Das gibt es nicht so oft, dass sich derart viele Leser zu ein und dem selben Thema äußern. Meistens sind die Ansichten dann aber kontrovers. Doch nach dem Bußgeld der Stadt gegen die drei Skifahrer sind sich die Leserinnen und Leser, die sich mit Briefen an die Redaktion wandten, weitgehend einig: Geht gar nicht!

Als „völlig überzogen“ kritisiert Karl Peter aus Pfullendorf die Aktion. „Da wird dem Denunziantentum eine Plattform gegeben, die nicht notwendig ist.“ Er zieht Vergleiche zu anderen Sportarten, die seiner Ansicht nach ungeschoren davon kommen, weil hier viel Geld im Spiel sei. Peter: „Unsere Handballer fahren nach Ägypten, die Fußballer von Bayern München jetten um die halbe Welt, ohne Abstand, ohne Masken.“

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„Das Ordnungsamt macht sich mit dieser Maßnahme unglaubwürdig“, kommentiert Dr. Norbert Kläger aus Überlingen. „Zum Wochenmarkt stehen die Verkaufswagen auf der Münsterstraße so, dass die wartenden Käufer in Schlangen dicht an dicht sich gegenüber drängeln und die Fußgänger sich durchzwängen müssen.“ Es fehle der Mut, hier einzugreifen, findet Kläger. „Wie viel einfacher ist es, Bilder auszuwerten und Leute vom Schreibtisch aus zu verurteilen! Die ausgesprochenen Bußgelder sind skandalös und dienen dem Ernst der Sache nicht.“

„Die Nerven liegen blank“

Auch Frieder Kammerer aus Herdwangen schüttelt nach Lektüre des Berichts den Kopf. „Dass da die Kommune als unterste Ebene mittlerweile den Schwarzen Peter hat und entsprechend unduldsam agiert, weil Bund und Land ihr im Notlauf viele mehr oder weniger sinnfreie Bestimmungen vorsetzen, ist nicht verwunderlich.“ Man könne eigentlich Verständnis für das Handeln der Stadtverwaltung aufbringen: „Die Nerven liegen halt blank, grade nach dem Corona-Desaster mit Jubiläum und Landesgartenschau. Denke ich dann aber jüngst an das unbarmherzige und selbstgerechte Verhalten gegenüber Frau Weidel, die ihren Corona-Fehlgriff ja durchaus öffentlich zugegeben und sich entschuldigt hat, bleibt mir nur ein Kopfschütteln.“

„Wo bleibt Entschuldigung des Fotografen?“

Es gibt auch Stimmen, die nicht das Ordnungsamt kritisieren, sondern den Fotografen. Und so spricht Sabine Scholz aus Überlingen von einer „Provinzposse“. Sie fragt: „Wo bleibt eine Entschuldigung des Fotografen? Schließlich war er es, der die drei Skifahrer in diese missliche Situation gebracht hat, um selbst ein schönes Foto bei der Zeitung abzuliefern.“

Ähnlich positioniert sich Christian Grömmer aus Stetten: „Der Fotograf hätte darauf hinweisen können (wissend, ich welchen Zeiten wir leben), dass der Abstand nicht korrekt ist. Ich an seiner Stelle hätte mich dann zumindest später an der Strafe der Drei beteiligt.“

„Wasser auf die Mühlen der Corona-Gegner“

Dr. Thomas Müller aus Bermatingen lästert: „Sicherheit und Sauberkeit bekommt die Stadt Überlingen nicht hin, insbesondere in und um die schreckliche Kaltestellenschlucht der Eisenbahn.“ Dagegen beweise sie beim Fall um die Skifahrer Stärke, was „wie Wasser auf die Mühlen der Gegner von Corona-Vorschriften“ wirken könne.

„Ich bin fassungslos“, kommentiert Agi Müller aus Meersburg. „Ich bin selbst Fotografin, halte mich genau an die Verordnung, aber in diesem Fall hätte ich genauso gehandelt.“

Auf der Luisenhöhe in Überlingen. Früher fanden dort, vermutlich in den 70er Jahren, Skirennen der Schulen statt.
Auf der Luisenhöhe in Überlingen. Früher fanden dort, vermutlich in den 70er Jahren, Skirennen der Schulen statt. | Bild: Jürgen Gundelsweiler

„Nur vordergründig brav und angepasst“

Peter Placht aus Leibertingen kommentiert: „Der Bericht über die drei Skifahrer hat mich sehr betroffen gemacht. Natürlich ist es wichtig, dass sich jeder an die Corona-Regeln hält, doch die Skifahrer waren im Freien und nebeneinander, so dass das Risiko einer möglichen Ansteckung – wenn ich die Virologen richtig verstanden habe – wohl als gering einzustufen ist. Viel gefährlicher sind meiner Meinung nach die vielen heimlichen Treffen, die das Ordnungsamt nicht kontrollieren kann. Menschen anhand eines Fotos, das in einer Zeitung veröffentlicht wurde, mit einem Bußgeld zu bestrafen, ist für mich willkürlicher Amtsmissbrauch, der die Folge hat, dass alle sich vordergründig brav und angepasst verhalten und da, wo sie keiner kontrolliert, machen, was sie wollen. Keiner denkt mehr nach, was Sinn macht und was wichtig ist, sich und andere vor Ansteckung zu schützen.“

„Unsägliche Gärtnergeschichte“

Annette Eppler aus Daisendorf zieht einen Vergleich zu einem Fall zwischen Stadtverwaltung und Kleingärtner: „Warum nur fällt mir da ganz spontan jene unsägliche Gärntergeschichte ein, wo Gemüsepflanzen auf einer ungenutzten Wiese angebaut wurden und die dann per Gerichtsurteil entfernt werden mussten?“

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Brigitte Birnbaum aus Daisendorf: „Wenn das die Aufgaben des Ordnungsamts mittlerweile sind, dann gute Nacht. Jegliches Maß an Menschlichkeit scheint in dem Corona-Wahnsinn auf der Strecke geblieben zu sein.“