Die Natur erobert sich ihr Revier zurück. Während die Uferpromenade am Wochenende und an den Osterfeiertagen gesperrt ist, tapste am Samstagmorgen ein Biber über die Promenade am Mantelhafen. Wie SÜDKURIER-Leser Erik Dolloo-Heidger aus Überlingen in einer Mail an die Redaktion schilderte, habe er das Nagetier gegen 8 Uhr beobachtet, wie es zunächst durch den Mantelhafen schwomm, wo coronabedingt außer dem Boot der Wasserschutzpolizei quasi nichts bewegt werden darf, bevor es über die breiten Stufen auf die Promenade kletterte. Dilloo-Heidger: „Der Biber setzte sich auf ein belaubtes Plätzchen am Treppenaufgang und putzte sich in aller Ruhe.“

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Als Vorsichtsmaßnahme, um ein Ausbreiten des Corona-Virus zu verhindern, hatte die Stadtverwaltung die Promenade zwischen Mantel- und Gondelehafen für Besucher gesperrt. Auch Sipplingen folgte diesem Beispiel, die Gemeinden seeaufwärts wollten die Erfahrungen von diesem Wochenende abwarten, um dann erneut über eine eventuelle Sperrung an den Osterfeiertagen nachzudenken.

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„Normalerweise wäre hier die Hölle los“, sagte Thomas Bötzer, der mit dem Rennrad von Aach im Hegau am Sonntag nach Überlingen radelte. Am Wendepunkt seiner etwa 60 Kilometer langen Tour, die zu seinen beliebtesten zählt, am Landungsplatz in Überlingen, stützte Bötzer seine Unterarme auf das Absperrgitter und genoss den Blick auf den See. Eis essen, Kaffee trinken – das war nicht möglich. Bötzer zog einen Schluck aus seiner mitgebrachten Wasserflasche und sagte, dass auf der Strecke durchs Bodensee-Hinterland mehr Radler unterwegs waren als gewöhnlich.

Hermann-Josef Faupel, Rechtsanwalt aus Überlingen, hier auf einem Archivbild am Hänselebrunnen, wo er sich vehement dafür einsetzt, dass Autofahrer das Recht der schwächeren Fahrradfahrer und Fußgänger respektieren.
Hermann-Josef Faupel, Rechtsanwalt aus Überlingen, hier auf einem Archivbild am Hänselebrunnen, wo er sich vehement dafür einsetzt, dass Autofahrer das Recht der schwächeren Fahrradfahrer und Fußgänger respektieren. | Bild: Hilser, Stefan

Der Überlinger Rechtsanwalt Hermann-Josef Faupel, der Widerspruch gegen die Sperrung einlegte, sagte, dass er nach der entsprechenden Veröffentlichung im SÜDKURIER „nur Unverständnis und Häme“ geerntet habe. Er stellte klar, dass er die Abstandsregeln für vernünftig halte. „Nur heiligt nicht jede Absicht die Mittel“, findet er. Zumal er bei einer Fahrradtour am Sonntagmorgen zwischen Altstadt und Affenberg via Kloster Birnau festgestellt habe, dass sich die Passanten und Fahrradfahrer zwar um Abstand bemühten. An Engstellen wie unterhalb der Birnau jedoch lasse sich das nicht realisieren, weshalb Faupelt die Verhältnismäßigkeit einer Sperrung der Promenade anzweifelt.

Sonntagsfährtchen nach Überlingen: Thomas Bötzer aus Aach im Hegau am Absperrgitter vor der Uferpromenade.
Sonntagsfährtchen nach Überlingen: Thomas Bötzer aus Aach im Hegau am Absperrgitter vor der Uferpromenade. | Bild: Hilser, Stefan

Der Palmsonntag 2020 wird in die Geschichte als sonniger Frühlingstag eingehen, an den sich jeder noch lange erinnern wird, weil man zu Hause hätte bleiben sollen, das aber kaum schaffte, weil er dafür doch eigentlich viel zu schön war. Evi Vix, die das Überlinger Ostbad als ihre zweite Heimat bezeichnet, wich zum Höhenweg bei Sankt Leonhard aus. Sie findet, Überlingen hat so viele schöne Plätze, da müsse man die Seekante auch mal meiden.

Statt im Slalom Spazierengehen

Wer an diesem Palmsonntag bei Sankt Leonhard spazierte und von dort den Blick auf den See genoss, konnte, wenn er wollte, die Abstandsregeln laut Corona-Verordnung einhalten. Zu ihr gesellte sich Helmut (seinen Nachnamen wollte er lieber nicht in der Zeitung lesen), er setzte sich ans andere Ende der Bank. Und dann kamen ihre Bekannten Hubert und Christine König entlangspaziert, man unterhielt sich auf die Distanz einer Wegesbreite. Königs spazierten zuvor im Wald, fast für sich alleine, wie sie sagten. Überhaupt, findet Christine König: „An der Promenade, das würde doch eh kein Spaß machen, wenn man im Slalom Spazierengehen müsste.“

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