In diesem Jahr hat es geklappt: Kfz-Mechatroniker-Meister Fabian Brinz hat einen Auszubildenden eingestellt. „Es ist ganz schwer, jemanden zu finden, der sich für die Materie begeistert und ein bisschen Erfahrung mitbringt“, sagt er. Er sieht sich Bewerbungen genau an, Anschreiben und Mathenote müssen stimmen. Die engere Auswahl lädt er zum Praktikum ein. „Eine gute Ausbildung ist die einzige Möglichkeit, junge Leute heranzuziehen. Ich stecke da viel Energie rein“, sagt er. Noch ist sein Azubi vier Tage in der Woche in der Berufsschule und einen in der Werkstatt. „Es ist wichtig, dass die Azubis gleich etwas machen, kontrolliert natürlich und unter Aufsicht“, sagt er. Dann komme auch schnell die Befriedigung, wie sie nur ein Handwerk verschaffe. „Wenn ein Fahrzeug fahruntüchtig angeliefert wird und der Azubi hat geholfen, die Fehler zu finden und das Fahrzeug wieder fahrtüchtig zu machen, dann weiß er abends, was er getan hat!“

Flüchtling in Ausbildung droht die Abschiebung

Viele Lehrstellen aber können nicht besetzt werden. Bei der Bäckerei-Konditorei Rieser etwa blieben zwei Ausbildungsplätze leer. „Das Problem ist der Beruf. Es ist körperlich harte Arbeit, man muss um 2 Uhr aufstehen“, sagt Inhaberin Cornelia Schwarz. Unter Flüchtlingen fänden sich öfter solche, die das auf sich nähmen. „Wir hatten einen Flüchtling, aber dem droht die Abschiebung, weil er sich keinen Pass besorgen kann in dem Land, aus dem er kommt“, sagt sie. Ihre beiden Lehrstellen zum Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk sind vergeben.

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Auch Glasermeister Markus Weber, Inhaber von Franz Weber Fensterbau, hat genug Interessenten für den Bürobereich. Er bildet Bürokaufmänner oder -frauen aus. Jemanden für das Glaserhandwerk zu gewinnen ist schwieriger. „Ich arbeite mit Schulen zusammen und biete Praktika auch für schwer zu vermittelnde Schüler an“, sagt er. Bei der Suche nach Azubis greift er auf seine Praktikanten zurück.

Georg Beetz, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, kennt die genauen Zahlen: „Im Bodenseekreis waren im August 101 Lehrstellen unbesetzt. Damit liegen wir unter dem Durchschnitt, aber es sind trotzdem 101 unbesetzte Lehrstellen zu viel.“
Georg Beetz, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, kennt die genauen Zahlen: „Im Bodenseekreis waren im August 101 Lehrstellen unbesetzt. Damit liegen wir unter dem Durchschnitt, aber es sind trotzdem 101 unbesetzte Lehrstellen zu viel.“ | Bild: Petersen, Uwe

Schülerzahlen sind rückläufig

Georg Beetz, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, kennt die genauen Zahlen: „Im Bodenseekreis waren im August 101 Lehrstellen unbesetzt. Damit liegen wir unter dem Durchschnitt, aber es sind trotzdem 101 unbesetzte Lehrstellen zu viel.“ Die Gründe für die mangelnde Bereitschaft, eine Lehrstelle im Handwerk anzutreten, seien vielfältig. „Wir haben rückläufige Schülerzahlen, dazu kommt der Druck auf viele Schüler, Abi zu machen und zu studieren“, sagt er.

Um das Image von Handwerksberufen zu verbessern, setzt die Kreishandwerkerschaft auf direkte Kontakte. „Die Betriebe bieten Praktika an, wir gehen in Schulen, auf Infobörsen oder zur Berufsfindungsmesse Vocatium“, sagt Beetz. Auch wer sich mit Verspätung für eine duale Ausbildung entscheidet, hat eine Chance. „Das Lehrjahr hat begonnen, an den Berufsschulen ist viel passiert. Aber wenn ein Jugendlicher einen Ausbildungbetrieb findet, findet sich ein Weg“, sagt Beetz.

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„Bis 2030 werden in der deutschen Wirtschaft zehnmal mehr Menschen mit einer beruflichen Ausbildung gebraucht als solche mit einer akademischen Ausbildung“, sagt Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm.
„Bis 2030 werden in der deutschen Wirtschaft zehnmal mehr Menschen mit einer beruflichen Ausbildung gebraucht als solche mit einer akademischen Ausbildung“, sagt Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm. | Bild: Handwerkskammer Ulm

Experte: "Handwerker werden dauerhaft sehr gefragt sein"

Das Handwerk sucht dringend Fachkräfte. „Bis 2030 werden in der deutschen Wirtschaft zehnmal mehr Menschen mit einer beruflichen Ausbildung gebraucht als solche mit einer akademischen Ausbildung“, sagt Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm. „Gut ausgebildete Handwerkerinnen und Handwerker werden dauerhaft sehr gefragt sein.“ Jetzt schon müssen Handwerksbetriebe Aufträge ablehnen oder Kunden warten lassen.

Duale Ausbildung als Gewinn

Für Kfz-Meister Fabian Brinz ist eine duale Ausbildung ein Gewinn. „Das ist ein enormer Schub für die Persönlichkeitsentwicklung“, sagt er. „Im Handwerk müssen die Azubis gleich Verantwortung übernehmen, sie schauen über den Tellerrand hinaus und sie sind früh finanziell unabhängig.“ Gleich nach der Gesellenprüfung können sie die Weiterbildung zum Meister angehen. Als Meister haben sie die allgemeine Hochschulreife. Meister verdienen auch in der Industrie oft mehr als Akademiker. Zu Recht, sagt Brinz: „Wenn jemand dreieinhalb Jahre Ausbildung und die Meisterausbildung hat, dann kann er wirklich etwas.“ Er sucht für das nächste Jahr wieder einen Azubi.

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