„Maske auf!“ Das laute und strenge Kommando erwischt Marina und Reinhold Wischnewski an den Treppen von der Hofstatt auf die Münsterstraße auf dem falschen Fuß und trifft im Grunde die falschen. Sie zucken regelrecht zusammen. „Wir tragen eigentlich immer einen Mund-Nasen-Schutz“, betont Marina Wischnewski entschuldigend. „Nur wenn wir zusammen über den Platz gehen, legen wir die Maske ab.“

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Die beiden Nußdorfer haben Verständnis für die strengeren Vorgaben, die seit Anfang der Woche auch im öffentlichen Raum gelten. „Das muss in der aktuellen Situation schon sein“, sagt Reinhold Wischnewski: „Und wenn jemand glaubt, einen darauf hinweisen zu müssen, ist das im Grunde in Ordnung. Doch man muss ja nicht gleich so aggressiv sein.“

Dabei war es am Mittwoch richtig leer auf dem Überlinger Wochenmarkt. „Wir wissen es nicht, woran das heute liegt“, rätselt Emile de Bastian, der gemeinsam mit Ursula Rating aus Herdwangen Äpfel, Birnen, Pflaumen und frische Erdbeeren für den Obsthof Walser verkauft.

Auch hinter dem Stand gilt für Ursula Rating und Emile de Bastian Maskenpflicht, wenn der Abstand nicht eingehalten werden kann.
Auch hinter dem Stand gilt für Ursula Rating und Emile de Bastian Maskenpflicht, wenn der Abstand nicht eingehalten werden kann. | Bild: Hanspeter Walter

Am frühen Morgen hatte ihnen schon ein Vertreter der Abteilung für öffentliche Ordnung einen Besuch abgestattet und die Konsequenzen der verschärften Corona-Regeln erklärt. In allen Fußgängerzonen und Fußgängerbereichen gilt nach den neuesten Regelungen immer dann eine Maskenpflicht, wenn es zu eng wird und der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann.

Auch in den schmalen Altstadt-Gassen gilt die Maskenpflicht

Das gilt auf dem Wochenmarkt nicht nur für Kunden und Passanten, wenn es voll ist. Auch die Verkäufer hinter dem Stand haben dies zu beachten, sobald sie zu zweit oder dritt hinter dem Stand stehen. Betroffen sind im Grunde auch alle schmalen Wege in der Altstadt, zum Beispiel die Spitalgasse. Hier sind die Passanten allerdings noch sehr zurückhaltend, was die Bedeckung von Mund und Nase angeht.

Auch die Spitalgasse ist ein reiner Fußgängerbereich, für den die verschärften Regeln gelten.
Auch die Spitalgasse ist ein reiner Fußgängerbereich, für den die verschärften Regeln gelten. | Bild: Hanspeter Walter

Anders auf der Hofstatt und in der Münsterstraße zwischen den Marktständen. Hier trägt die Mehrzahl eine Maske. „Manche muss man schon noch darauf aufmerksam machen“, erklärt Emile de Bastian. Dennoch sei die Atmosphäre zwischen den Ständen recht entspannt – zumindest auf den ersten Blick. „Einige kuriose Erlebnisse hatte ich allerdings auch schon“, erzählt der Verkäufer.

Marktbeschicker berichtet von erbosten Kunden

„Als ich eine Frau auf die Maskenpflicht hingewiesen habe, wollte sie schon ihr Attest aus der Tasche holen.“ Sie könne das Papier getrost stecken lassen, habe er ihr gleich gesagt: „Ohne Maske bediene ich Sie nicht!“ Worauf die Kundin ihm gleich mit einer Anzeige gedroht habe. Ein anderer Kunde habe auf seine Kompetenz als Wissenschaftler hingewiesen. Doch auch damit konnte er ohne Maske bei Emile de Bastian nicht punkten.

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Schaut man sich um, halten sich in der Fußgängerzone aber die meisten Kunden an die vorgeschriebenen Vorsichtsmaßnahmen. Wie der Meersburger Roland Fischer, der in Überlingen arbeitet und regelmäßig auf dem Wochenmarkt einkauft. „Ich trage die Maske auch auf dem Markt immer und halte dies auch für sehr sinnvoll“, betonte er.

Zwei Typen von Kunden

„Vorsicht ist gut, Panik nicht“, formuliert Marlies Bucher aus Hilzingen-Riedheim, die immer wieder mittwochs frische Eier verkauft. „Vielleicht die Hälfte trägt eine Maske, die Hälfte nicht“, resümiert sie ihre Erfahrungen. Sie habe zwei Typen von Kunden beobachtet. Die einen seien vorsichtig und hielten auf jeden Fall Abstand, gingen aber entspannt mit der Situation um. Andere seien völlig angespannt und geradezu hysterisch aus Angst.

Wer alleine verkauft – wie Marlies Bucher – braucht nicht ständig eine Maske zu tragen.
Wer alleine verkauft – wie Marlies Bucher – braucht nicht ständig eine Maske zu tragen. | Bild: Hanspeter Walter

Zum ersten Typ gehört die nächste Kundin ohne Mund-Nasen-Schutz, die sich nicht mit Namen genannt wissen will. „Ich trage beim Einkaufen hier immer eine Maske“, versichert sie und will das Objekt schon aus der Tasche holen. „Doch ich hatte den Markt eben verlassen in Richtung Landungsplatz und die Maske schon eingepackt, als ich noch die Eier gesehen habe“, entschuldigt sie sich und geht etwas auf Distanz.

Die Situation auf dem Wochenmarkt sei für sie noch überschaubar, erklärt die Kundin. Wesentlich mehr Sorgen mache ihr die Verunsicherung der Kinder in der Schule. „Das stört mich viel mehr.“

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Ab Mittwoch, 4. November wird es noch etwas enger werden auf dem Überlinger Wochenmarkt. Dann müssen die Verkaufsstände für einige Monate in der Münsterstraße zusammenrücken, da die Bauarbeiten am Übergang von der Hofstatt zur Hafenstraße beginnen werden. Dass in diesem Jahr allerdings kein Weihnachtsmarkt in die Quere kommen wird, dürfte die wenigsten Überlinger freuen.

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