Für Stefan Anders ist die Arbeit auf dem Wertstoffhof in Uhldingen-Mühlhofen eine schöne Abwechslung. Seit etwas mehr als zwei Jahren arbeitet der Rentner auf dem Hof. Dabei ist er an der frischen Luft, unterhält sich mit vielen verschiedenen Menschen und steht ihnen bei der Müllentsorgung beratend zur Seite. „Mir macht die Arbeit großen Spaß“, sagt der 69-Jährige und lächelt.

Stefan Anders ist gelernter Informatiker und war zehn Jahre lang stellvertretender Betriebsratsvorsitzender bei Airbus. In seiner Zeit als Rentner möchte er mit Computern nichts mehr zu tun haben, erzählt er. „Aber den Umgang mit Menschen, den brauche ich“, betont Anders, der sich selbst als „recht extrovertiert“ bezeichnet. Also schickte er seine Bewerbung ab und wurde kurzerhand Mitarbeiter beim Wertstoffhof.

Pro Arbeitsschicht von Stefan Anders kommen etwa 150 Autos auf den Wertstoffhof gefahren, um ihren Müll wegzubringen.
Pro Arbeitsschicht von Stefan Anders kommen etwa 150 Autos auf den Wertstoffhof gefahren, um ihren Müll wegzubringen. | Bild: Mona Lippisch

Zwei Mal pro Woche arbeitet der 69-Jährige gemeinsam mit einem weiteren Mitarbeiter auf dem Hof in der Tüfinger Straße, eine Schicht dauert etwa drei Stunden. „Mittlerweile kenne ich viele Kunden und habe einen Blick für die Menschen bekommen“, erzählt Stefan Anders.

Er findet es „schrecklich“, was heutzutage alles weggeworfen wird – von Elektrogeräten bis hin zu Möbeln und Unmengen an Papiermüll sei einiges mit dabei. „Die Dinge werden heute nicht mehr repariert, sondern kommen direkt auf den Müll“, weiß der Rentner.

Häufig erwähne Stefan Anders gegenüber Kunden das Reparaturcafé in Salem, wo beispielsweise kaputte Fernseher repariert werden könnten. Aber nur die wenigsten würden einen solchen Tipp annehmen. „Meistens heißt es: Ein neuer Fernseher ist schon bestellt“, berichtet er. Erschreckend sei aus Sicht des 69-Jährigen die ansteigende Menge an Verpackungsmüll. Vier große Papiercontainer seien nach nur vier Tagen gefüllt. Der Rentner ist sich sicher: „Das kommt alles vom Onlineshopping.“

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Kundenverhalten ändert sich in der Corona-Krise

Während die Arbeit von Stefan Anders während der Corona-Krise gleichgeblieben ist, habe sich das Verhalten der Menschen auf dem Wertstoffhof „deutlich“ verändert. Zu Beginn der Pandemie seien die Kunden vorsichtig gewesen, es sei selten zu Diskussionen gekommen. Doch das änderte sich nach einer Weile. „Immer häufiger wurden Bescheinigungen für eine Befreiung der Maskenpflicht vorgelegt, die meisten davon wurden nicht einmal von Ärzten ausgestellt“, erzählt Anders.

Stefan Anders, Mitarbeiter beim Wertstoffhof in Uhldingen-Mühlhofen: „Ich höre Ausreden über Ausreden. Und nicht selten werde ich verbal beleidigt.“
Stefan Anders, Mitarbeiter beim Wertstoffhof in Uhldingen-Mühlhofen: „Ich höre Ausreden über Ausreden. Und nicht selten werde ich verbal beleidigt.“ | Bild: Mona Lippisch

Und auch Menschen ohne Attest verweigerten in den vergangenen Monaten immer wieder das Tragen einer Maske auf dem Wertstoffhof. „Zum Glück passiert es nicht jeden Tag und zum Glück mussten wir auch erst einen Kunden nach Hause schicken“, berichtet der 69-Jährige. Alle anderen seien nach einigen Minuten Diskussion bislang einsichtig gewesen und hätten ihre Maske angezogen. Aber: „Ich höre Ausreden über Ausreden. Und nicht selten werde ich verbal beleidigt.“

„Als ich diese Beschimpfungen die ersten Male miterlebt habe, stieg mein Blutdruck ganz schön an. Ich fühlte mich ungerecht behandelt.“
Stefan Anders, Wertstoffhof-Mitarbeiter

Stefan Anders berichtet von Beschimpfungen wie „Habt ihr nen‘ Arsch auf?“ oder „Habt ihr ein Rad ab?“ Manche Kunden seien mitunter auch aggressiv, schlagen die Autotür zu und fahren mit quietschenden Reifen davon. „Es ist lästig“, sagt Anders deutlich. „Als ich diese Beschimpfungen die ersten Male miterlebt habe, stieg mein Blutdruck ganz schön an. Ich fühlte mich ungerecht behandelt“, erinnert sich der Rentner.

Die Corona-Abstandsregel kann zwischen den Grüncontainern auf dem Wertstoffhof nicht eingehalten werden, wie Stefan Anders demonstriert.
Die Corona-Abstandsregel kann zwischen den Grüncontainern auf dem Wertstoffhof nicht eingehalten werden, wie Stefan Anders demonstriert. | Bild: Mona Lippisch

Mittlerweile sei er etwas gelassener und wisse, wie er die meisten Menschen besänftigen könne. „Ich habe meine Argumente parat und wenn gar nichts hilft, drohe ich damit, sie wegzuschicken“, sagt Anders und schmunzelt. Er selbst könne die Regel nicht ändern, müsse aber dafür sorgen, dass sich die Menschen auf dem Wertstoffhof an die Vorschrift halten. Und die besagt: Auf dem gesamten Gelände herrscht eine Maskenpflicht. „Wir sind zwar an der frischen Luft, aber in manchen Bereichen kann der Abstand nicht eingehalten werden, etwa beim Grüncontainer“, begründet der 69-Jährige.

Stefan Anders ist vorsichtiger geworden

Seit dem Vorfall in Idar-Oberstein – der Mitarbeiter einer Tankstelle wurde erschossen, als er einen Kunden auf die Maskenpflicht verwies – ist Stefan Anders im Umgang mit den Menschen auf dem Wertstoffhof vorsichtiger geworden. „Ich bleibe einen Schritt zurück, wenn ich die Leute anspreche“, erklärt er. Außerdem achte Anders auf seinen Arbeitskollegen – und umgekehrt. „Wenn es zu schwierigen Situationen kommt, stehen wir einander bei.“

Der Rentner aus Uhldingen-Mühlhofen hofft, dass der Umgang mit den Kunden auf dem Wertstoffhof in Zukunft wieder etwas entspannter wird. „Ich wünsche mir, dass sich die Leute hier an die geltenden Corona-Regeln halten und diese auch respektieren“, sagt er deutlich. Durchschnittlich seien die Menschen nur etwa fünf bis 15 Minuten auf dem Hof – „das geht auch mit Maske“.

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