Die dänische Regional-Airline Sun Air hat für ihre deutsche Tochter Insolvenz angemeldet, teilt das Unternehmen mit. Damit liegen die für den Franchisepartner British Airways abgewickelten Linien von Friedrichshafen nach Düsseldorf und Toulouse auf Eis. Bereits vor der Corona-Pandemie hatte Sun Air die Verbindung nach Hamburg eingestellt, weil sie den Erwartungen nicht entsprach.

Im Januar 2018 unterzeichneten Claus-Dieter Wehr (links) und Sun-Air-CEO Kristoffer Lundberg einen Drei-Jahres-Vertrag für die Fluglinie nach Hamburg. Im Januar 2020 stellte Sun Air die Verbindung wieder ein.
Im Januar 2018 unterzeichneten Claus-Dieter Wehr (links) und Sun-Air-CEO Kristoffer Lundberg einen Drei-Jahres-Vertrag für die Fluglinie nach Hamburg. Im Januar 2020 stellte Sun Air die Verbindung wieder ein. | Bild: Anette Bengelsdorf

Damit zieht sich die Airline, die im März 2018 mit der Düsseldorf-Linie in Friedrichshafen einstieg, nun komplett vom Bodensee-Airport zurück. Hier waren zur Hochzeit drei Flugzeuge stationiert. Im November 2020 hatte die Fluggesellschaft noch angekündigt, ab August dieses Jahres den Betrieb auch ab Friedrichshafen wieder aufnehmen zu wollen. Im gleichen Monat erhielten die 13 Beschäftigten am Bodensee Airport aber bereits die betriebsbedingte Kündigung.

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„Aufgrund der Corona-Krise ist der Geschäftsbetrieb in die Krise geraten“, teilte das Unternehmen den Grund für die Pleite mit. Die Auftragslage sei um bis zu 90 Prozent eingebrochen. Ein Schicksal, das Sun Air in dieser Pandemie mit vielen Fluggesellschaften teilt. Die Insolvenz wurde am 12. Januar beim Amtsgericht Augsburg beantragt. Grund dafür waren nach Informationen des Onlineportals „Aerotelegraph“ Schwierigkeiten mit dem Kurzarbeitergeld, das die Airline mehrere Monate lang bekam und offenbar zurückzahlen muss. Den Standort in Augsburg will Sun Air vorerst nicht aufgeben.

Sechste Pleite in zehn Jahren

Für die Flughafengesellschaft in Friedrichshafen (FFG) ist die nunmehr sechste Pleite einer Airline seit 2010, die den Bodensee Airport anflog, ein erneuter Nackenschlag. Jede insolvente Fluglinie reißt ein Loch in den Flugplan und geht mit zum Teil drastischen Umsatzverlusten einher.

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Ganz so düster sieht Flughafen-Geschäftsführer Claus-Dieter Wehr die Sun-Air-Pleite derzeit allerdings nicht. Durch die Corona-Pandemie gibt es kaum noch Linienflüge, die Auswirkungen seien überschaubar. Außerdem habe Sun Air nur den deutschen Teil der Fluggesellschaft und deren Personal in die Insolvenz geschickt, so Wehr. Das Mutterhaus, also die Sun Air Dänemark, „ist unseres Wissens nicht insolvent“. Mit ihr habe der Flughafen die Verhandlungen geführt und die Verträge abgeschlossen. Ein Neustart werde ohne Personal freilich erschwert, sei aber nicht unmöglich, da die Strecke Augsburg – Marseille weiter bedient werde, so Wehr.

Mit seiner Kampagne „Ja zum Bodensee-Airport“ forderte die Gewerkschaft Verdi nach den Sommerferien den Erhalt des Flughafens und damit vieler Arbeitsplätze.
Mit seiner Kampagne „Ja zum Bodensee-Airport“ forderte die Gewerkschaft Verdi nach den Sommerferien den Erhalt des Flughafens und damit vieler Arbeitsplätze. | Bild: Cuko, Katy

Und wie geht‘s auf den Sun-Air-Strecken nach Düsseldorf und Toulouse weiter? Die seien aufgrund der bisherigen Nachfrage, die sich auch wieder einstellen wird, glaubt Wehr, für Fluggesellschaften nach wie vor interessant. „Wir führen dazu weiterhin Gespräche mit Sun Air, aber auch mit anderen Gesellschaften.“

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Druck ist trotzdem nach wie vor im Kessel. Die wirtschaftliche Lage am Flughafen ist – nicht nur in Friedrichshafen – äußerst angespannt. Nur hatte der Bodensee-Airport bereits vor der Pandemie finanziell Schlagseite. Im November hatten die beiden Hauptgesellschafter, Stadt Friedrichshafen und der Bodenseekreis, erneut 30 Millionen Euro bis zum Jahr 2025 bewilligt, um den Flughafen über Wasser zu halten und nötige Investitionen zu finanzieren. 2017 wandten die kommunalen Eigner 17 Millionen Euro auf, um die FFG zu entschulden.