesen. Dabei stehe für sie der Fremdschutz, also der Schutz anderer, falls sie unerkannt infiziert sei, an erster Stelle.

Fremdschutz als Selbstverständlichkeit

„Als es los ging mit Corona in Europa, haben wir gesagt: Wir tragen jetzt Maske“, schildert Elgin Raupach, die sich ebenfalls bei „Fridays for Future„ engagiert. Ihre Großeltern zählten zur Hochrisikogruppe, ebenso ihr Vater. Da sei das eine Selbstverständlichkeit gewesen. „Maske tragen tut ja nicht weh und schützt einfach so viele Menschen. Es geht hier um 15 Minuten im Supermarkt“, erklärt die 15-Jährige.

Elgin Raupachs Großeltern zählten zur Hochrisikogruppe, ebenso ihr Vater. Da sei das eine Selbstverständlichkeit, Maske zu tragen. „Maske tragen tut ja nicht weh und schützt einfach so viele Menschen. Es geht hier um 15 Minuten im Supermarkt.“
Elgin Raupachs Großeltern zählten zur Hochrisikogruppe, ebenso ihr Vater. Da sei das eine Selbstverständlichkeit, Maske zu tragen. „Maske tragen tut ja nicht weh und schützt einfach so viele Menschen. Es geht hier um 15 Minuten im Supermarkt.“ | Bild: Lena Reiner

Eine Freundin von ihr arbeite bei Norma; dort den ganzen Tag die Maske zu tragen, auch während körperlicher Arbeit, das sei „schon hart“, aber für Kunden gehe es zumeist lediglich um zehn Minuten. „Einige haben mir gesagt, es müsse doch nicht sein“, erinnert sie sich an die ersten Reaktionen. Doch die Reaktionen seien überwiegend positiv gewesen auf die Entscheidung, schon vor der gesetzlichen Pflicht, die Maske zu tragen: „Und die kritischen waren echt nicht so schlimm. Niemand sagte mir, ich solle es doch bleiben lassen.“

Wichtig ist, dass die Maske gut sitzt

Wichtig sei natürlich, eine Maske zu haben, die gut sitze: „Ich habe eine, die ist zu eng an den Ohren. Das wird dann schon unangenehm.“ Für die Fotos trägt sie ihre liebste Maske, die weder an den Ohren schmerzt noch unangenehm beim Atmen sei. Sie besitze auch eine selbstgenähte aus Jeansstoff, da falle das tatsächlich schwer.

Außerdem hätten sie zuhause wegen der Risikogruppenangehörigen in der Familie OP-Masken. „Die hatten wir schon vor Corona, haben sie also niemandem weggekauft“, ergänzt sie.

Claus-Michael Haydt trägt seit Dezember Maske

Für Claus-Michael Haydt, in Friedrichshafen als Gründer und Geschäftsführer der (inzwischen gemeinnützigen) GmbH hinter dem Kulturhaus Caserne bekannt, ist Masketragen seit Dezember 2019 traurige Pflicht und das ganz unabhängig von Corona.

Claus-Michael Haydt
Claus-Michael Haydt | Bild: privat

Seine Tochter Malu ist an Krebs erkrankt, ihr Immunsystem geschwächt. „Für uns war das schon monatelang Realität“, erklärt er. „Das“ meint die infektionsschützenden Maßnahmen, die aufgrund der Corona-Pandemie inzwischen für alle gelten: Mindestabstand, gründliches Händewaschen oder -desinfizieren, Masketragen.

Claus-Michael Haydt mit seiner Tochter, die an Krebs erkrankt ist. Für Menschen, die gegen die Maskenpflicht demonstrieren, hat er kein Verständnis.
Claus-Michael Haydt mit seiner Tochter, die an Krebs erkrankt ist. Für Menschen, die gegen die Maskenpflicht demonstrieren, hat er kein Verständnis. | Bild: privat

Es sei wichtig, keine Krankheitserreger ins Krankenhaus zu tragen, auch ganz unabhängig von Corona: „Wir müssen da wirklich aufpassen.“ Was er denke, wenn er sehe, dass inzwischen anderswo gegen die Maskenpflicht demonstriert werde? „Ich muss sagen, als Vater einer vierjährigen krebskranken Tochter fehlt mir dafür jegliches Verständnis, wie man seinen eigenen Egoismus über gegenseitige Rücksichtnahme stellen kann.“

Eine neue Normalität schaffen

Natürlich bedeute das nicht, das kein öffentliches Leben mehr stattfinden solle. Gerade in seiner Rolle beim Kulturhaus wisse er, dass Kultur wichtig für die Gesellschaft sei; gerade in schwierigen Zeiten. Gleichzeitig sei ein kulturelles Angebot auch unter Berücksichtigung infektionsschützender Maßnahmen möglich: „Da muss man eben Kreativität beweisen. Ich denke, dass wir durch die Situation viel dazulernen können; eine neue Normalität schaffen, wie es manche nennen.“

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Das Misstrauen ist groß

Während für die einen das Masketragen schon vor der Pflicht eine klare Sache war, gibt es auch diejenigen, denen das Masketragen aus medizinischen Gründen nicht möglich ist, und jene, die den Sinn anzweifeln. Ein kurzer Facebook-Aufruf mit der Frage, wer per Attest von der Maskenpflicht befreit sei und seine Erfahrungen schildern wolle, offenbart die Emotionalität der Thematik sofort.

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Atteste zur Befreiung von der Maskenpflicht

Noch bevor irgendjemand sich melden kann, der tatsächlich ein solches Attest vorliegen hat, werden Zweifel an der Echtheit solcher Atteste im Generellen und Speziellen laut. Ein zweiter und ein dritter Post an unterschiedlichen Orten zeigen dieselbe Dynamik auf. Zaghaft trudeln dennoch die ersten Privatnachrichten ein.

Ein junger Mann möchte gern berichten, wie es so ist, von der Maskenpflicht befreit zu sein, entscheidet sich dann einen Tag später aber doch dagegen: „Ich habe gesehen, welchen Hass andere dafür online abbekommen.“ Andere stellen ihrer Nachricht direkt voran, dass sie mit ihrer Aussage bitte gar nicht oder nicht namentlich zitiert werden möchten. Der Grund lautet fast einhellig: „Das Thema ist zu emotional aufgeladen.“

In der Häfler Fußgängerzone erinnern Aufsteller und Hinweisschilder zum Infektionsschutz an die Maskenpflicht.
In der Häfler Fußgängerzone erinnern Aufsteller und Hinweisschilder zum Infektionsschutz an die Maskenpflicht. | Bild: Lena Reiner

Wenige Atteste, alle medizinisch begründbar

Wolfram Schweizer, dessen Praxis für Allgemein- und Notfallmedizin in Friedrichshafen ihren Sitz hat, sagt: „Atteste werden selten ausgestellt. Diese sind alle medizinisch begründbar.“ Die Frage, ob auch Menschen, die absolut fit und gesund aussehen, einen medizinischen Grund für die Entbindung von der Maskenpflicht vorweisen könnten, bejaht er: „Auch sportliche Leute können an Asthma oder Angststörung erkrankt sein.“

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Wie einfach ist es tatsächlich, ein solches Attest zu bekommen? Bei einem Selbstversuch fragte die Autorin stichprobenartig per E-Mail an, ob sie ein Attest erhalten könnte, weil sie die Masken nicht leiden könne. Es kamen nur Absagen.

Generelle Hygiene statt Maske

Anita Schalski hingegen berichtet: „Mein Arzt hätte mir sofort eines ausgestellt. Sagte aber, ich würde damit nicht glücklich werden.“ So trägt auch Schalski nun eine Mund-Nasen-Bedeckung, aber nur dann, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Das Interview mit ihr findet deshalb auch im Freien statt; in Oberteuringen nahe ihres Arbeitsplatzes: Seit 2005 ist sie als Pflegeberaterin tätig. Dass sie zwischen den Stühlen steht, was die Maskendebatte angeht, offenbart ein Gespräch mit ihr; ihre Kritik an den „Stofffetzen vorm Mund“ ist lediglich ein Aspekt.

Das Gespräch mit Anita Schalski findet draußen statt: ohne Maske. So möchte sie auch aufs Foto, denn: einen Mund-Nasen-Schutz trägt sie nur dann, wenn es sich nicht vermeiden lässt.
Das Gespräch mit Anita Schalski findet draußen statt: ohne Maske. So möchte sie auch aufs Foto, denn: einen Mund-Nasen-Schutz trägt sie nur dann, wenn es sich nicht vermeiden lässt. | Bild: Lena Reiner

Ursprünglich hat sie eine Ausbildung zur Krankenschwester gemacht; von der Kleinstadt Friedrichshafen sei es dafür in die Großstadt Stuttgart gegangen, so schildert es die gebürtige Häflerin. „Da habe ich alles nach der alten Schule gelernt, auch das Thema Hygiene. Ich trage bis heute eigentlich nie Nagellack und bis auf meinen Ehering keinen Schmuck.“ So sei das früher üblich gewesen.

Anita Schalski bekommt mit Maske nur schlecht Luft

Sie kramt in ihrer Tasche und zeigt die Einmalmaske mit Nasendraht vor, die sie im Großpack für die Zeit der Corona-Pandemie gekauft hat: „Ich habe neulich extra einen Arzt gefragt, wieso ich denn früher stundenlang mit Maske arbeiten konnte, gut Luft bekam und meine Brille nie beschlagen sei.“ Der Bügel der aktuellen Maske sei schnell lose, atmen lasse es sich unter dem Material auch schlecht: „Aber man bekam ja lange nur diese Dinger.“ Nicht nur deshalb kritisiert sie die Maskenpflicht.

Richtig mit Schutzkleidung umgehen

„Was wirklich hilft, das sind nicht die Masken“, erklärt sie. Früher, da habe sie teilweise im Blut von Patienten gestanden. Krank geworden sei sie nie. Woran das gelegen habe? „Schutzkleidung und Desinfektion“, sagt sie. Handschuhe, sterile Kleidung am ganzen Körper. Die Maske sei der kleinste Aspekt dabei gewesen. Die Schutzkleidung habe sie immer in der Schleuse zwischen den unterschiedlichen Bereichen des Krankenhauses gewechselt, Hände gewaschen und desinfiziert.

Hygienevorführung beim Deutschen Roten Kreuz: Das Ausziehen der kontaminierten Kleidung bedarf Konzentration: Der Schutzanzug wird mit dem zweiten Paar Handschuhen heruntergezogen, dann samt der oberen, stärker kontaminierten Handschuhe ausgezogen und mit der Innenseite nach außen aufgerollt und sofort fachgerecht entsorgt.
Hygienevorführung beim Deutschen Roten Kreuz: Das Ausziehen der kontaminierten Kleidung bedarf Konzentration: Der Schutzanzug wird mit dem zweiten Paar Handschuhen heruntergezogen, dann samt der oberen, stärker kontaminierten Handschuhe ausgezogen und mit der Innenseite nach außen aufgerollt und sofort fachgerecht entsorgt. | Bild: Lena Reiner

Viel von damals habe sie sich lange über ihre aktive Zeit als Krankenschwester beibehalten. „Ich schüttle in der Grippezeit auch keine Hände“, erklärt sie. Das sei eigentlich normal und wer Krankheitssymptome habe, gehöre einfach ins Bett und nicht nach draußen, wo er Menschen anstecken könne: „Und wenn jemand infiziert ist, hilft so ein Stück Stoff im Gesicht auch nicht.“

Hygienevorführung beim Deutschen Roten Kreuz:Haarnetz über die Ohren: So werden die Gummis der Maske an der Stelle weniger kontaminiert, an der man sie zum Absetzen anfassen muss. Maske: Nasenbügel fest andrücken. Am besten macht das ein Kollege, da man selbst dabei zu vorsichtig vorgeht. Gegenseitige Kontrolle für den richtigen Sitz der Schutzkleidung ist generell wichtig.
Hygienevorführung beim Deutschen Roten Kreuz:Haarnetz über die Ohren: So werden die Gummis der Maske an der Stelle weniger kontaminiert, an der man sie zum Absetzen anfassen muss. Maske: Nasenbügel fest andrücken. Am besten macht das ein Kollege, da man selbst dabei zu vorsichtig vorgeht. Gegenseitige Kontrolle für den richtigen Sitz der Schutzkleidung ist generell wichtig. | Bild: Lena Reiner


Sowieso halte sie die aktuellen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie für unangemessen: „Da werden zum einen Existenzen zerstört, zum anderen trauen sich Menschen mit einem Notfall nicht ins Krankenhaus; das hat doch einen riesigen Rattenschwanz.“ Auch die ständigen Richtungswechsel bei den Maßnahmen hält sie für ärgerlich: „Gestern so, heute so und morgen nochmal anders. Das versteht doch niemand und es wirkt völlig planlos.“

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Wenn es nach ihr gegangen wäre, hätte es in Deutschland eine Ausgangssperre vergleichbar mit der spanischen gegeben; konsequent durchgesetzt. „Und dann hätte man evaluieren müssen.“

Protestkultur schadet denen, die keine Maske tragen können

Dietmar Manz hat sowohl ein Attest als auch keine Lust, eine Maske zu tragen. Er erklärt: „Ich würde keine Maske tragen, auch wenn ich kein Attest hätte.“ Wenn er darauf angesprochen werde, was nur manchmal geschehe, mache er seine Protesthaltung deutlich.

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„Ich halte einen Mindestabstand für überzogen, da unsere Herren und Damen Politiker sich ebenso nicht daran halten, siehe nur diverse Berichte in Zeitungen oder TV: Ursula von der Leyen bei der Übergabe der Masken am Flughafen, Jens Spahn im dicht gedrängten Aufzug. Hier gäbe es viele Örtlichkeiten zu benennen.“ Er sieht seinen Protest als Vertreten seiner Grundrechte.

Bild: Lena Reiner

Dass durch Menschen wie Manz politischer Protest und Atteste scheinbar gleichgesetzt werden, bekommt auch Conny Helvic zu spüren, die aus gesundheitlichen Gründen von der Maskenpflicht entbunden ist: „Ich werde manchmal mit bösen Blicken angesehen.“ Falsche Atteste, auf die sie online angesprochen wird, hält sie für unfair gegenüber denen, die gezwungenermaßen keine Maske tragen können und schildert: „Angesprochen werde ich inzwischen nicht mehr.“

Asthma-Patienten ernten häufig böse Blicke

Wenn sie böse angeschaut werde, spreche sie die Thematik selbst an und erkläre, wieso sie keine Maske tragen kann. „Ich fühle mich aber trotzdem unwohl dabei und halte mich deshalb an den Abstand.“ Sie selbst sei wegen ihres Asthmas von der Maskenpflicht entbunden worden.

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Einkäufe ohne Maske werden zum Spießrutenlauf

Einen Schritt weiter geht Claudia Köhler, die ebenfalls ein medizinisches Attest erhalten hat, um keinen Mund-Nasen-Schutz tragen zu müssen. „Ich trage trotzdem die Maske“, erklärt sie. Christina Maskus, die in Friedrichshafen lebt und aufgrund ihres Asthmas ein medizinisches Attest vorweisen kann, erklärt: „Ich bin von der Maskenpflicht befreit. Nach ein paar unangenehmen Erlebnissen wage ich es nicht mehr, die Maske nicht zu tragen.“ Sie schildert ihre Einkäufe ohne Maske als „Spießrutenlauf“, den ihr „besorgte Bürger“ bereiten; sie sei häufig angefeindet worden.