Mit ihrem Sommer-Open-Air holen Martin Möcking und Matthias Becht im August einige der Veranstaltungen nach, die eigentlich in den vergangenen Monaten in der Alten Fabrik hätten stattfinden sollen. Schon der Fabrik-Kabarett-Klub mit Martina Brandl und Gästen und auch das schwäbische Comedy-Duo „Dui do on de Sell“ erfreuten sich an zwei lauen Sommerabenden eines starken Publikumsandrangs. Der Auftritt des bayerischen Kabarettisten Martin Frank, der ursprünglich für Mitte Mai geplant war, zog am Samstag 270 Besucher an. „Wir hätten noch weitaus mehr Karten verkaufen können“, sagt Betreiber Martin Möcking, „uns sind jedoch die Stühle ausgegangen.“ Passend zum verschobenen Termin lautete der Titel des Programms „Es kommt wie´s kommt“.

Genuss auf der Wiese hinter dem Hotel Sternen

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Mit einem kühlen Getränk in der Hand und ausreichend Abstand machten es sich die Gäste auf der weitläufigen Wiese hinter dem Hotel Sternen bequem und blickten gespannt auf die mobile Open-Air-Bühne, die von B. Light-Veranstaltungen aus Frickingen für insgesamt fünf Vorstellungen installiert worden war. „Stefan Burgenmeister von B. Light-Veranstaltungen und wir ziehen an einem Strang“, sagt Eventmanager Matthias Becht, „ohne ihn und seine Technik ginge gar nichts. Er liefert die Hardware, wir die Software.“

270 Zuschauer fanden am Samstagabend den Weg aufs Open-Air-Gelände und Eventmanager Matthias Becht hätte noch weit mehr Karten verkaufen können.
270 Zuschauer fanden am Samstagabend den Weg aufs Open-Air-Gelände und Eventmanager Matthias Becht hätte noch weit mehr Karten verkaufen können. | Bild: Manuela Klaas

Der Traum vom Opernsänger

Und die Software hatte es am dritten Veranstaltungsabend in sich: Martin Frank, 28 Jahre jung, Landwirtssohn, Niederbayer. Der Jungspund hatte einen großen Traum: Er strebte eine Karriere als Opernsänger an und wollte sich in Salzburg am Mozarteum ausbilden lassen. Geübt für die Aufnahmeprüfung hat er gefühlt überall – beim Bäcker, beim Metzger und im heimatlichen Stall. Den Rindviechern bescherte er mit seinen Mozartarien einen schier unglaublichen Milcheinschuss. Dass aus der großen Opernkarriere dennoch nichts wurde, lag am Texthänger beim Vorsingen: Nachdem er die Arie „Toreador“ aus Carmen auf Französisch anstimmte und zwischendurch ins Bayerische verfiel, setzte ihn der Prüfungsausschuss kurzerhand vor die Tür. Aus war´s mit dem Lebenstraum. Auch auf dem Open-Air-Areal der Alten Fabrik schmettert er die Stierkampfarie in zwei Sprachen. Mit unprätentiös klarer Tenorstimme, wofür er begeisterten Applaus erntet. In Mühlhofen hätte ihn definitiv niemand nach Hause geschickt.

Die Open-Air-Bühne auf dem Areal hinter dem Hotel Sternen wurde von B. Light-Veranstaltungen aus Frickingen installiert.
Die Open-Air-Bühne auf dem Areal hinter dem Hotel Sternen wurde von B. Light-Veranstaltungen aus Frickingen installiert. | Bild: Manuela Klaas

Frank mit ureigenem niederbayerischen Stil

Der Mann mit den zwei Vornamen plaudert den gesamten Abend über aus seinem Leben. Dabei outet er sich als Landei, das der Meinung seiner 90-jährigen, höchst resoluten Oma einen hohen Stellenwert einräumt. Es ist der ureigene niederbayerische Stil, der durch hohe Emotionslosigkeit beeindruckt und beim Publikum bestens ankommt. Das, was aus ihm heraussprudelt, wirkt alles mehr oder weniger spontan, tatsächlich ist dieses Soloprogramm jedoch minutiös komponiert. Die Lebenswelt des Martin Frank passt jedenfalls hervorragend in die Atmosphäre des Areals, befindet sich doch direkt hinter der Bühne ein großer Getreidesilo.

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Publikum vom Open Air begeistert

Uli Vomhof aus Oberuhldingen findet die Idee des Sommer-Open-Airs „mega“: „Mit Freunden einen lustigen Abend verbringen und dazu einen schönen Wein zu trinken vermittelt ein Gefühl von Normalität. Was die Betreiber der Alten Fabrik in so einem kleinen Ort wie Mühlhofen auf die Beine stellen, ist wirklich bemerkenswert. Ich war bisher bei allen drei Open-Air-Veranstaltungen.“ Dass die Wiese hinter dem Hotel so gut angenommen wird, freut die Macher der Alten Fabrik. „Das Wetter spielt uns in die Karten und das Publikum ist super drauf“, bestätigen Möcking und Becht. „Einige Zuschauer kommen sogar aus Ulm, Villingen-Schwenningen, der Schweiz und aus Bayern.“

Uli Vomhof, Oberuhldingen: „Ich finde die Idee der Sommer-Open-Airs mega. Was die Betreiber der Alten Fabrik in so einem kleinen Ort wie Mühlhofen auf die Beine stellen, ist wirklich bemerkenswert.“
Uli Vomhof, Oberuhldingen: „Ich finde die Idee der Sommer-Open-Airs mega. Was die Betreiber der Alten Fabrik in so einem kleinen Ort wie Mühlhofen auf die Beine stellen, ist wirklich bemerkenswert.“ | Bild: Manuela Klaas

Aus im Januar droht

Doch wie geht es im Herbst weiter? „Wir planen bis einschließlich Dezember ein ganz normales Kabarettprogramm. 2020 ist unser Jubiläumsjahr, vor zehn Jahren haben wir die Alte Fabrik ins Leben gerufen“, sagt Becht. „Wir wollen sie erhalten und deswegen ziehen wir alles durch, was geht. Wie es aussieht, wird dies in den kommenden Monaten mit siebzig anstelle der üblichen zweihundert Zuschauern geschehen.“ Verdienen lässt sich mit diesem Konzept nichts. „Als private Kleinkunstbühne bekommen wir keinerlei Unterstützung vom Land. Und die Fixkosten sind unverändert. Bis Ende des Jahres halten wir das durch, da wir den Förderverein im Rücken haben. Ändert sich nichts an der derzeitigen Situation, ist im Januar Schluss.“ Ein bitteres Fazit.

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