„Auf jeden Fall!“, lautet die prompte Antwort von Kamp-Lintforts Bürgermeister, ob die Entscheidung, die Landesgartenschau zu eröffnen, richtig war. Christoph Landscheidt gibt zu, dass es im Frühjahr kein leichter Entschluss gewesen sei, mit dem sich auch die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen schwer getan habe.

Aber die Niederrheiner gingen die Sache pragmatisch an, entwickelten ein Hygiene- und Abstandskonzept und probten an drei Wochenenden im April im Testbetrieb. „Wir hatten mit einigen Hundert Teilnehmern gerechnet“, erinnert sich Landscheidt. „Gekommen sind jeweils 10 000 Menschen.“ Danach sei man sich sicher gewesen, es wagen zu können.

Bürgermeister Christoph Landscheidt ist froh, dass die Gartenschau in seiner Stadt 2020 stattgefunden hat.
Bürgermeister Christoph Landscheidt ist froh, dass die Gartenschau in seiner Stadt 2020 stattgefunden hat. | Bild: Stadt Kamp-Lintfort

Am 4. Mai trat eine neue Corona-Schutzverordnung in Kraft und am nächsten Tag eröffnete in Kamp-Lintfort mit zweieinhalb Wochen Verspätung die einzige für dieses Jahr geplante Landesgartenschau. Überlingen und Ingolstadt entschlossen sich für die Verschiebung.

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Ihr Vorgehen habe auch Kritik hervorgerufen, erinnert sich Christoph Landscheidt, der Aufsichtsratsvorsitzender der Landesgartenschau 2020 gGmbH ist. Ihnen sei vorgehalten worden, warum sie nicht ebenfalls verschieben würden. „Wir hätten das Riesengelände ein Jahr lang absperren, pflegen und bewachen lassen müssen. Das ist auch ein Kostenthema. Das war nicht machbar“, sagt Landscheidt. „Dazu kam die Frage, ob man sicher sein kann, dass sich 2021 das Corona-Problem erledigt hat.“

Viele Besucher trotz Einschränkungen

Als die Laga, wie sie in NRW genannt wird, am 25. Oktober mit zwei Wochen Verlängerung ihre Tore schloss, hatten 450 000 Menschen die Schau besucht. In den Prognosen vom vergangenen Jahr hatte man mit 560 000 Besuchern gerechnet. Unter den gegebenen Umständen wertet Landscheidt die Besucherzahl trotzdem als Erfolg. Schließlich sei der Bustourismus weggefallen. Und auch Publikumsmagnete wie die Veranstaltungen auf der großen Bühne seien abgesagt worden.

„Man kann das Gelände in Überlingen mit unserem schwer vergleichen“, räumt Christoph Landscheidt ein. In Kamp-Lintfort verteilte sich die Schau auf drei Bereiche mit insgesamt 40 Hektar Fläche: den 25 Hektar großen Zechenpark als Kernstück sowie die historische Gartenanlage des Klosters Kamp und die Wandelwege dazwischen. In Überlingen sind es alles in allem 11,5 Hektar, wobei der Uferpark mit sechs Hektar den größten Anteil einnimmt. Landscheidt berichtet, dass die Besucher im Sommer dankbar für den Platz in der Natur gewesen seien.

Die Gartenanlagen rund um das Kloster Kamp bildeten das zweite Teilstück der Laga in Nordrhein-Westfalen.
Die Gartenanlagen rund um das Kloster Kamp bildeten das zweite Teilstück der Laga in Nordrhein-Westfalen. | Bild: Arno Ingenlath

Eine von Studenten der Hochschule Rhein-Waal durchgeführte Befragung hat laut einer Pressemitteilung ergeben, dass es den Gästen auf der Landesgartenschau insgesamt gut gefallen habe und die große Mehrheit begeistert sei. Dieser Einschätzung schließt sich Anja Katzke an, die als Redakteurin der Rheinischen Post in Moers die Laga von Anfang an begleitet hat: „Es war der richtige Weg. Die Landesgartenschau hat den Menschen gut gefallen und ist toll angenommen worden.“

Fokus auf den Pflanzen, nicht auf Veranstaltungen

Natürlich habe es in den Sommermonaten an einigen Attraktionen auch Warteschlangen gegeben, aber die Regeln seien von den Besuchern ohne Probleme akzeptiert worden. Anja Katzke erinnert sich, dass ein Mitarbeiter der Laga GmbH einmal zu ihr sagte, sie hätten in diesem Jahr eine Art Kern-Gartenschau, so wie früher, bei der vor allem die Pflanzen und nicht die Veranstaltungen im Vordergrund standen.

Bei der einzigen kontroversen Diskussion im Vorfeld, an die sich Anja Katzke erinnert, ging es um das Verbot von Hunden auf dem Gelände. In dem Punkt sind sich Überlingen und Kamp-Lintfort dann wieder sehr ähnlich.