Stefan Dürnay und Iris Berndt arbeiten seit Januar 2018 als selbstständige Unternehmensberater miteinander. Auch privat sind sie ein Paar. Er übernimmt in der Firma den betriebswirtschaftlich-technischen Part, sie den menschlichen. Bild: Dürnay Consulting
Stefan Dürnay und Iris Berndt arbeiten seit Januar 2018 als selbstständige Unternehmensberater miteinander. Auch privat sind sie ein Paar. Er übernimmt in der Firma den betriebswirtschaftlich-technischen Part, sie den menschlichen. Bild: Dürnay Consulting | Bild: Dürnay Consulting

22 Jahre arbeitete der Oberteuringer in verschiedenen Führungspositionen bei MTU, zuletzt als Leiter IT. "Ich dachte mir: Wenn nicht jetzt – wann dann?", erinnert er sich, "und habe um Verhandlungen für einen Austritt gebeten." Er hatte Glück: Sein Antrag wurde angenommen, die Abfindung genehmigt.

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So wurde der 1. Januar 2018 zu einem ganz besonderen Datum für den 49-Jährigen. An diesem Tag meldete er sein Einzelunternehmen "Dürnay Consulting. Human. Business. Digital" an. Ein kleines Beratungsunternehmen mit Sitz in Friedrichshafen, das Unternehmen ganzheitlich bei Digitalisierungsprozessen unterstützt und fit für die Zukunft machen will. "Ich hatte schon länger den Wunsch, mich stärker selbst zu verwirklichen, etwas Neues auszuprobieren", erklärt Dürnay.

Raus aus der Komfortzone, hin zu mehr Zufriedenheit

Bereits 2013 schloss er eine berufliche Zusatzausbildung als Business- und Persönlichkeitscoach ab. Eine Fortbildung, die ihn in seinem Denken und Arbeiten sehr verändert habe. "Ich wollte die Komfortzone verlassen und zu mehr beruflicher Zufriedenheit gelangen", sagt er. Raus aus der Festanstellung mit all ihren Sicherheiten und Bequemlichkeiten, rein in die Welt der Selbstständigen, die mehr nach Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung schmeckt, aber auch oft viel mehr Arbeit bedeutet. Selbst und ständig – so sagen viele Freiberufler – ist Fluch und Segen zugleich. Eine Entscheidung, die ein Familienvater und Ehemann mit Verantwortung nicht mal so eben leichtfertig trifft. "Mir war klar, dass das für uns alle der beste Schritt ist", ist sich seine Frau Iris Berndt sicher, "als Partner muss man unbedingt dahinter stehen, sonst klappt das nicht." Für Berndt stand schnell fest: sie hält ihrem Mann für den beruflichen Neuanfang als selbstständiger Berater den Rücken frei und kümmert sich auch weiter vorrangig um die familiären Themen

Stefan Dürnay ist Business- und Persönlichkeitscoach. Bild: Dürnay Consulting
Stefan Dürnay ist Business- und Persönlichkeitscoach. Bild: Dürnay Consulting | Bild: Dürnay Consulting

Zwei Monate lang bereitete das Paar gemeinsam alles für die Selbstständigkeit vor, ließ sich beraten, mietete ein Büro in der "Coworking Seestatt" in der Häfler Innenstadt und meldete ein Unternehmen an. "Die Hürde war nicht ganz so hoch, weil ich bereits als selbstständige Vertriebspartnerin arbeite und weiß, wie die Formalien funktionieren", erklärt Berndt. Doch während das Paar abends immer wieder über das Unternehmenskonzept sprach, entwickelte sich ein neuer Ansatz.

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Alle Mitarbeiter müssen beteiligt werden

"Oft wird die Digitalisierung in Unternehmen nur technisch angegangen", berichet Dürnay", da geht es um neue Systeme, Prozesse, Apps und Tools." Doch bei den großen Veränderungen, bei denen oft auch viel Geld in die Hand genommen wird, blieben häufig die Mitarbeiter auf der Strecke. "Das Know-how liegt doch in der Mannschaft, nicht in der Führungsebene – und die muss motiviert und beteiligt werden, damit sich keine Gegenkräfte entwickeln", erklärt der Berater. Und so wurde ein ganzheitliches Change Management, zu deutsch Veränderungsmanagement, zum wesentlichen Bestandteil seiner Arbeit als Berater. Dürnay formuliert das so: "Der Fokus liegt auf dem Menschen und nicht auf den Tools." Und so stieg kurzerhand seine Ehefrau Iris Berndt mit ins Boot, um beispielsweise auch Einzelcoachings für Mitarbeiter anzubieten, die sich mit einer Veränderung ihres Arbeitsprozesses und der Unternehmenskultur besonders schwer tun. Ihre Schule heißt Lebenserfahrung. Wer mit dem Ehepaar Dürnay und Berndt spricht, merkt schnell: Hier trifft technische, betriebswirtschaftliche und unternehmerische Kompetenz auf Menschlichkeit und Empathie. Das aalglatte Beraterimage trifft hier jedenfalls nicht zu.

Fazit nach einem Jahr Selbstständigkeit

Und wie lief das erste Jahr Selbstständigkeit nun? "Viel besser als erwartet", sagt Dürnay und grinst. Sein erster Auftrag? Die Einführung eines Prozesses bei einem Automobilhersteller in Zuffenhausen. Einige Monate Arbeit im spannenden Umfeld der vernetzten Autos (Connected Car). Ein Folgeauftrag ist ihm sicher gewesen, doch den lehnte er ab. "Ich will mich breiter aufstellen und nicht nur einem Großkunden zuarbeiten", sagt er, "dafür habe ich mich ja selbstständig gemacht." Die Faustformel "drei Jahre arbeiten bis zu den schwarzen Zahlen", trifft auf Dürnay Consulting dank des Großauftrags jedoch nicht zu. "Wir hätten nie gedacht, dass das so gut anläuft", gesteht Berndt.

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Zusätzlich hatte der Oberteuringer noch mehrere kleinere Beratungsaufträge, teilweise auch für Non-Profit-Organisationen und einen Lehrauftrag an der Dualen Hochschule in Ravensburg. Was 2019 bringt, weiß er noch nicht. "In unserem Bereich funktioniert kalte Akquise nicht, da kommt man über Empfehlungen an Jobs", sagt Dürnay. Umso wichtiger ist es, dass er sich ein Netzwerk aufbaut, Präsenz zeigt, im Netz und im echten Leben sowieso. Und so stehen regelmäßig auch Netzwerk-Treffen auf seinem Wochenplan.

Gemeinsame Familienzeit ist fest eingeplant

Und, wie schmeckt die Freiheit der Selbstständigkeit nun so? "Es ist nicht alles eitel Sonnenschein", gesteht der 49-Jährige, "die Welt da draußen ist schon rau." 50, 60 Stunden-Wochen sei er bereits gewohnt gewesen, das bereite ihm keine Mühen. "Ich kann es mir frei einteilen, das ist toll", so Dürnay, "aber wir achten schon auch darauf, gemeinsame Zeit mit der Familie zu verbringen, in der das Handy einfach mal weggelegt wird." Wer ihn so reden hört, spürt sie, die Passion. Wenn Dürnay sagt: "Man muss dafür leben" ist das keine Floskel. Der Weg, raus aus der Komfortzone, er hat sich für ihn gelohnt.

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