Sie sind als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen, arbeiten inzwischen oder absolvieren eine Ausbildung und wollen sich integrieren. Trotzdem müssen viele mit der Angst leben, jederzeit abgeschoben zu werden oder ihre Arbeitserlaubnis zu verlieren. Das belastet nicht nur die Geflüchteten, sondern auch die Unternehmen. Es fehle Planungssicherheit, betont Antje von Dewitz, Geschäftsführerin des Sportausrüsters Vaude aus Tettnang. Zusammen mit über 120 Unternehmen und Handwerkern aus Baden-Württemberg und Bayern fordert sie mit der Initiative „Bleiberecht durch Arbeit“ Änderungen und Ergänzungen im Aufenthaltsrecht.

2000 Flüchtlinge angestellt

„Wir haben alle Geflüchtete in unserem Unternehmen, teilweise schon seit mehreren Jahren“, sagte Gottfried Härle, Geschäftsführer der Leutkircher Brauerei Härle, bei einer Pressekonferenz in Berlin. Die Unternehmen in der Region beschäftigen Geflüchtete laut Härle, um einen Beitrag zur Integration zu leisten, aber auch weil dringend Arbeitskräfte benötigt werden. Insgesamt sind mehr als 2000 Flüchtlinge in den 120 Unternehmen angestellt. Für Vaude-Geschäftsführerin von Dewitz ist Integration kein Spaziergang, aber auch lohnenswert. Ihr Unternehmen sei nicht nur Arbeitgeber, sondern auch Integrationsdienstleister, der sich um die Sprachprobleme und Behördengänge seiner geflüchteten Mitarbeiter kümmert. Es sei jedoch schön zu erleben, wie im Unternehmen ein tolles Miteinander entstanden sei.

Nötiger Integrationswille

Die Unsicherheit, Woche für Woche nicht zu wissen, ob einige der Geflüchteten in Deutschland bleiben dürfen oder nicht, sei nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für die Unternehmen belastend, betonte von Dewitz. Die Initiative fordert deshalb eine zweijährige Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis für Geflüchtete, die eine feste Arbeits- oder Ausbildungsstelle haben. Dafür sollen die Flüchtlinge laut von Dewitz einige Kriterien erfüllen: Sie dürfen zum Beispiel nicht straffällig geworden sein und müssen Integrationswillen zeigen. Innerhalb der zwei Jahre sollen sich die Geflüchteten dann beweisen können. „Wer sich bei klaren Spielregeln gut integriert, soll auch die Chance erhalten, bleiben zu dürfen“, sagte sie. Bis ein entsprechendes Gesetz verabschiedet wird, fordert die Initiative keine weiteren Abschiebungen von Geflüchteten, die arbeiten oder eine Ausbildung absolvieren. Geduldete Personen, die erwerbstätig waren und denen die Arbeitserlaubnis entzogen wurde, sollen eine neue erhalten.

Zusätzliche Qualifikationen

Laut Markus Winter, Geschäftsführer der Industrie-Dienstleistung Süd (IDS), ist der Vorschlag der Initiative auch für Geflüchtete von Vorteil, die in ihr Heimatland zurückkehren möchten: Sie können innerhalb der zwei Jahre zusätzliche Qualifikationen erlernen und sich ein Startkapital erarbeiten. „Diese Menschen sind die besten Entwicklungshelfer“, ist Winter überzeugt.

Für Härle ist der Vorschlag der Initiative die ideale Lösung für die Interessen der Arbeitgeber, der Geflüchteten und des Staates. Die Unternehmer tauschen sich deshalb mit Politikern aus und stellen ihre Ideen vor. „Wir bieten eine rationale und pragmatische Lösung.“