Nach der Corona-Zwangspause öffnete die Alte Fabrik am Samstag wieder ihre Pforten – wenn auch nur für ein einmaliges Gastspiel des Stuttgarter Travestiekünstlers Michael Panzer alias Fräulein Wommy Wonder. „Wir freuen uns, dass es nach drei endlos langen Monaten wieder eine Veranstaltung in der Alten Fabrik gibt“, kommentierte Eventmanager Matthias Becht die Entscheidung. „Allerdings bleibt es vorerst auch bei diesem einen Auftritt. Es ist eine absolute Ausnahme, dass ein Künstler bei uns unter den zurzeit gültigen Auflagen gastiert. In den nächsten fünf Wochen wird es keine weitere Veranstaltung hier im Haus geben, da wir eine solche vom Aufwand und den Kosten her schlichtweg nicht stemmen können.“

Raum fasst sonst 200 Personen

Ursprünglich geplant war der Auftritt Panzers mit 70 Zuschauern, in einem Raum, der ansonsten 200 Personen fasst. Da es jedoch auch Einzelbuchungen gab, musste Becht die Anzahl der Gäste nochmals um drei auf 67 reduzieren: „Paare und Familien kann ich zusammensetzen, bei der Reservierung dreier Freundinnen geht das nicht“, erläuterte Becht, während er mit dem Zollstock am Tag vor der Veranstaltung peinlichst genau den vorgeschriebenen Abstand von 1,5 Metern zwischen den einzelnen Plätzen nachmaß.

Lachen mit Abstand hieß es bei der ersten Veranstaltung nach drei Monaten in der Alten Fabrik. Theresia Faschian war mit Tochter Nathalie aus Sauldorf angereist.
Lachen mit Abstand hieß es bei der ersten Veranstaltung nach drei Monaten in der Alten Fabrik. Theresia Faschian war mit Tochter Nathalie aus Sauldorf angereist. | Bild: Manuela Klaas

Der Ansturm auf die Karten war groß. „Unter normalen Umständen hätten wir bei Wommy Wonder ein volles Haus gehabt“, konstatierte Becht. Diejenigen, die das Glück hatten, eine Karte zu ergattern, kamen in den Genuss eines mit Höhepunkten aus dreieinhalb Jahrzehnten Bühnenkunst gespickten Auftritts des schrägen Kultfräuleins mit der überdimensionalen Schaumstoff-Turmfrisur. Auch Panzer merkte man die Freude über den Auftritt an: „Nach Wochen sehe ich wieder Menschen und nicht mehr Autoscheiben.“

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Neben seiner Rolle als Kultdiva im Glitzerfummel begeisterte er auch als schwäbische Raumpflegerin Elfriede Schäufele, die mit geblümter Kittelschürze, draller Oberweite und Lockenwicklerfrisur ihre Perlenkette wie einen Hula-Hoop-Reifen um den Hals kreisen ließ. Dass er dabei nicht wie üblich staubwedelnd durch die Zuschauerreihen marschierte, war ebenfalls den strengen Corona-Regeln geschuldet.

Mit geblümter Kittelschürze, Lockenwicklern und Staubwedel: Michael Panzer alias Elfriede Schäufele.
Mit geblümter Kittelschürze, Lockenwicklern und Staubwedel: Michael Panzer alias Elfriede Schäufele. | Bild: Manuela Klaas

Matthias Becht und Martin Möcking genossen sichtlich den Spaß, den die Zuschauer an diesem Abend hatten. „Wir haben in den zurückliegenden Wochen ganz viel Unterstützung vom Publikum und unserem Förderkreis ‚Freundeskreis Alte Fabrik Mühlhofen‘ erfahren dürfen“, berichteten die Betreiber der Mühlhofener Kleinkunstbühne. „Es gingen viele Spenden ein, bereits gekaufte Karten für abgesagte Veranstaltungen wurden nicht zurückgegeben oder die Tickets wurden in Gutscheine getauscht.“

Im August Open-Air-Veranstaltungen

Angefeuert durch so viel Zuspruch und Solidarität schmieden die beiden bereits Pläne für den Sommer. „Auf der Wiese hinter dem an die Alte Fabrik angrenzenden Gasthaus Sternen sind für den August Open-Air-Veranstaltungen geplant“, verriet Becht. „Die Kabarettisten Martin Frank und Barbara Ruscher haben bereits zugesagt, eventuell kommt auch Martina Brandl mit dem Fabrik Kabarett Klub. Vieles hängt nach wie vor von den weiteren Lockerungen der Landesregierung ab.“

Das Team der Alten Fabrik agierte mit Maske.
Das Team der Alten Fabrik agierte mit Maske. | Bild: Manuela Klaas

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