Nein, eine Massenveranstaltung soll es nicht werden, wenn der Überlinger Ortsteil Lippertsreute für den Sonntag zu einem „Wandertag“ einlädt. Mit Distanz und ohne zentralem Start und Ziel können Einheimische und Gäste auf drei neuen Themenwegen die zahlreichen Besonderheiten des Dorfes kennenlernen. „Wir wissen, dass dies eine Gratwanderung ist“, sagt Ortsvorsitzender Siegfried Hanssler. „Doch das Konzept ist so ausgelegt, dass die Besucher Abstand halten können und sich nicht konzentrieren.“

Im gleichen Stil wie die gelben Wanderwegweiser machen drei Symbole auf die neuen Themenwege rund um Lippertsreute aufmerksam.
Im gleichen Stil wie die gelben Wanderwegweiser machen drei Symbole auf die neuen Themenwege rund um Lippertsreute aufmerksam. | Bild: Hanspeter Walter

Auf den Strecken ist dies auch möglich, da Lippertsreute mit dieser Veranstaltung ohne großes Brimborium gleich drei neue weitläufige Themenwege vorstellen will, die ein weiteres Plus-Projekt zur Landesgartenschau (LGS) des Teilorts darstellen. Erst im kommenden Jahr ist daher auch eine offizielle Eröffnung im Rahmen der Landesgartenschau vorgesehen. Am Sonntag findet von 10 bis 17 Uhr quasi ein Pre-Opening statt.

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Tafeln informieren im Detail

Neue Tafeln, die Grafiker Fred Krahwinkel mit Karten und Bildern attraktiv gestaltet hat, informieren im Detail und neue Wegweiser zeigen die Richtung an. Ideell und finanziell unterstützt wurde der Teilort bei der Umsetzung neben der LGS-Förderung der Stadt auch vom Verschönerungsverein Überlingen und von den Freunden der Landesgartenschau. Thomas Vogler unterstützte das Dorf bei der Ausschilderung der neuen Routen mit Wegweisern und Symbolen. Ausgewiesen ist der Startpunkt zwar am Ortsrandparkplatz, doch können die Wege überall begonnen werden.

Seit 2018 gibt es bereits den Geschichtspfad

Schon im Juni 2018 war der Lippertsreuter Geschichtspfad feierlich eröffnet worden, dessen Inhalte insbesondere von Hermann Keller zusammengetragen worden waren. „Das ist quasi der ‚Stadtrundgang‘ “, sagt der damalige Ortsvorsteher Gottfried Mayer: „Jetzt gehen wir hinaus in die Landschaft und auf die Höfe.“ Von beidem hat Lipperstreute schließlich jede Menge zu bieten. Schon 1996 war der staatlich anerkannte Erholungsort zu einem der schönsten Dörfer im Land gekürt worden. Später war es bei der „Entente florale“ erfolgreich und schon 2008 war Lippertsreute das zweite Bioenergiedorf im Ländle.

Information auf unterhaltsame Weise

Es gibt also viel zu entdecken für die Wanderer. Und das wird ihnen nicht nur durch die Tafeln vor Ort vermittelt und erläutert. An jeder Tafel weisen zeitgemäße QR-Codes zu weiterführenden vertiefenden Informationen im Internet. Schon beim Geschichtsweg sind dies seit zwei Jahren auch einige Audio-Schnipsel, die Gottfried Mayer in moderater Mundart gesprochen hat. „Das sollen keinesfalls Lehrpfade sein“, betont Mayer. „Die Informationen werden auf unterhaltsame Weise präsentiert.“ Dazu trägt ein heiteres Ratequiz bei, das ist die Wanderer anspricht. Hilfreich bei der Orientierung ist auch ein neues Faltblatt, das an mehreren Stationen bereitliegt.

Obst ist eines der drei Themen der neuen Wege in Lippertsreute.
Obst ist eines der drei Themen der neuen Wege in Lippertsreute. | Bild: Hanspeter Walter

Erstes Thema der neuen Wege ist – es könnte kaum anders sein – das Obst. Schließlich fällt nicht nur der Intensivanbau rund um das bei der Apfelernte ertragreichste Dorf der Stadt selbst auf der Durch- oder Vorbeifahrt schnell ins Auge. Zudem kommt ein großer Sortengarten beim Unterdorf, der als ökologische Ausgleichsmaßnahme angelegt wurde und inzwischen als einer der neue Mähwiesen noch mehr zur Artenvielfalt beitragen soll. An dieser Station laden ein rustikaler Tisch mit zwei Bänken zum kurzen Verweilen ein. Viel mehr wird es auch am Sonntag nicht geben, um große Sitzgruppen zu vermeiden.

Der große Obstsortengarten im Unterdorf gehört ebenfalls zu den Stationen.
Der große Obstsortengarten im Unterdorf gehört ebenfalls zu den Stationen. | Bild: Hanspeter Walter

Dennoch bewirten und erfrischen die Lipperstreuter Vereine an fünf Stationen die Wanderer – fein, aber der Hygiene geschuldet eher flüchtig. Dennoch erwarten die Besucher gerade am Obstgarten auch kleine musikalische Beiträge. Dort, wo es wenige Sitzplätze gibt, nehmen die Vereine auch die Personalien auf, um bei Bedarf eine Rückverfolgung zu ermöglichen.

Zwei weitere interessante Themen

Ein weiteres Thema ist Feld, Wald und Wallfahrt. Damit ist schon angedeutet, dass der Weg unter anderem auch in die beeindruckende Schlucht des Aachtobel und zur dortigen Wallfahrtsstätte Maria im Stein führt.

Drittes Thema im Bunde sind die zahlreichen Bauernhöfe mit Hofläden und die Natur in Lippertsreute. Nicht nur einkaufen kann man hier, in Erinnerung gerufen und erläutert wird das ökologische Energiezentrum des Dorfes in Wackenweiler. Schon im Vorgriff auf das in den nächsten Monaten entstehende Heinz-Sielmann-Biotop ist diese Station schon aufgenommen. Bis zur Landesgartenschau im kommenden sollen hier fünf Stillgewässer das Bild und das Angebot an die Natur bereichern.

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