Eine weit gereiste Besucherin musste sie bereits wegschicken, bedauert Jutta Graupner, medizinische Fachangestellte im Helios-Spital. Die Frau aus Baden-Baden wollte ihre Freundin besuchen. „Aber ich konnte sie aufgrund des Besuchsverbots leider nicht reinlassen.“ Die Baden-Badenerin war nicht erfreut, so Graupner, zeigte aber Verständnis und fuhr anschließend in die Heimat.

Derzeit empfängt Graupen die Krankenhausbesucher hinter den Eingangstüren des Spitals. Dort müssen sie erst zur Kontrolle an einem Maskenscanner vorbei und anschließend ihre Kontaktdaten abgeben. Bislang seien die Reaktionen der Besucher verständnisvoll ausgefallen, berichtet sie.

Die medizinische Fachangestellte Jutta Graupner empfängt im Helios-Spital hinter dem Maskenscanner die Besucher.
Die medizinische Fachangestellte Jutta Graupner empfängt im Helios-Spital hinter dem Maskenscanner die Besucher. | Bild: Cian Hartung

Junge Eltern beklagen Besuchsverbot

„Die Menschen scheinen gelassener zu sein. Man muss nicht mehr so viel erklären“, bewertet Claudia Prahtel, Sprecherin des Krankenhauses, die Reaktionen auf das Besuchsverbot. Mittlerweile gehöre Corona zum Leben dazu, meint sie. Im ersten Lockdown seien die Menschen deutlich verunsicherter gewesen.

Ein Maskenscanner am Eingang des Helios Spitals: Dieser erfasst alle Personen, die über den Haupteingang an dem Gerät vorbeilaufen. Das System reagiert in Echtzeit und gibt eine Rückmeldung zum Tragen oder Nicht-Tragen einer Mund-Nasen-Schutzmaske.
Ein Maskenscanner am Eingang des Helios Spitals: Dieser erfasst alle Personen, die über den Haupteingang an dem Gerät vorbeilaufen. Das System reagiert in Echtzeit und gibt eine Rückmeldung zum Tragen oder Nicht-Tragen einer Mund-Nasen-Schutzmaske. | Bild: Cian Hartung

Vor allem junge Väter seien aber traurig, dass sie ihre frisch geborenen Kinder nicht besuchen dürften, erklärt Prahtel. Väter dürften zwar zur Entbindung, müssten danach aber die Einrichtung verlassen. Auch auf der Social-Media-Plattform Facebook haben einige Nutzer in der Hinsicht ihren Unmut über das Besuchsverbot geäußert. Prahtel kann dies verstehen, macht aber Mut: „Nach wenigen Tagen dürfen Mutter und Kind dann nach Hause.“

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Dennoch unterstreicht Prahtel: Patienten dürften das Haus vorübergehend verlassen. Das Krankenhaus sei natürlich kein Gefängnis. Aber, so Prahtel: „Ein Besuchsverbot heißt auch ein Kontaktverbot.“ Man dürfe sich als Patient nicht einfach draußen oder am benachbarten Supermarkt mit Angehörigen treffen. Denn so könnte man das Virus ins Haus tragen. Kontrollieren könne man die Laufwege der Patienten nicht, dennoch vertraut man auf ihre Vernunft.

Rentnerin ist froh, dass sie das Spital pünktlich zum Besuchsstopp verlassen darf

Weniger Verständnis für die Maßnahmen hat die Rentnerin Katharina Amsberger. „Ich finde das Besuchsverbot entsetzlich“, sagt sie, als sie mit ihrer Tasche vor dem Krankenhaus steht. „Ich war vier Tage hier und bin froh, dass ich das Krankenhaus nun pünktlich zum Besuchsstopp verlassen darf“, so die Rentnerin, die darauf wartet, von einer Angehörigen abgeholt zu werden.

„So allein zu sein, fühlt sich an, als würde man sterben.“
Die ehemalige Patientin Katharina Amsberger über die Folgen des Besuchsverbots für ältere Patienten

„Die einsamen Nächte im Krankenhaus sind grauenvoll“, erzählt sie. Ständig sei sie aufgewacht, weil ihre Zimmernachbarin untersucht worden sei. „So allein zu sein, das fühlt sich in meinen Augen an, als würde man sterben.“ An ihre Zimmernachbarin, die weiter im Krankenhaus liegt, werde sie in den kommenden Tagen denken. Diese sei operiert worden und müsse nun auf Station bleiben. „Sie tut mir leid“, sagt Amsberger, steigt ins Auto ihrer Angehörigen und fährt weg.

Das Helios-Spital in Überlingen: Bereits zur ersten Corona-Welle im März wurde hier ein Besuchsverbot verhängt.
Das Helios-Spital in Überlingen: Bereits zur ersten Corona-Welle im März wurde hier ein Besuchsverbot verhängt. | Bild: Hilser, Stefan

Ältere Patienten würden sich über Besuche freuen

Die Patientin Barbara Garau hält das Besuchsverbot dagegen für „generell richtig“. „Keiner möchte, dass ein Besucher das Coronavirus oder eine andere Infektion in das Krankenhaus trägt und es dort verbreitet.“ Für ältere Menschen, das gebe sie zu, sei es aber natürlich ein großes Problem, keinen Besuch zu bekommen.

Auch die Patientin Claudia Burato sieht die Licht- und Schattenseiten des Besuchsverbots. „Vom gesundheitlichen Aspekt macht es natürlich Sinn“, meint die Patientin. „Aber auf den Stationen liegen viele ältere Menschen“, berichtet sie, „diese sind möglicherweise einsam und würden sich über jeden Besuch in diesen Zeiten freuen.“

Telefone zum Ausleihen zur Überbrückung des Kontaktverbots

Claudia Prahtel kann Klagen dieser Art verstehen. Doch sie merkt an: „Wir müssen als Krankenhaus leistungsfähig bleiben und für die Gesellschaft da sein.“ Diese Grundlagen gingen aktuell leider vor.

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Damit ältere Patienten dennoch mit Angehörigen sprechen können, bietet das Krankenhaus eine Lösung an: Wer nicht ohnehin ein Smartphone besitzt oder dieses nicht im Krankenhaus hat, erhält an der Rezeption ein schnurloses Festnetz-Telefon, erklärt Prahtel. Für die Dauer des stationären Aufenthalts können Patienten unbegrenzt mit ihren Angehörigen telefonieren. So lässt sich ein ausgefallener Besuch wie zum Beispiel von Angehörigen aus Baden-Baden besser verkraften.