Fassen sie Gebäude am Siedlungsrand ins Auge, ist es Flächenfraß. Wagen sie eine Nachverdichtung innerhalb der Stadtgrenzen, wird es leicht zum Baumfrevel. Wollen sie den Bestand aufstocken, heißt es schnell Gigantomanie. Stadtplaner wie Thomas Kölschbach haben es derzeit nicht leicht. Denn über allem schwebt die Forderung: Wir brauchen dringend Wohnungen – und zwar möglichst preiswerte.

Dazu hat Kölschbach das Überlinger Wohnbaulandmodell entwickelt, das unter anderem auf eine Nachverdichtung innerhalb des Siedlungsbereichs setzt. Zum Beispiel an der Rauensteinstraße unterhalb des Schlossareals, das die Stadt erst vor einigen Jahren dem Bodenseekreis abgekauft hatte. Die großen Träume vom Hochschulstandort sind zwar geplatzt, doch als grüne Oase ist die Immobilie ein Juwel für Spaziergänger.

Thomas Kölschbach, Stadtplaner
Thomas Kölschbach, Stadtplaner | Bild: Sabine Busse

Aufschrei, als Pläne erstmals diskutiert wurden

Der Aufschrei war daher nicht nur bei den Anliegern groß, als die Pläne zu einer Bebauung am Rand des Rauensteinparks erstmals diskutiert worden waren. Stadtverwaltung und Gemeinderat hatten sich aus mehreren Gründen über dieses Vorhaben verständigt. Zum einen erhofft man sich von der Bebauung an der Rauensteinstraße einen Beitrag zur Refinanzierung des Kaufpreises für das ganze Schloss-Areal. Zum anderen lässt sich mit dem Projekt die vorhandene Infrastruktur nutzen und es ist keine Erschließung erforderlich.

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Konkreten Bebauungsplan im Bauausschuss vorgelegt

Einen städtebaulichen Entwurf als Grundlage für die Neuaufstellung eines Bebauungsplane hatte der Gemeinderat am 30. September 2020 einstimmig beschlossen und damit zugleich die Überplanung eines Teils der Grünfläche bei Schloss Rauenstein zu Wohnbauland befürwortet. Nun legte Thomas Kölschbach dem Ausschuss für Bauen, Technik und Verkehr den konkreten Entwurf für einen Bebauungsplan vor. Vorgesehen sind danach insgesamt drei Gebäude einschließlich der Überbauung des bestehenden Parkplatzes.

Rund 50 Wohneinheiten können entstehen

Um den alten Baumbestand zu schonen, ist das mittlere der drei Gebäude zweischenklig konzipiert und ragt etwas tiefer in den Grünbereich hinein. Entstehen könnten nach diesen Vorstellungen rund 50 Wohneinheiten. Ein kleiner Bau mit sechs Wohnungen ist auf der Ecke zwischen der Kiblersteige und dem Fußweg zum Schloss vorgesehen, der als Zugang zum Park an der aktuellen Stelle erhalten bleiben soll. Die acht größten Bäume – darunter ein Mammutbaum – sollen ebenfalls stehen bleiben. Mit dem Bebauungsplan soll zugleich eine Aufstockung der bestehenden Wohngebäude nördlich der Rauensteinstraße ermöglicht werden.

An den Konsens, mit dem Verkauf der Grundstücke den Erwerb des Schlosses selbst zu finanzieren, erinnerte Stadtrat Michael Wilkendorf (SPD). Aufgrund der vorhandenen Erschließung sei der Standort bestens geeignet. Zudem wäre die Bebauung aus seiner Sicht „ein idealer Einstand“ für eine städtische Wohnbaugesellschaft. Dem Trend, dass derzeit gerne Penthousegeschosse gebaut würden, wollte Jörg Bohm (CDU) vorbauen und durchweg Vollgeschosse vorschreiben. „Wir sollten eindeutig komplette Gründächer festlegen“, sagte er, sonst entstünden dort möglicherweise „Balkone mit Millionärsgärten“.

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Auch wenn er „ein bisschen Magengrimmen“ habe ob des Grünflächenverlusts, räumte Herbert Dreiseitl (LBU/Grüne) ein, stehe er doch hinter dem Vorhaben zur Wohnraumschaffung. „Wir brauchen das.“ Dennoch rechnete Dreiseitl damit, das das Projekt weiter „kontrovers diskutiert“ werde. Keine Gegenstimmen zu dem Entwurf gab es im Ausschuss, der bei einer Enthaltung von Bernadette Siemensmeyer (LBU/Grüne) dem Gemeinderat die Zustimmung empfahl. Der kann am kommenden Mittwoch, 29. September, endgültig die Weichen stellen.

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